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von jedem Gesellschaftsmitglied nicht die mechanische und »außengeleitete« Internalisierung von sozialen Regeln verlangt, sondern eine flexible, sensibel auf soziale Bedingungen Rücksicht nehmende, »innengeleitete« Selbstorganisation der eigenen Wertvorstellungen und Handlungen (Faulstich-Wieland 2000, S. 34; Veith 1996, 2008 Zimmermann 2011). Auf diese Veränderung haben heutige soziologische und psychologische Theorien reagiert und neue Konzepte für das Verständnis des Zusammenhangs von menschlicher Persönlichkeitsentwicklung (Ontogenese) und Gesellschaftsentwicklung (Phylo- oder Soziogenese) vorgelegt. Trotz erheblicher Unterschiede zwischen den einzelnen Theorien besteht dabei die weitgehende Übereinstimmung darüber, dass Sozialisation nicht mehr in erster Linie über das Erlernen sozialer Rollenmuster und die Verinnerlichung gesellschaftlicher Normen erfolgt, sondern als selbsttätige und selbstorganisierte Aneignung von kulturell und sozial vermittelten Umweltangeboten. Dennoch ist eine Kernidee des Konzeptes »Sozialisation«, wie sie von Simmel und Durkheim ursprünglich formuliert wurde, erhalten geblieben: Sozialisation ist Persönlichkeitsentwicklung im sozialen und kulturellen Kontext und eine Form der stets spannungsreichen Konstruktion der Biografie und der Behauptung der Identität in der Umwelt im teilweisen Widerspruch zur »ärgerlichen Tatsache der Gesellschaft« (Dahrendorf 1977). Die Diskussion über die notwendige Neufassung des Sozialisationsbegriffs setzte mit vollem Schwung in den 1960er Jahren ein, damals verbunden mit der gesellschaftspolitischen These, dass Sozialisation und Erziehung das erhebliche Ausmaß an Verteilungsungleichheiten bedingen: Es kam zu scharfen wissenschaftlichen und öffentlichen Kontroversen über das Verhältnis von erzwungener Vergesellschaftung und freier Individualisierung. Während der Studierendenunruhen von