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Person) mehr oder weniger wahrscheinlich angenommen werden kann, also in einem statistisch bestimmbaren Ausmaß mit einer bestimmten Häufigkeit auftritt. Solche probabilistischen (also wahrscheinlichkeitsorientierten) Aussagen sind aber wohlgemerkt keine eindeutigen Festlegungen. Hiergegen sprechen die prinzipielle Entwicklungsoffenheit und damit ein spezifisch menschlicher Faktor der Persönlichkeitsentwicklung. Denn: Schon kleine Unterschiede in den Lebensbedingungen einer Person können einen Reflexionsvorgang in Gang setzen, die die Person von den Selbstverständlichkeiten ihrer Lebensführung »entfremdet«. Sozialisation hat viel mit diesen Prozessen zu tun, in denen Lebensbedingungen nicht nur eine bestimmte Prägewirkung auf die Person ausüben, sondern mitunter auch einen Stimulus aussenden, sich von diesen Lebensbedingungen zu befreien. In seinem biografischen Rückblick zeigt der Soziologe Didier Eribon (2016), wie selbstverständlich er sich als Sohn einer Arbeiterfamilie in ein proletarisches Milieu der 1960er und 70er Jahre hinein sozialisierte. Dazu gehörte ein bestimmter Männlichkeitskult, ein proletarisches Bewusstsein, die Abwehr von Migration etc. Erst mit der Wahrnehmung und später der Stigmatisierung seiner Homosexualität beginnt für Eribon ein Prozess der Entfremdung, der auch als Emanzipation wahrgenommen werden kann. Eribon entfernt sich von seiner Herkunft (sowohl räumlich als auch sozial) und beginnt das Selbstverständliche in Frage zu stellen. Zweifellos ist dieser Vorgang keinesfalls schmerzfrei, im Gegenteil. Die wahrgenommene Krise, die von dem Ausschluss seiner Person aus dem Herkunftsmilieu ausgeht, ist aber der Ausgangspunkt für eine Revision des Erlernten und »Althergebrachten« der Persönlichkeit. Eribon stellt die eigenen Dispositionen in Frage und die erlebte Krise – ein Grundbegriff in den meisten Sozialisationstheorien –