- Chapter 08: Situationserfassung - Added multiple references related to Auftrag, Aufgaben, and Methoden. - Updated content to clarify the importance of cooperation and resource orientation in situation assessment. - Chapter 09: Analyse - Introduced new references discussing the analysis process and methods. - Expanded on the distinction between data organization and the collection of assessments from stakeholders. - Chapter 10: Diagnose - Added references clarifying the etymology and significance of diagnosis in social work. - Updated sections on diagnostic principles, expert activity, and dialogical negotiation. - Included a detailed description of theory-guided case understanding and reconstructive methods.
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07 Konzept Kooperative Prozessgestaltung
Kapitel 7 stellt das Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) vor — ein Rahmenwerk für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit. Aus den Erkenntnissen des Grundlagenteils wird ein Anforderungskatalog abgeleitet, der als Basis des Konzepts Anforderungen an eine theoriegeleitete Strukturierung von Unterstützungsprozessen formuliert. (Kapitelübersicht)
Seiten: 136–159 Zeilen im Quelldokument: 1055–1268
Notwendigkeit eines methodisch strukturierten Vorgehens
Weder Rezepte noch Technologien stehen zur Verfügung, mit denen Veränderungen bei Klient·innen herstellbar wären. Dieses Strukturmerkmal der geringen Standardisierbarkeit begründet die Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehens, das fallbezogen unterschiedliche Methoden nutzt, um strukturelle Ungewissheit zu reduzieren. Hinzu kommt die Involviertheit als ganze Person: Die Person des Sozialarbeiters ist das Arbeitsinstrument, was Chancen birgt, aber auch Risiken unreflektierter Projektion mit sich bringt. (Involviertheit, S. 140)
Begriff und Prozessmodelle
Für methodisch strukturiertes Vorgehen existieren zahlreiche Begriffe — von Hilfeplanung über Förderplanung bis Assessment. Die Bezeichnung »Kooperative Prozessgestaltung« fokussiert bewusst auf die Gestaltung der Kooperation; professionelles Handeln wird bestimmt als geplante und reflektierte Gestaltung von Unterstützungs- und Verständigungsprozessen. In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Phasen- und Prozessmodelle, wie das achtstufige Modell von Gorges. Gemeinsam ist diesen Modellen die Unterscheidung einer analytisch-diagnostischen und einer Handlungsphase. (Begriff KPG, S. 142) (Prozessmodelle, S. 143)
Das Prozessmodell KPG und Kooperationsebenen
Das Prozessmodell ist als zirkuläres Phasenmodell mit sieben Prozessschritten in zwei Phasen konzipiert: einer analytisch-diagnostischen Phase (Situationserfassung, Analyse, Diagnose, Evaluation) und einer Handlungsphase (Zielsetzung, Interventionsplanung und -durchführung). Das Grundverständnis lautet: Vor jeglichem Handeln steht das Bemühen zu verstehen. Das Konzept ist methodenintegrativ — die Methodenwahl erfolgt fallbezogen. (Prozessmodell, S. 145)
Das Modell berücksichtigt zwei Kooperationsebenen: die Zusammenarbeit mit Klient·innen und Bezugssystemen sowie die intra- und interprofessionelle Kooperation. Im deutschen Kinder- und Jugendhilfegesetz sind beide Kooperationsformen vorgeschrieben; wo dies nicht gesetzlich verankert ist, sollte es im professionellen Selbstverständnis verankert sein. Beide Ebenen umfassen alle Prozessschritte. (Kooperationsebenen, S. 146)
Idealtypisches Modell als Denkstruktur
Das Prozessmodell dient als Orientierungshilfe und Denkstruktur. Gerade weil der Alltag oft unübersichtlich ist und Geschehnisse nicht voraussehbar sind, braucht es diesen Orientierungsrahmen. Der Rückbezug auf das Modell erlaubt, das methodische Handeln aus neu gewonnenen Erkenntnissen neu zu strukturieren. Das Modell ist flexibel: Schritte können je nach Kontext übersprungen oder vertieft werden; in der Praxis überlappen sich einzelne Prozessschritte häufig. (Unvorhersehbarkeit, S. 147) (Rückbezug, S. 148)
Zeitliche Dimensionen
Prozessgestaltung weist unterschiedliche zeitliche Dimensionen auf — von langfristigen Zyklen über ein bis zwei Jahre bis zu situativen Kürzestzyklen innerhalb von Sekunden. Methodisch strukturiertes Handeln zeichnet sich dadurch aus, die verschiedenen Prozesszyklen im Auge zu behalten, handlungsfähig zu bleiben und sie zu verbinden. Professionelle können zudem reagieren, wenn der Auftrag aus fachlicher Sicht nicht mehr sinnvoll erscheint. (Zeitdimensionen, S. 150) (Prozesszyklen, S. 152) (Auftragsanpassung, S. 151)
Kooperation auf der Fachebene und Qualitätssicherung
Die Zusammenarbeit mit Fachpersonen wird entlang des Prozessmodells verbindlich strukturiert. Bei jedem Schritt wird vereinbart, wer welchen Beitrag leistet. Exakte Dokumentationen erhalten besonderen Stellenwert für die Qualitätssicherung, da sie die Überprüfung von Standards ermöglichen. Das Modell dient zudem als Reflexionsinstrument in Supervision und Intervision. (Qualitätssicherung, S. 155)
Grundlegende Aspekte und Reflexionskriterien
KPG ist ein generalistisches, professionstheoretisch fundiertes, methodenintegratives, auf Kooperation ausgerichtetes Konzept. Die Basis bilden die Wissensbestände der Sozialen Arbeit, ein bio-psycho-soziales Menschenbild und Grundorientierungen wie Ressourcen- und Lebensweltorientierung. Zwei Arbeitsprinzipien leiten das Konzept: «erst verstehen, dann handeln» und die Gestaltung einer Arbeitsbeziehung mit gemeinsamer Suchbewegung. (Grundlegende Aspekte, S. 154)
Für die kritische Überprüfung von Methoden werden fünf Reflexionskriterien herangezogen: Kooperation, Zielsetzung Soziale Arbeit, Professionsethik, Praxisfelder und Aufwand. Jede Methode soll den fallbezogenen wie auch den Qualitätsanforderungen professionellen Handelns genügen. Der Anforderungskatalog aus dem Grundlagenteil bildet hierfür die systematische Basis. (Reflexionskriterien, S. 157) (Zusammenfassung, S. 158)