2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/055.md

35 lines
2.1 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

2.4.3.2Beziehungen
Die systemische Grundannahme bezüglich der Welt lautet: Die Welt
lässt sich als ein Komplex von Beziehungen darstellen, die sich
koevolutiv verzweigen und weiterentwickeln. Es sind nicht die
einzelnen Dinge bzw. Objekte „für sich“, sondern die Beziehungen
zwischen ihnen, die im Zentrum der systemischen Betrachtung
stehen. Beziehungen stellen Verbindungen her, indem sie
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Teilen
eines Ganzen markieren: Karl zeigt sich in der Beziehung zu seinem
Bruder Otto weniger aggressiv als dieser, beide verteidigen aber ihren
jüngeren Bruder, wenn dieser von anderen Kindern beschimpft wird.
Im Rahmen von Beziehungen lassen sich auch Verhältnisse
benennen, d. h. Vergleiche zwischen den miteinander verbundenen
Bestandteilen eines Ganzen ziehen: Peter ist im Verhältnis zu seinem
Vater kleiner oder größer, er zeigt sich aggressiver oder freundlicher,
sportlicher oder weniger sportlich als dieser. Bateson betonte den
Unterschied zwischen der Welt des Lebendigen „creatura“ und der
des Unbelebten „pleroma“ (Bateson 1982, S. 14). Das Unbelebte
lässt sich im klassisch physikalischen Sinne durch Kräfte und
Wirkungen erklären eine Billardkugel bewegt sich, weil ihr durch
einen Stoß Energie zugeführt wurde. In der Welt des Lebendigen
können die Begriffe von Energie, Impuls und Bewegung bzw.
Dynamik nur noch als Metaphern dienen. Wir sprechen zwar auch im
Kontext systemischer Betrachtungsweisen von Lebensenergie,
Handlungsimpulsen und der Dynamik von Systemen. Was wir aber
damit zum Ausdruck bringen wollen, sind die Beziehungen, die durch
Handlungen der einzelnen Elemente des Systems entstehen, sie
verbinden und deren Verhalten einen Sinn ergeben. In einer Familie
hat das Verhalten der Kinder nur Sinn, wenn wir es auf die
Interaktion zwischen Eltern und Kindern, der Kinder untereinander
und die sie regulierenden zeitübergreifenden Strukturen beziehen.
Das Weinen des Kindes kann in diesem Sinne als Botschaft an den
gerade anwesenden Elternteil verstanden werden, dass es
Unterstützung, Nähe, Trost sucht; die Antwort der Eltern streicheln,