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10.1 Traumapädagogik und Therapie eine Standortbestimmung Die Zusammenarbeit von Pädagoginnen und Therapeutinnen beschränkt sich auch heute noch nicht selten auf Hol- und Bringdienste; der fachliche Austausch und das Ringen um eine gemeinsame Sichtweise entfallen. Die Tatsache, dass viele Kinder in der Heimerziehung traumatischen Belastungen ausgesetzt waren, erfordert eine Standortsuche, die Pädagogik und Therapie gewichtet und Formen der Integration findet. Als eine Art Gegenbewegung zum langjährigen Trend zur Therapeutisierung wird zum Teil noch heute in den Hilfen zur Erziehung therapeutisches Know-how abgelehnt. Seit Ende der 1970er Jahre wurden in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe vielfach therapeutische und Beratungsdienste eingerichtet, die Stellen höher dotiert, die Alltagspädagogik weiter ziel- und sinnentleert. Die Möglichkeit, die Heimpädagogik aufzuwerten und endlich die enorme Leistung der Pädagog*innen anzuerkennen, wurde dort vertan. Therapeutische Disziplinen können zur Aufklärung, zum Verständnis von Lebensproblemen und Entlastung wie zur Verbreiterung der Handlungsfähigkeit beitragen, wenn die möglichen Gefährdungen auch gesehen werden: Therapie sei immer verführt, was sie nicht versteht, als Krankheit zu interpretieren, mit der möglichen Folge der Demütigung oder Entwürdigung. Der Interpretierende verfügt über Herrschaftswissen, er ist denen, die ihn in Anspruch nehmen pointiert geredet , überlegen. Die Aufmerksamkeit wird für die Arbeit des Individuums an sich okkupiert, die gesellschaftlichen Strukturen bleiben unerörtert. Die in einer offenen und vielfältigen Alltäglichkeit angelegten Chancen einer Hilfe zur Selbsthilfe bleiben unbeachtet und erscheinen als minderwertig. (Thiersch 1979). Kinder wehren sich gegen die Pathologisierung mit Sätzen wie „ich bin doch nicht verrückt“, oder „ich gehöre nicht zu den Psychos“.