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178 „Ich glaube auf diese Frage gibt es keine zufriedenstellende Antwort. Ich selber habe mir diese Frage oft gestellt und ertappe mich immer noch manchmal dabei, wie ich darüber nachdenke. Ich finde es aber sehr wichtig, dass, wenn diese Frage bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen aufkommt, sie diese Stück für Stück mit Unterstützung beantworten können.“ (Weiß/Sauerer 2018a, S. 147)

Kinder und Jugendliche, die in ihrer Existenz bedroht waren, fragen nach dem Sinn, sie beschäftigen sich mit Schuld und Scham, sie suchen nach Erklärungen. In meinem langen pädagogischen Wirken bin ich immer wieder von den spirituellen Zugängen der Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen berührt. Sie bitten eine höhere Instanz um Hilfe und sie suchen Beruhigung in der Natur, sie spüren eine Kraftquelle. Sie überwinden so Einsamkeit und verbinden sich mit etwas Größerem. Eine spirituelle Dimension der Zeugenschaft und Anerkennung des Schmerzes geschieht, weil die innere Wahrheit bekräftig und die Verbindung zum eigenen Unversehrten entsteht (Sauerer 2019). Anja Sauerer begreift Spiritualität als „[…] eine Aufforderung […] sich zu verbinden mit sich, mit der umgebenden Welt. Also das stete Bemühen, sich mit der Wirklichkeit zu verbinden als Korrektur traumatischer Erfahrungen, die ja zu einem Gefühl von Abgetrennt Sein, abgetrennt von spirituellen Zugängen, zu sich und der Welt geführt haben. Spirituelle Selbstbemächtigung auf der Basis von Partizipation und gemeinsamen Verstehen bedeutet das Verbunden Sein mit mir und meinem Wesenskern, meiner Wahrheit in innerer Zeugenschaft.“ (Sauerer/ Weiß 2020, S. 638). Verbundensein mit dem großen Ganzen, unabhängig von Religion und Weltanschauung kann man auch als spirituelles Wohlbefinden bezeichnen. Und es verwundert nicht, dass „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) […] spirituelles Wohlbefinden als einen eigenständigen Bestandteil umfassender Gesundheit.“ (Utsch/Bonelli/Pfeifer 2014, S. 3) betrachtet. In der alltäglichen traumapädagogischen Praxis gilt es, Räume für Spiritualität zu öffnen. Das kann zu Beispiel mit einem bewussten Atmen beginnen, einem Atem der in die Tiefe führt, der unterstützt bei der Regulation von Stresszuständen und der verbindet. Anja Sauerer schlägt vor mit dem Atem den Satz Es ist überstanden einzuatmen und mit dem Ausatmen den Satz Ich bin okay zu verbinden. Oder