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materialistische Behindertenpädagogik, die dazu auffordert, Behinderung als soziales Verhältnis auszumachen und strukturelle Gewalt aufzulösen (1984). Vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Aufbruchs entstanden in der jugendpolitischen Praxis der 1970er Jahre Lehrlingskollektive, selbstverwaltete Jugendzentren, Projekte politischer Pädagogik mit Hauptschulklassen und in der Bildungslandschaft zahlreiche Reformschulen, Mitbestimmungsstrukturen, Projektunterricht und Initiativen, die die Subjektivität, Selbsttätigkeit und Ganzheitlichkeit ins Zentrum ihrer Arbeit stellten. Zum Teil initiierten dies die Betroffenen selbst, zum Teil mit maßgeblicher Begleitung von Pädagog*innen und zum Teil mit öffentlicher Unterstützung. In Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe entstanden unterschiedlichste Beteiligungsstrukturen und eine emanzipatorische Mädchenarbeit. Diese Traditionen der emanzipatorischen Pädagogik, die in gleichem Maße auch Inhalte der Befreiungspädagogik in Südamerika waren, solle die Menschen dabei unterstützen, „[…] kritisch die Weise zu begreifen, in der sie in der Welt existieren […]“ (Freire 1975, S. 67), und ein Bewusstsein für Menschenwürde, Empathie und Selbstbewusstsein zu entwickeln, sodass sich die Menschen „[…] selbst als Subjekte der politischen Prozesse wissen.“ (Adorno 1963, S. 130)

Psychoanalytische Pädagogik und Milieuarbeit

Viele Elemente der psychoanalytischen Pädagogik finden wir heute in traumapädagogischen Konzepten. „Das tragfähige Fundament für diese Praxis bildet ein psychoanalytisches Konzept des Verstehens und Begreifens (Dörr 2016, S. 44), eben der Gute Grund. Einbezogen sei darin die Kunst des verstehenden Annehmens anderer, die Bereitschaft zu einem bewussten Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit und das gemeinsame Ringen um eine Verständigung (ebd.). Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelte August Aichhorn (18781949) ein erstes Konzept psychoanalytischer Pädagogik. Er integrierte Freuds Übertragungskonzept in seine pädagogische Arbeit mit verwahrlosten Jugendlichen und