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innerer Emigration als Reaktion auf die Traumatisierung. Sie leben, als benötigten sie keine Bindungsperson. In sehr schwierigen und bedrohlichen Situationen versuchen sie pseudoautark diese Bedrohung alleine zu überstehen. Auch die Kontrolle von Beziehung gegenüber den Bezugspersonen, die viele der Kinder auszuüben versuchen, hatte lange ihren Überlebenssinn. Heute soll sie vor neuem Verrat und vor Verlassenheitsängsten schützen: Jana die mittlerweile vier Jahre in der Wohngruppe lebt hat immerzu Angst, sie würde zurückgelassen und sie sei nicht wertvoll für die Gruppenleiterin. Sie überträgt alte Gefühle von Angst, Misstrauen, vielleicht auch Unterwürfigkeit etc. und alte Erlebnisinhalte auf die neuen Bezugspersonen. Jana steht misstrauisch der offenen Herzlichkeit ihrer Gruppenleiterin gegenüber, sie kann sich hierüber noch nicht freuen. Philipp hat Angst, der Pädagoge sei nur deshalb so freundlich, um ihn dann zu zwingen, seinen Penis in den Mund zu nehmen.

Die Mädchen und Jungen übertragen ihre frühen Bindungserfahrungen in andere Beziehungen, z. B. in die Beziehungen zu den Gleichaltrigen in der Wohngruppe, in der Schule, der Kindertagesstätte und den Peergroups und in die Beziehung zu den Pädagog*innen. Sie treten den neuen Bezugspersonen mit starkem Misstrauen gegenüber. Sie zeigen häufiger aggressives und weniger soziales Verhalten schon im Kindergarten. Hinter diesem aggressiven Verhalten können sich durchaus Bindungswünsche verstecken. Die Angst vor Zurückweisung kann in aggressivem Verhalten ausgedrückt werden. Aber welcher Erwachsene oder gar welche Gleichaltrigen können so versteckte Bindungswünsche und Näheängste verstehen? Wenn Kinder nach einer anfänglich ruhigen Phase in einer Wohngruppe oder Pflegefamilie beginnen, traumatische Erfahrungen zu inszenieren und zu übertragen, kann dies für beide Seiten sehr belastend sein (Kap. 14.3). Die Beziehungen zwischen beiden werden auf eine harte Probe gestellt. Gerade hierdurch aber zeigt das Kind, das es sich in einen Prozess der Bindungsentwicklung begeben hat, dass es beginnt zu vertrauen. Dass ist manchmal schwer zu verstehen: Der Beginn von Vertrauen, von Bindung ist dann möglicherweise durch aggressive Handlungen,