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Trauma und Körper

Das dreieinige Gehirn Innerhalb der Traumapädagogik hat sich das Modell des dreieinigen Gehirns von MacLean, einem amerikanischen Hirnforscher, bewährt. Das Modell hilft, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Wir können damit »traumaspezifische Reaktionen wie Rückblenden, Übererregung, Erstarrung und Dissoziation erklären« (Weiß 2024, S. 144). Die drei verschiedenen Bestandteile des dreieinigen Gehirns haben sich im Laufe der Evolution entwickelt. Innerhalb dieses Modells geht man davon aus, dass jeder Gehirnteil seine eigene Sprache hat. Unser ältester Gehirnteil entstammt der Zeit der Reptilien und wird somit auch Reptilienhirn oder Stammhirn genannt. Es ist bereits von Geburt an funktionsfähig und reguliert alle unsere lebensnotwendigen Grundfunktionen wie zum Beispiel Herzschlag, Atmung, Verdauung oder auch Sexualität. Ebenso steuert es (gemeinsam mit dem ANS) unsere Überlebensreaktionen wie fliehen, kämpfen oder erstarren. Die Sprache des Reptilienhirns sind die Körperempfindungen, wie z. B. angespannt, weich, eng, eisig, locker, oder prickelnd. Das limbische System wird als Mittelhirn oder mitunter auch als Säugetierhirn bezeichnet. Dieses Subsystem unseres Gehirns ist während der Entstehung der Säugetiere entstanden und umgibt ringartig das Reptilienhirn (lat. limbus = Ring). Es »wird weitgehend in den ersten sechs Lebensjahren organisiert, aber es entwickelt sich auch danach weiter nutzungsabhängig« (van der Kolk 2015, S. 74). Das limbische System ist der Sitz unserer Emotionen. Daher sagt man auch, die Sprache des limbischen Systems sind die Gefühle. Zum limbischen System gehören neben anderen Zentren die Amygdala und der Hippocampus. Die Amygdala ist unsere Warnzentrale. In Bruchteilen von Sekunden ist sie an der emotionalen Bewertung von Situationen beteiligt. Sie verarbeitet alle externen Signale und leitet entsprechende Reaktionen ein. Bei Gefahrenmeldung führt ein Weg über den Thalamus nach unten ins Reptilienhirn, der andere Weg führt über den Hippocampus nach oben zum Neokortex. Dieser zweite Weg ist der langsamere. Der Hippocampus ist für die Speicherung unserer deklarativen Erinnerungen zuständig. Er verarbeitet Informationen aus der Umwelt und aus dem Körperinneren und hilft dem Neokortex, eine Erinnerung an das Ereignis zu entwickeln (Scaer 2014, S. 65). Dabei »geht es hauptsächlich darum, die Kategorien Raum (Wo war das?) und Zeit (Wann war das?) zu erarbeiten« (Hantke/Görges 2012, S. 36). Der Hippocampus wird erst etwa im Alter von 17 bis 18 Monaten aktiv. Der Neokortex bzw. das Großhirn ist normalerweise unsere oberste Steuerungszentrale, sozusagen der Regisseur aller anderen Gehirngebiete. Er ist mit den meisten Gehirnregionen verbunden, erhält Informationen und projiziert an sie wieder zurück. Dadurch kann er auf sie hemmend oder aktivierend einwirken.