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Die unheilvolle Verflechtung von Trauma und Schuld

zuschreiben. Dies zeigt sich nicht immer offen, sondern oft als Selbstverletzung und Destruktivität. Sexualisierte Gewalt ist in besonderem Maße mit Machtübergriff, herbeigeführtem Kontrollverlust und dem Gefühl des Ausgeliefertseins verbunden. Es gilt »die brutale Macht des Stärkeren« (Baer/Frick-Baer 2021, S. 45), wobei sexualisierte Gewalt besonders häufig mit erhöhter Verantwortungsübernahme der Betroffenen assoziiert ist (Erb et al. 2023). Überlebende neigen dazu, sich das Erlebte durch internale, stabile (überdauernde) und globale (auf viele verschiedene Situationen zutreffende) Attributionsstile zu erklären (Wenninger/Ehlers 1998; Massad/Hulsey 2006), d. h. sie tendieren dazu, negative Erfahrungen als Resultat eigener Unzulänglichkeiten oder Nachlässigkeiten zu interpretieren und externale unkontrollierbare Faktoren in der Ursachenbeschreibung auszuklammern, z. B. »Es konnte soweit kommen, weil ich zu ängstlich bin, um mich zu wehren«. Internale Kontrollüberzeugungen bei interpersonellen Gewalterfahrungen können einerseits vor dem Gefühl der Hilflosigkeit und der Ohnmacht schützen (Montada 1995), andererseits gibt es Hinweise darauf, dass hohe Verantwortungsübernahme zu einem geringen Selbstwert führt (Andreatta/Juen 2020) und mit einer negativen Sicht über sich selbst und die Welt einhergeht (Beck et al. 2015). Internale Attributionen werden von Kindern und Jugendlichen vorgenommen, um sich das Geschehene zu erklären und es als folgerichtig einordnen zu können (Feiring et al. 2002). Herman (2014) betont, dass zwangsläufig immer Schuldgefühle entstehen, wenn Überlebende ihr eigenes Verhalten beurteilen, denn egal wie »mutig« und »einfallsreich« das Kind gewesen sein mag, ist es ihm nicht gelungen, die Katastrophe abzuwenden (S. 80). Schuldgefühle sind hier allem voran der Versuch, das eigene Überleben zu sichern sowie Macht und Kontrolle zu gewinnen. »Die Vorstellung, man hätte es besser machen können, ist unter Umständen leichter erträglich, als sich der Tatsache der absoluten Ohnmacht zu stellen« (Herman 2014, S. 80). Kinder, die wiederholt (sexualisierter) Gewalt ausgesetzt sind, sind daher im weiteren Verlauf ihres Lebens anfälliger für Schuld- und Insuffizienzgefühle (Herman 2014; Erb 2023). Mit dem gehäuften Ausgeliefertsein werden internale Glaubenssätze immer weiter verfestigt (Feiring et al. 2002). In vielen Fällen verstärken die Täter*innen mit Strategien und Zuschreibungen, wie z. B. »Du hast mich verführt«, »Dir hat es ja gefallen« oder dem Zwang zur Geheimhaltung, die Bereitschaft der Kinder, die Verantwortung für die Grenzverletzung zu übernehmen (Amann 2023). Negative Annahmen über das Individuum selbst drohen fester Bestandteil des Selbstbildes zu werden, da den Kindern positive Selbstwirksamkeitserfahrungen in einem missbräuchlichen Umfeld verwehrt bleiben (Finkelhor et al. 2007; Herman 2014). Schuldgefühle können so bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben (Baer/Frick-Baer 2021; Herman 2014). Die Entwicklung eines »freundlicheren« Selbstbildes wird von der zunehmenden Wahrnehmung der eigenen Kompetenz und des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten unterstützt.