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Die Pädagogik der Selbstbemächtigung Eine traumapädagogische Methode

Wirkkraft traumatischer Übertragungen Die Übertragung traumatischer Erfahrungen in aktuellen Beziehungen stört diese (Herman 1993, S. 187ff.; Kessler i. d. B.), wie es den Kindern beispielsweise hiermit erläutert werden kann: »Die Dynamik ist ein normaler Vorgang. Haben z. B. Kinder früh erlebt, dass sie nicht ausreichend versorgt werden, rechnen sie auch wenn sie heute ausreichend zu essen bekommen damit, zu verhungern. Kinder, die geschlagen wurden, gehen davon aus, dass sie wieder geschlagen werden. Kinder, die nur beachtet wurden, wenn sie sexuell missbraucht wurden, nehmen möglicherweise an, sexuelle Gewalt sei Bestandteil von Zuwendung.« Diese einfachen Erklärungen helfen den Mädchen* und Jungen*, ihr Verhalten, z. B. die Angst, zu verhungern und geschlagen zu werden, zu verstehen. Mit diesem Wissen können sie überprüfen, ob ihre Annahmen heute noch gültig sind. Insbesondere in der Übertragungsdynamik mit schädigenden, z. B. hochunsicheren und vermeidenden, Bindungserfahrungen kann der Neokortex zur Korrektur beitragen: »Sind Erwachsene heute da, um dich zu unterstützen? Helfen sie, wenn du Angst hast oder machen sie Angst? Ist es heute immer noch so, dass Erwachsene unerreichbar sind und dich nicht unterstützen?

Störungswertige Dissoziation Die störungswertige Dissoziation ist erstaunlicherweise in der Pädagogik selten ein Thema (Weiß et al. 2014). Nicht wenige Kinder und Jugendlichen dissoziieren, in der Schule, in Einrichtungen, überhaupt. Sie stehen neben sich, wie sie es selbst formulieren. Viele Menschen dissoziieren und so kann schon die Erkenntnis: »Ich bin nicht verrückt, andere Menschen dissoziieren auch« entlasten. »Du bist nicht verrückt, Dissoziation ist eine universale menschliche Fähigkeit und ein hilfreiches menschliches Vermögen. Dissoziation schützt vor einem Zuviel an Eindrücken und vor zu vielen schmerzhaften Eindrücken. Das Gehirn stellt auf Durchzug. Im Gehirn ist dafür das limbische System durchständig.« Mithilfe des integralen dreieinigen Gehirns (Paul MacLean, nach Levine/Kline 2006) können wir das gut erklären (Abb. 3): »Meldet unser Frühwarnsystem, die Amygdala, eine Gefahr, die so extrem ist, dass du sie nicht wahrnehmen kannst, setzt ein Überlastungsschutz ein. Du spürst die Bedrohung nicht. Das ist gut. Wenn jedoch das Gehirn sich an diesen Arbeitsmodus gewöhnt hat, passiert Dissoziieren, auf Durchzug stellen, automatisch. Auch wenn die Gefahr nicht so groß ist, reguliert das limbische System die Gefühle runter, du versinkst im Nebel. Du spürst Gefühle nicht mehr, auch Gute wie Freude und Spaß. Du hast kein Zeitgefühl, vielleicht sind deine Erinnerungen weg, möglicherweise fühlst du dich, als würdest du neben dir stehen oder als wärst du nicht