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Verstehen und Intervention gestalten in der Praxis der Traumapädagogik
Diagnostisches Verstehen 1 Klassifikatorische Diagnostik
Koordinaten psychosozialer Diagnostik und Intervention
2 Biografiediagnostik
Biopsychosoziale Diagnose
3 Lebensweltdiagnostik
Interventionsplanung
Abb. 2: Diagnostisches Verstehen (vgl. Gahleitner et al. 2014, S. 252)
Ein Trauma entfaltet seine Wirkung jedoch immer im Spannungsfeld von subjektiven und Umfeldfaktoren. Das Kind erlebt die objektiven Umfeldfaktoren vor seinem subjektiven Hintergrund, der durch entwicklungsbedingte Verletzlichkeiten sowie individuelle Vorerfahrungen geprägt ist. Das traumatische Erlebnis wiederum wird durch entwicklungsbedingte Prozesse ständig aktualisiert und modifiziert. Biografie und Entwicklung der Kinder und Jugendlichen bieten daher einen wichtigen Referenzrahmen für die Diagnostik ihrer traumatischen Erfahrungen. Um diese – für die stationäre Kinder- und Jugendarbeit unausweichliche – Bedeutung entwicklungs- und biografieorientierter Prozesse einzufangen, bedarf es biografisch kontextualisierter und subjektorientierter Zugänge. Hier bieten sich verstehende Modelle aus der Biografieforschung und angrenzenden Bereichen der Sozialen Arbeit an. Die hierzu entwickelten Erhebungsverfahren sind vielfältig (Petzold et al. 2000). Alle Methoden der Biografiearbeit im Kinder- und Jugendbereich setzen offene Anamnese- und Gesprächssituationen ein, um ein dezidiertes Verstehen zu ermöglichen (Fischer/Goblirsch 2004; Gahleitner 2021). Ein schönes Beispiel für eine behutsame Erhebung biografischer Aspekte bieten traumapädagogische Ansätze der Biografiearbeit mit Kindern in stationären Einrichtungen entlang von Lebensbüchern (Krautkrämer-Oberhoff 2023). Sie eröffnen eine Chance, sich »Teile der verlorenen Lebensgeschichte zurückzuerobern« (Krautkrämer-Oberhoff 2009, S. 110). Das Erzählen hilft nicht nur dem Wiedererinnern, feststeckende vage alte Erfahrungen können sich auch wieder »verflüssigen […] zu fühlbaren und emotionalen Ereignissen. […] Das Lebensbuch bietet in kindgerechter Weise Anreize, über die eigene Person, die Herkunft und das bisherige Gewordensein nachzudenken und dabei Erlebnisse und Erfahrungen zu erinnern, zuzuordnen und in einen Zusammenhang zu bringen« (Krautkrämer-Oberhoff 2009, S. 109f.). Mit diesem Vorgehen lässt sich zudem ein bindungssensibles Instrument, das sogenannte Adult-Attachment-Interview (für Kinder), das sich auch für die Bindungsdiagnostik bei Kindern ab dem Schulalter eignet, verbinden (abgekürzt: AAI; Main/Goldwyn 1996; Buchheim/Strauß 2002, S. 29–35). Aufgrund ihrer prägenden Wirkung für die Persönlichkeit verzerren frühe traumatische Erfahrungen die Erwartungen von Kindern und Jugendlichen an die
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