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Selbstbemächtigung & Selbstwirksamkeit

Nach gravierenden Grenzverletzungen müssen Möglichkeiten zur Rekonstruktion eines ausreichend sicheren Orts für alle Beteiligten entwickelt werden. Die Aufmerksamkeit sollte möglichst auf die emotionale Versorgung und auf das Wiederherstellen der Sicherheit gelenkt werden (Schmid et al. 2015). Zwangsmaßnahmen sowie Handlungen zum Schutz können auf Ebene der Fachpersonen Grenzen des persönlichen Erlebens von Wertschätzung überschreiten und zu einem intensiven und wiederholten Erleben von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Willkür führen. Unabdingbar für ein Sicherheitsgefühl auch auf Ebene der Mitarbeitenden sind Nachbesprechungen mit einer wertschätzenden wie versorgenden Haltung gegenüber den betroffenen jungen Menschen und involvierten Bezugspersonen, nach Bedarf im Eins-zu-eins-Setting, innerhalb des Teams oder mit Einbezug externer Begleitung wie Supervisionen (Kahmen et al. 2022).

Selbstbemächtigung & Selbstwirksamkeit Die herausfordernde Lebenssituation und die damit einhergehende Erfahrung von Überforderung und Ohnmacht zum Zeitpunkt einer Aufnahme in der KJP, welche beim Eintritt seitens der jungen Menschen und ihrer (elterlichen) Bezugsperson(en) bestehen, verdeutlichen den Verlust der eigenen Handlungsfähigkeit aller betroffenen Parteien. Hinzu kommen die emotionale Verletztheit und die meist reduzierte Fähigkeit insbesondere in dieser Krisensituation Beziehung aufzunehmen und zu halten, was einem Selbstwirksamkeitserleben und einem positiven Selbstbild diametral gegenübersteht. Die jungen Menschen können meist nicht auf ein adäquates »Stressverarbeitungssystem« oder inneres »Beruhigungssystem« zurückgreifen (Weiß 2016, S. 95). Sie müssen für ihre eigenen Grenzen und die Grenzen des Gegenübers im Rahmen der KJP gegenüber Peers und Mitarbeitenden sensibilisiert werden (Schmid et al. 2015). Ein Anliegen der KJP ist es, gemeinsame Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeit für die jungen Menschen und deren (elterliche) Bezugsperson(en) zu entwickeln. Ein Fokus liegt dabei auf der Stärkung des Selbstbildes und der eigenen Handlungsfähigkeit, der Förderung von Selbstbemächtigung und (Wieder-)Erlangung von Selbstwirksamkeit. Selbstbemächtigung bedeutet, den Anforderungen und dem Gefühl der Ohnmacht so autonom wie möglich begegnen zu können (Weiß 2016). In der KJP kann genau diese Förderung im umfassenden transdisziplinären Kontext unterstützt werden: • die Förderung des (kognitiven) Selbstverstehens • die Unterstützung der Selbstakzeptanz • die Förderung der Selbstregulation • die Förderung von Sinnes- und Körperwahrnehmungen (Weiß 2021)

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