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Behindert uns nicht!

Betrachtung der Biografien von Menschen kann nicht ausgeschlossen werden, dass ebenso innerfamiliäre, häusliche oder sexualisierte Gewalt, extreme Vernachlässigungen, ob prä- oder postnatal, die Ursache für langfristige körperliche oder geistige Schädigungen der Kinder, Jugendlichen und auch Erwachsenen sein können (Irblich 1999; Kassebrock/Rühling 2005). Menschen, denen die Behinderung vor oder nach der Geburt diagnostiziert wurde, müssen sich häufig schon im Säuglingsalter medizinischen Versorgungen unterziehen, Behandlungen und OPs über sich ergehen lassen. Dies ist in der Regel eine Herausforderung für die ganze Familie. Im weiteren Verlauf sind häufig regelmäßige Förder- und Behandlungsmaßnahmen nötig, immer mit dem Ziel, die Entwicklung des Kindes so gut als möglich zu unterstützen. Meist organisiert sich die gesamte Familie um die Behinderung des Kindes herum. Für Eltern in freudiger Erwartung auf den Familienzuwachs bedeutet die Geburt eines Kindes mit Behinderung nur allzu oft eine herbe Verunsicherung bis hin zur subjektiv erlebten Bedrohung der Existenz als intakte Familie. Bei den Eltern kann sich die erlebte Belastung auf die Kontaktaufnahme und die Feinfühligkeit auswirken. »Belastungen der frühen Eltern Kind Beziehung, egal welcher Art, die die frühen regulatorischen Prozesse nachhaltig irritieren, sind nicht nur mit einem hohem Risiko für die weitere Entwicklung des Kindes verbunden« (Korritko/Pleyer 2011, S. 188).

Korritko und Pleyer führen im Weiteren aus, dass sich ebenso die parentale Kompetenzaufgrund der erlebten Belastungen nur schwer entwickeln und ausweiten kann. In Anlehnung an Jantzen benennt Mattner, dass der Begriff geistige Behinderung eine Einschränkung in Dialog und Bindung in der frühen Kindheit tangiert, worin die spezifische Vulnerabilität begründet sei (Mattner 2008). Spricht man von traumatischen Ereignissen wird im Bereich der Menschen aus dem Erfahrungsspektrum Behinderung neben den Monotraumata und seriellen Traumatisierungen häufig der Begriff Mikrotrauma verwendet. »Heute geht man davon aus, dass nicht nur dramatische Ereignisse, sondern auch kumulative Mikrotraumatisierungen durch schwierige Interaktionserfahrungen […] Störungen der Persönlichkeitsentwicklung nach sich ziehen können« (Endres/Moisel 2002, S. 15). Menschen, die nicht über einen verbalsprachlichen Ausdruck verfügen, werden nur allzu oft generalisierend in die Schublade geistige Behinderung gesteckt. Verbale Sprache ist nach wie vor die Messlatte für den kognitiven Leistungsstand. Betroffen sind von dieser Einschätzung auch Menschen, die aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel einer Cerebralparese nicht in Lage sind, sich lautsprachlich zu äußern.