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Traumapädagogische Familienhilfe

Selbsterfahrung durchlaufen haben. Die Kenntnis der eigenen, eventuell höchst belasteten Lebensmomente und Phasen führen zu einer Stärkung der psychischen Abwehrkräfte. Achtsamkeit, Wertschätzung und Einfühlungsvermögen gilt es im Arbeitskontext nicht als einseitig zielgerichtet zu verstehen. Die achtsame, wertschätzende und einfühlsame Umgangsweise der Profis mit sich selbst ist im Arbeitskontext mit traumatisierten Systemen notwendig, um die Schwere der Themen mittragen (halten) zu können. Die gute Versorgung und Selbstfürsorge der Pädagoginnen, die in diesem Bereich arbeiten, ist daher von hoher Bedeutung. Traumapädagogisches Arbeiten ist neben speziellem, methodischen Arbeiten eine spezifische Haltung. Die Haltung ist geprägt von dem Wissen, dass traumatisierte Menschen angemessen auf unangemessen Erlebtes reagieren. Sie sind Spezialistinnen für die Bewältigung extremer und belasteter Lebenserfahrungen und wir Profis stellen unser Fachwissen respektvoll zur Verfügung. Traumatische Erlebnisse sind häufig von Intransparenz und Tabuisierung geprägt. Es ist daher notwendig in der Arbeit mit traumatisierten Systemen, diesbezüglich eine hohe Achtsamkeit zu haben. Die Arbeit der Pädagoginnen sowie die Zusammenarbeit der Institutionen sollten gegenüber der Familie absolut transparent gestaltet werden. Kinder können offensichtlich erkennbare Widersprüche gut aushalten. Das Leid beginnt bei den nicht deutlich erkennbaren, schwer greifbaren Widersprüchen, die die Grundstimmung einer Kommunikation betreffen. Udo Baer und Gabriele Frick-Baer reden diesbezüglich in ihrem Buch »Wie Traumata in die nächste Generation wirken« (Baer/Frick-Baer 2014) von Unstimmigkeiten. Vor dem Hintergrund einer Flucht- und Vertriebenenerfahrung entsteht die Schwierigkeit, an einem neuen Ort tatsächlich auch emotional ankommen zu können. Die innere Verbundenheit mit der Ursprungsregion lässt für die Eltern dort das Gefühl der tatsächlichen Heimat verhaften. So kann der Ort, an dem eine Familie mit Fluchterfahrung lebt, sich für die Kinder aufgrund der verbalen und nonverbalen Botschaften auf der emotionalen Ebene auf eine Wohnung reduzieren, in der man existiert. Der eingeschränkte Aspekt der Sicherheit eines Zuhauses wirkt sich negativ auf den Selbstwert aus, was wiederum zu einer Einschränkung der eigentlich möglichen emotionalen wie kognitiven Entwicklung führt. In einer Vielzahl von Familien mit Fluchterfahrung, die wir begleiten, existieren für die Kinder und Jugendlichen massive Schulprobleme und Schwierigkeiten, sich unangestrengt im sozialen Umfeld zu bewegen. Ein hohes Maß an Verunsicherung, Rast- und Ruhelosigkeit bis hin zu Gefühlen von ge(ver)trieben sein begleitet die Arbeit der Pädagoginnen mit den Kindern in diesen Systemen. Neben den grundsätzlichen Inhalten, wie das Bemühen, mit den Familien den Bereich des Selbstverstehens im fortlaufenden Prozess zu erhöhen, führt die Einführung ritualisierter Abläufe im Alltag sowie die aktive Verortung der einzelnen Personen im Sozialraum zu einer spürbaren »Beruhigung« und Erhöhung des Sicherheitsgefühls.