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Traumapädagogische Settings diversitätssensibel öffnen BEISPIEL
Familie S. kommt gemeinsam zur Beratung. Beide Seiten sprechen erst einmal mit mir allein. Es stellt sich heraus, dass die jugendliche Person (13), sich schon seit mindestens vier Jahren mit ihrer Identität auseinandersetzt. Das Coming-out ist unter Pubertätsdruck und den damit einhergehenden körperlichen Veränderungen passiert mit dem Wunsch nach therapeutischer Begleitung sowie dem Anliegen, zu Hause und im schulischen Umfeld Name, Pronomen und Äußeres der eigenen Geschlechtsidentität anzupassen. Die Eltern wiederum wissen erst einmal gar nicht, wie ihnen geschieht. Sie haben zwar den starken Rückzug und das selbstverletzende Verhalten ihres Kindes mit wachsender Sorge betrachtet, aber erst mit dem Coming-out ist klargeworden, was hinter Rückzug, depressiven Verstimmungen und schlechteren Zensuren steckt. Sie sind gewillt, ihr Kind zu unterstützen, aber selbst noch gar nicht in der Lage, bspw. einen neuen Vornamen zu nutzen. Das neue Wissen muss erst einmal ansatzweise verarbeitet werden. Wir einigen uns auf einen ersten einfachen Kompromiss in der Form, dass nicht mehr von Tochter/Sohn, sondern vom Kind gesprochen wird und statt des bei der Geburt gegebenen Namens ein Kosewort benutzt wird, welches allen vertraut ist. Ich ermutige die Familie, dass gemeinsam ein Vorname oder Zweitvorname gesucht wird. Das scheint trivial, ist aber ein erster gemeinsamer Schritt, in der Transition des Kindes.
Die Begleitung der Kinder und Jugendlichen durch transerfahrene Therapeutinnen ist in Fällen, in denen angleichende Maßnahmen zur Verringerung des dysphorischen Erlebens nötig werden, unerlässlich. Eltern können, falls es dies als Angebot in der Nähe gibt, ermutigt werden, sich mit ihren eigenen Fragen und Sorgen an eine queerspezifische Elterngruppe zu wenden. Im Vordergrund der Familienarbeit steht die Bildung eines familiären Klimas, in welchem TNA* Kinder und Jugendliche neben dem erlebten Kontrollverlust durch körperliche Veränderungen ein Minimum an Sicherheit durch eine Atmosphäre der Zugewandtheit und Geborgenheit erfahren, in welcher ein Austausch über das eigene Erleben möglich ist und sie nicht (mehr) zuständig sind für die Trauerarbeit und das Wohlbefinden der Eltern.
Heteronormativität als real erlebte strukturelle Diskriminierung in Institutionen Dass ausgerechnet die Jugendhilfe einen besonderen Auftrag hat, sich mit dem Genderdiskurs auseinanderzusetzen, ist nicht verwunderlich. Sie bildet die Schnittstelle, an der heteronormative Strukturen, Adultismus, die Frage nach Selbstbestimmtheit, Kinderrechten und Handlungsspielräumen innerhalb der Interessensbereiche von Kinder und Jugendlichen und Erwachsenen aufeinanderprallen. War es bis zum bis zum 31. Juni 2021 im Kinder- und Jugendhilfegesetz § 9, Absatz 3 Konvention, »die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und