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Gegenreaktionen sind spürbar BEISPIEL
Folgen wir dem Beispiel, dann gibt es in der konkreten Situation für Wolfgang den Anlass zur Vermutung – gekoppelt mit einer realen Angst –, nicht versorgt zu werden. »Alle bekommen etwas zu essen, nur ich nicht.« Eine ihm wohl bekannte Situation. Gibt es im Alltag einen Bezug zu den inneren Repräsentanten dieser Situation in der Vergangenheit, ist das Vergangene nicht vergangen, sondern findet seinen Weg und Ausdruck in der aktuellen Situation.
Der Übertragungsbegriff nimmt zunächst alle Beeinflussungen auf, die sich innerhalb einer zwischenmenschlichen Interaktion bewegen. Freud weist in seinem Übertragungskonzept darauf hin, dass in der Analyse der Übertragung eine Unterscheidung zwischen der positiven und der negativen Übertragung getroffen werden muss (Freud 1945, S. 371). Begrifflichkeiten, die gleichermaßen in der Literatur zur Differenzierung zu finden sind, sind behandlungsfördernde, unanstößige, bewusste und unbewusste Übertragungen. Eine weitere Dimension der Übertragung beschreibt Judith Herman: Sie benennt die Übertragungen, deren Verknüpfung im traumatischen Erleben verborgen liegt (Herman 2006). Traumatische Erfahrungen leben in Erinnerungsebenen der Kinder und Jugendlichen fort und beeinflussen das Hier und Jetzt durch Flashbacks, Alpträume, Re-Inszenierungen und Übertragung der Beziehungsdynamiken. Traumatische Übertragungen unterscheiden sich von den nicht traumatisch besetzten Übertragungen in der Wucht, mit denen sie gefüllt sind. »Ihre emotionalen Reaktionen auf Autoritätspersonen sind durch die Erfahrungen des Terrors geprägt und gestört. […] Die traumatische Übertragung spiegelt nicht nur die Erfahrung von Gewalt wider, sondern auch die Erfahrung von Hilflosigkeit. Im Augenblick des Traumas ist das Opfer ganz und gar hilflos. Unfähig sich zu verteidigen, schreit es nach Hilfe, aber niemand kommt. Die Erinnerung an diese Erfahrung prägt alle späteren Beziehungen« (Herman 2004, S. 187f.)
Die oben beschriebene Wucht der traumatischen Übertragung kann überwältigend sein und einen Sog entwickeln, der die professionellen Fachkräfte in die Dynamik des Traumas verstrickt und eine Gegenreaktion auslöst, die von Hilflosigkeit und Ohnmacht geprägt ist.
Gegenreaktionen sind spürbar Der Begriff »Gegenreaktion« wird von dem Psychoanalytiker Karl König benutzt. Er regt die Verwendung des Begriffs der Gegenreaktion in seiner Veröffentlichung zur Gegenübertragungsanalyse, abgeleitet von dem englischen Begriff »counterre-
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