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Bindungstheorie in ihrer Bedeutung für die Traumapädagogik

Bindungstheorie in ihrer Bedeutung für die Traumapädagogik Silke Birgitta Gahleitner, Carina Kamptner und Ute Ziegenhain

Indem einführenden Artikel zum »pädagogischen und therapeutischen Milieu« wurde deutlich, dass den dortigen erfolgreichen Konzeptionen gemeinsam ist, dass das heilsame beziehungsweise förderliche Geschehen im natürlichen Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen stattfindet und auf förderlicher menschlicher Begegnungs- und Beziehungsaktivität beruht (siehe Gahleitner in diesem Band). Auch in einer vor einigen Jahren abgeschlossenen Studie in stationären Einrichtungen der Berliner Jugendhilfe (Arbeitskreis der Therapeutischen Jugendwohngruppen Berlin 2009) stellten sich dialogische Beziehungsorientierung im partizipativ geteilten Lebensalltag sowie psychosoziale Vernetzungskompetenz als zentrale Einflussfaktoren für »wirksame Betreuung« heraus. Als basales Qualitätsmerkmal erweist sich ein eng geknüpftes Netz aus positiven und verlässlichen Beziehungen das durch eine angemessene Sozialisationsstruktur und fundiertes Fachwissen über die jeweiligen Problematiken hindurch gewebt wird. Positive Bindungen bewirken ein Gefühl von »innerer Sicherheit«. Damit verbunden sind Fähigkeiten zur gelingenden Stressregulation sowie grundlegende kognitive Steuerungsprozesse, wie z. B. Aufmerksamkeitssteuerung, Konzentrationsfähigkeit, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, vorausschauend zu denken und Handlungen entsprechend zu planen. Sie entwickeln sich in frühen Bindungsbeziehungen (vgl. Ziegenhain/Gloger-Tippelt 2013). Bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen, die gewöhnlich in ihren Bindungsbeziehungen massive Misshandlung, Vernachlässigung und/oder sexuellen Missbrauch erfahren haben, sind die Fähigkeiten zur flexiblen Emotionsund Stressregulation bzw. zur flexiblen Steuerung der beschriebenen kognitiven Prozesse gewöhnlich stark eingeschränkt bzw. geschädigt. »Hoffnungsvolle Bindungen« (Hart 2006/2018, S. 207), wie sie etwa im Rahmen eines traumapädagogischen Settings angeboten werden, können die Basis dafür sein, neue positive Erfahrungen im Sinne einer »Nachsozialisation« vergangenen traumatischen Erlebnissen gegenüberzustellen. Sie sind zudem Basis erfolgreichen pädagogischen Handelns, wie etwa beim Erkennen bzw. im Umgang mit Grenzen. Der gemeinsame Alltag mit der Gruppe oder Peerbeziehungen entfalten ihre Wirkung auf dem Boden dieses gesamten, aufeinander abgestimmten Betreuungsnetzwerkes (siehe zur konkreten Anwendung auch Lang in diesem Band). Dies