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Selbstbemächtigung reloaded
Enttabuisierung von Familiengeheimnissen oder auch Familienmythen. Vielleicht wird ein Zusammenhang zwischen dem aktuellen Leiden und der Geschichte der Eltern deutlich? Die Überprüfung und meist Entkräftigung transgenerationaler schädigender Glaubenssätze ist eine weitere Möglichkeit transgenerationaler Selbstbemächtigung. Wenn wir zudem die Übertragung alter Erfahrungen als normal erklären, entlastet dieses Wissen und öffnet den Blick für neue Wege. Selbstbemächtigung erfordert die Enttabuisierung der Scham. »Scham ist auf der Emotionsskala die mit Abstand destruktivste, also energieraubendste emotionale Erfahrung. Wenn wir uns schämen, sackt unser Selbstwert in den Keller. Wir denken nicht mehr klar, sondern eng und meist schlecht über uns.« (Meyer-Deters 2017). Vielleicht ist dieses Gefühl deshalb tabuisiert? Wir kennen Scham durch Stigmatisierung, Beschämung, Scham als Regulativ und Scham über die Lebensgeschichte. Stigmatisierung und Beschämung erhöhen die Vulnerabilität: »Stigmatisierungen von Missbrauchsopfern, die daraus erwachsenden Scham- und Schuldgefühle sowie Ausgrenzungen und Abwertungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit erneuter sexueller Übergriffe.« (Helfferich et al. 2017, S. 264). Auch unsere Expert*innen (Auftritt am Fachtag Traumapädagogik 2023) kennen die Wirkkraft der Scham.
• »Manchmal friert einen die Scham so sehr ein, dass du gar nicht die Schmerzen wirklich wahrnehmen kannst.« • »Scham hindert einen, sein Trauma zu bearbeiten und dahin zu kommen, den Schmerz anzugehen, aber solange ich mich schäme, kann ich mit niemanden offen darüber reden.« • »Scham vor der Unfähigkeit, mich nicht gewehrt zu haben, ist ein schlimmes Gefühl.« • »Das Schlimme ist, ich schäme mich vor dem, was passiert ist, obwohl ich weiß, dass ich gar nichts dafür kann.« • »Scham ist ein harter Richter.« Das Erleben eines Traumas konfrontiert mit der »Erschütterung der Selbstverständlichkeit des In-der-Welt-Seins, […] mit der ›dunklen Seite Gottes‹, dem Bösen und dem Leid. [Sie führt zu, Anm. der Verf.] Sensibilitätserhöhung, Verfeinerung der Wahrnehmung, Öffnung für andere Wahrnehmungsdimensionen, Suche nach der Rettung, nach Erlösung« (Madert 2007, S. 253). Herausfordernde Lebensumstände führen zu Sinnfragen, z. B.: Warum lässt Gott so etwas zu? »Ich glaube, auf diese Frage gibt es keine zufriedenstellende Antwort. Ich selber habe mir diese Frage oft gestellt und ertappe mich immer noch manchmal dabei, wie ich darüber nachdenke. Ich finde es aber sehr wichtig, dass, wenn diese Frage bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen aufkommt, sie diese Stück für Stück mit Unterstützung beantworten können.« (Expertin Katharina Vogel in Sauerer/Weiß 2018,
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