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Kapitel 4: Wissenschaftliches Arbeiten
9. Zitation, Quellenangaben, Quellenverzeichnis, Umgang mit Hilfsmitteln
9.1 Definition
Als Zitat werden alle fremden Texte, Bilder, Aussagen oder Erkenntnisse bezeichnet, die in eigenen Texten, Studien, Referaten etc. verwendet werden. Zitate, die den genauen Wortlaut des Originals wiedergeben, werden als wörtliches Zitat bezeichnet. Werden fremde geistige Leistungen mit eigenen Worten wiedergeben, spricht man von sinngemässen Zitaten.
9.2 Bedeutung
Geistige Erzeugnisse wie Texte, Studien, Forschungsergebnisse und Aussagen sind urheberrechtlich geschützt. Wenn geistige Erzeugnisse im eigenen Text verwendet werden, muss darauf hingewiesen werden.
Korrekte Quellenangaben stellen sicher, dass
- Texte im Original nachgelesen und überprüft werden können; die Aussagen also objektiv nachvollziehbar und reproduzierbar sind (Belegbarkeit einer Behauptung / These / Fragestellung / Aussage).
- die Qualität des Zitats beurteilt werden kann (bspw. ein Zitat aus einem Fachbuch versus Zitat aus dem «Blick»).
- die Urheberschaft gegen falsche Zitierweisen und unsachgemässen Gebrauch ihrer Erzeugnisse vorgehen kann.
- eine Person aufgrund ihrer tatsächlich selbst erbrachten Leistung beurteilt wird. Bei einer schriftlichen Facharbeit ohne Quellenangabe ist eine gerechte Beurteilung nicht möglich, da nicht sicher ist, welche Leistung tatsächlich selbst erbracht wurde.
Ein Zitat drückt in der Regel die Zustimmung zu der entsprechenden Aussage aus. Ist dies nicht der Fall, muss die Kritik im Text erkennbar sein. Zitiert wird in der Regel und wenn möglich aus der neuesten Ausgabe eines Werkes und wenn immer möglich aus der Original- / Primärliteratur.
Gefordert wird in jedem Fall eine durchgängige, lückenlose und transparente Quellenangabe. Damit ist gemeint, dass die Quellenangabe dicht (z.B. pro Gedankengang / pro Teilaspekt / … pro Abschnitt) geschieht.
Das Verwenden fremder Texte, Bilder, Musikstücke, Forschungsergebnisse oder Aussagen ohne Quellenangabe ist gemäss URG Art. 67ff strafbar. Wer fremde Erkenntnisse oder Ergebnisse als eigene ausgibt, macht sich des Plagiats schuldig.
Verwenden Studierende fremde Werke oder Werkteile ohne Quellenangabe, hat dies disziplinarische Folgen.
9.3 Zugelassene Quellen und Hilfsmittel
- Es dürfen nur öffentlich zugängliche Quellen verwendet werden.
- Grundsätzlich und nach Möglichkeit sind in schriftlichen Facharbeiten Primärzitate und Quellenangaben (Aussagen aus erster Hand; eigene geistige Leistungen der Verfassenden) zu verwenden.
- Sekundärzitate (Aussagen aus zweiter Hand; eine Autorenschaft zitiert eine fremde Quelle) sind nach Möglichkeit zu vermeiden bzw. es ist auf die Primärquelle zurückzugreifen.
- Online-Nachschlagewerke / Internetquellen sind nützlich, um sich einen groben Überblick über ein Thema zu verschaffen, um Begriffe zu klären und um weiterführende Quellen (Literatur, Links etc.) zu finden.
- Online-Nachschlagewerke / Internetquellen bergen jedoch das Risiko eines ungewissen Wahrheitsgehalts bzw. einer eingeschränkten Wissenschaftlichkeit mit sich und sind zudem «flüchtige» Quellen. Online-Nachschlagewerke sind daher kein Ersatz für reguläre Quellen und sollten daher mit Vorsicht verwendet werden.
- Das Zitieren von Unterrichtsunterlagen (Skripts, Folienhandouts etc.), welche von Dozierenden erstellt wurden, ist nicht zulässig.
- Der Einsatz von KI-basierten Tools (z.B. KI-basierte Chatbots wie ChatGPT, Übersetzungs- (z.B. Deepl), Paraphrasierungs- (z.B. Quillbot), Präsentationssoftware (z.B. Slides AI) und viele mehr) ist erlaubt, kann aber in einzelnen schriftlichen Facharbeiten begründet eingeschränkt oder untersagt werden. Der Leitfaden «Umgang mit auf Künstlicher Intelligenz basierenden Tools» definiert die in Agogis allgemein geltenden Rahmenbedingungen und das Zitieren / Deklarieren von Werkzeugen, die auf künstlicher Intelligenz basieren.
9.4 Richtlinien für das Zitieren und Angeben von Quellen sowie Hilfsmitteln
Die korrekte Zitierweise und Quellenangabe werden in allen schriftlichen Facharbeiten im Rahmen der formalen Kriterien beurteilt und mit Punkten bewertet.
Für das Zitieren, die Quellenangabe und das Erstellen eines Quellenverzeichnisses in schriftlichen Facharbeiten gelten die Richtlinien der American Psychological Association, kurz APA-Style. Unter dem Stichwort APA-Zitierweise o.ä. finden sich in der obligatorischen Literatur Metzger, C. (2022). Lern- und Arbeitsstrategien. Ein Fachbuch für Studierende (12. Auflage). Cornelsen und im Internet sehr viele nützliche Hinweise.
Die gängigsten Arten von Verweisen im Text und die gängigsten Quellentypen sind beispielsweise unter folgender Quelle zu finden: Bachmann, H. & Theel, M. (Hrsg.) (2021). Die deutschen APA-Richtlinien: Basierend auf der 7. Auflage (2019) des offiziellen APA Publication Manual. Scribbr. https://www.scribbr.de/wp-content/uploads/2021/03/Die-deutschen-APA-Richtlinien-7-Auflage-Scribbr.pdf
Das Quellenverzeichnis mit den genauen bibliografischen Angaben wird am Ende der Facharbeit alphabetisch aufgebaut. Im Quellenverzeichnis werden nur diejenigen Quellen vollständig aufgeführt, die auch tatsächlich in der Facharbeit verwendet wurden.
Bei umfangreichen Quellenverzeichnissen kann das Verzeichnis nach Materialtyp (Bücher, Internetquellen, Zeitschriften, ...) gegliedert werden.
Für die Gestaltung des Quellenverzeichnisses gilt, weitgehend unabhängig von der Art der Publikation, dass ein Eintrag folgendem Grundschema entspricht: Nachname der verfassenden Person, Initiale des Vornamens der verfassenden Person (Erscheinungsdatum). Titel (Auflage). Verlag resp. Fundort.
Die Zitations-Tabelle betreffend Einsatz von KI-basierten Tools ist separat im Quellenverzeichnis aufzuführen (vgl. Leitfaden Umgang mit auf Künstlicher Intelligenz basierenden Tools).
9.4.1 Allgemeine Zitationsregeln
Es gibt zwei Methoden, wie Fachtexte genutzt werden können: Aussagen aus den benutzten Quellen können sinngemäss zusammengefasst oder wörtlich zitiert werden.
Es muss im Text immer ein Kurzverweis erfolgen – egal ob es sich um ein wörtliches Zitat oder um eine sinngemässe Zusammenfassung handelt.
Alle wörtlichen Zitate und alle sinngemässen Zusammenfassungen sind lückenlos zu kennzeichnen und explizit zu machen. Damit sagt die verfassende Person implizit aus, dass der übrige Text von ihr selbst stammt. Diese differenzierte Urheberschaft wird am Schluss der Facharbeit in einer Deklaration bestätigt (vgl. Kapitel 4).
Der Kurzverweis kann auf zwei Arten erfolgen:
- Der Kurzverweis wird am Schluss des Zitates in Klammer gesetzt und folgt dem Grundschema (Nachname Verfassende Person, Erscheinungsdatum, Seitenzahl). Die Quelle wird dabei immer vor den Punkt gesetzt.
- Der Namen der verfassenden Person und das in Klammer gesetzte Erscheinungsdatum können im Satz aufgenommen werden; bei wörtlichen Zitaten kommt die Seitenzahl in Klammer nach dem Schlussziechen des Satzes; bei sinngemässen Zitaten wird die Seitenzahl an passender Stelle des Satzes in Klammer gesetzt eingefügt (vor Komma oder Schlusspunkt).
Siehe dazu in der obligatorischen Literatur Metzger, C. (2022). Lern- und Arbeitsstrategien. Ein Fachbuch für Studierende (12. Auflage) und dabei insbesondere Seite 186.
Die vollständige Quellenangabe erfolgt erst im Quellenverzeichnis.
9.4.1.1 Wörtliches Zitat
Direkte oder sogenannte 1:1-Zitate sind relevante, aussagekräftige, prägnante, kurze Textstellen aus der verwendeten Literatur, die wörtlich wiedergegeben werden.
Es werden nur wichtige, zentrale, aussagekräftige Stellen aus der verwendeten Literatur direkt zitiert (z.B. eine exakte Definition) – d.h. also: sparsam / zurückhaltend und gezielt wörtlich zitieren.
Wörtliche Zitate werden zwischen Anführungs- und Schlusszeichen gesetzt, d.h. Beginn und Ende des Zitates werden kenntlich gemacht. Entweder erfolgt unmittelbar nach dem Zitat ein korrekter Kurzverweis oder das wörtliche Zitat wird mit einem Signalsatz eingeleitet (siehe Metzger, 2022, S. 186).
9.4.1.2 Sinngemässes Zitat
Die Darstellung einer Theorie muss erarbeitet werden, d.h. die verwendeten Fachtexte dürfen nicht einfach nur gekürzt oder einzelne Wörter durch Synonyme ersetzt werden. Die Quellen sind in eigenen Worten zusammenzufassen.
Bei der Wiedergabe von Quellen in eigenen Worten bzw. bei sinngemässer Zusammenfassung gilt es den Kurzverweis an geeigneter Stelle im Satz oder am Satz- / Abschnittende einzusetzen (siehe Metzger, 2022, S. 186). Dies damit deutlich wird, woher die Informationen, Gedanken, Ergebnisse, etc. stammen.