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Die Einleitung rahmt die gesamte Arbeit. Sie ist das erste, was die beurteilende Fachperson liest ein starker Einstieg schafft Vertrauen in die gesamte Arbeit.
Aufgabenstellung, Ziel der Arbeit (nicht Fallziel), Aufbau/Übersicht, Rollenklärung/Bezug zum Unterstützungsprozess, Datenschutz/Anonymisierung.
### Inhaltliche Erwartungen
Gemäss EPG Ausführungsbestimmungen ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 2](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/1)) umfasst die Einleitung:
- **Aufgabenstellung** des PKNW EPG Was ist der Kompetenznachweis? Die EPG ist eine schriftliche Facharbeit in Einzelarbeit ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 1](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/0)).
- **Kurze und vollständige Übersicht** über die einzelnen Kapitel der Facharbeit
- **Ziel** der vorliegenden kooperativen Prozessgestaltung nicht das Fallziel! Studierende weisen die Kompetenz nach, Elemente der KPG exemplarisch anzuwenden und einen kooperativen Begleitprozess zu initiieren und zu dokumentieren ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 1](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/0)).
- **Erste grobe Orientierung** zum eigenen Praxiskontext
- **Eigene Rolle** im sozialpädagogischen/kindheitspädagogischen Begleitprozess
- **Begründung der Fallauswahl** fachlich, nicht nur praktisch
- **Hinweis auf Persönlichkeits-/Datenschutz** (Anonymisierung aller beschriebenen Personen und Organisation)
### Tipps
- Halte die Einleitung **kurz und prägnant** sie soll eine Orientierung geben, kein ausführliches Kapitel sein. Die inhaltliche Tiefe kommt in den Folgekapiteln.
- Das **Ziel der Arbeit** ist nicht das Fallziel, sondern das Ziel der KPG als Facharbeit (z. B. «Die vorliegende Arbeit dokumentiert exemplarisch einen kooperativen Begleitprozess…»). Vgl. EPG-Kompetenzbeschreibung ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 1](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/0)): Es geht um den Nachweis, KPG-Elemente anzuwenden und einen Begleitprozess zu initiieren.
- Begründe die Fallauswahl **fachlich**: Warum eignet sich diese Situation für eine KPG? Die Methodik nimmt Bezug auf alle Praxisfelder der Sozialen Arbeit und ist praxisfeldübergreifend einsetzbar ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 19](/book/arbeit/19)). Im Zentrum steht ein verstehender Zugang zu Klienten und Problemlagen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 20](/book/arbeit/20)).
- Der **Datenschutz** ist bestehensrelevant: Ist er nicht korrekt deklariert und umgesetzt, erfolgt eine Auflage ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/4)). Beachte auch die Vorgaben in den AGB (Kap. «Berufliche Schweigepflicht») und den Richtlinien für schriftliche Facharbeiten (Kap. 2).
- **KI-Einsatz:** Der Umgang mit KI-basierten Tools muss gemäss dem Leitfaden (Version 1.1) transparent deklariert werden ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 2](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/1)).
- **Eigenleistung:** Es muss klar ersichtlich sein, was übernommene Gedanken und was Eigenleistung ist ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 5](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/4)).
### Fachliche Orientierung
Die KPG wurde aus einer jahrelangen Auseinandersetzung mit Fragen nach der Struktur und Lehrbarkeit professionellen Handelns entwickelt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 6](/book/arbeit/6)). Das Konzept hat sich nicht nur in der Hochschullehre, sondern auch in Praxisorganisationen der Deutschschweiz als Orientierung etabliert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 9](/book/arbeit/9)). Dreh- und Angelpunkt ist das Prozessmodell, das die Komplexität in einzelnen Prozessschritten handhabbar macht ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 20](/book/arbeit/20)).
Qualitätsstandards:
- Auftrag/Aufgabe klären
- Ziel der Arbeit definieren (KPG-Kompetenz, nicht Fallziel)
- Rolle/Mandat/Setting klären
- Fallauswahl begründen (fachlich, nicht praktisch)
- Datenschutz/Anonymisierung sicherstellen
### Checkliste
- [ ] Aufgabenstellung PKNW EPG beschrieben — was ist der Kompetenznachweis?
- [ ] Ziel der Arbeit formuliert (KPG-Kompetenz nachweisen, kein Fallziel)
- [ ] Kapitelübersicht vollständig und korrekt
- [ ] Praxiskontext und eigene Rolle dargestellt
- [ ] Fallauswahl fachlich begründet
- [ ] Datenschutz/Anonymisierung explizit und konkret beschrieben
- [ ] Checkbox «Datenschutz bestätigt» angehakt
- [ ] Eigenleistung erkennbar, Quellen transparent
- Aufgabenstellung PKNW EPG
- Ziel der Arbeit (KPG-Kompetenz)
- Kapitelübersicht vollständig
- Datenschutz explizit deklariert

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Der organisationale Kontext verortet die Arbeit im institutionellen Rahmen. Die inhaltliche Vorgabe lautet: «Kurze Beschreibung (max. ½ Seite) der Organisation» ([EPG Ausführungsbestimmungen, S. 2](/book/epg-ausfuehrungsbestimmungen/1)).
Organisation, Zielgruppe, Auftragssystem, Rahmenbedingungen, eigene Rolle/Funktion. Prägnant und nachvollziehbar max. ½ Seite.
### Inhaltliche Erwartungen
Beschreibe **nachvollziehbar und prägnant** die relevanten konkreten Punkte des organisationalen Kontextes. Dazu gehören:
- **Organisation/Institution und Angebot** Was für eine Einrichtung ist es? Welches Angebot wird erbracht?
- **Zielgruppe** Wer wird begleitet/betreut? Welche Merkmale hat die Zielgruppe?
- **Auftragssystem und Zuständigkeiten** Wer erteilt Aufträge? Welche Mandate bestehen? Wie ist die Zusammenarbeit organisiert?
- **Rahmenbedingungen (Spielräume und Grenzen)** Was kannst du als Fachperson beeinflussen und was nicht? Welche institutionellen Vorgaben gelten?
- **Eigene Rolle/Funktion** Welche Verantwortung trägst du? Wie ist deine Position im Team und gegenüber der Klientel?
### Fachliche Orientierung
Soziale Arbeit ist ein gesellschaftliches Funktionssystem, das soziale Gerechtigkeit und die Wahrung der Würde von Menschen sichern soll ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 43](/book/arbeit/43)). Professionelle nehmen Aufgaben innerhalb des arbeitsteilig organisierten Sozialstaates wahr ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 36](/book/arbeit/36)). Dieses Kapitel ordnet deine Arbeit in diesen Kontext ein.
Die KPG betont, dass professionelles Handeln immer im Kontext von Organisationen und deren Rahmenbedingungen stattfindet. Die Kooperationsebenen der KPG umfassen auch die intra- und interprofessionelle Zusammenarbeit ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 146](/book/arbeit/146)) dein organisationaler Kontext bestimmt, welche Kooperationsformen möglich und nötig sind.
### Tipps
- Halte dich kurz: **max. eine halbe Seite** nur das, was für den Fall relevant ist.
- «Nachvollziehbar und prägnant» heisst: das Wesentliche vollständig, aber keine Institutionsbroschüre.
- Frage dich: **Was muss die Leserin wissen, um den Fall im Kontext zu verstehen?** Alles andere weglassen.
- **Abgrenzung zur Einleitung:** In der Einleitung gibst du eine erste grobe Orientierung. Hier vertiefst du gezielt den organisationalen Rahmen.
- **Abgrenzung zur Situationserfassung:** Die Klientin/der Klient und die Fallsituation gehören nicht hierher, sondern ins nächste Kapitel.
- **Anonymisierung beachten:** Auch hier müssen Organisation, Standort und alle Personen anonymisiert sein.
Qualitätsstandards:
- Organisation und Angebot beschreiben
- Zielgruppe und Mandate klären
- Rahmenbedingungen (Spielräume/Grenzen)
- Eigene Rolle und Verantwortung
- Anonymisierung konsequent
### Checkliste
- [ ] Organisation/Angebot beschrieben
- [ ] Zielgruppe benannt
- [ ] Auftragssystem und Zuständigkeiten dargestellt
- [ ] Rahmenbedingungen (Spielräume/Grenzen) skizziert
- [ ] Eigene Rolle/Funktion im Kontext
- [ ] Max. ½ Seite eingehalten
- [ ] Anonymisierung konsequent
- Organisation und Angebot
- Zielgruppe definiert
- Auftragssystem dargestellt
- Rahmenbedingungen/Spielräume
- Eigene Rolle geklärt
- Max. ½ Seite

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Dieses Kapitel stellt das Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG) als **Orientierungsmodell** für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit dar. Es ist ein Dachkapitel, das die methodische Grundlage für alle folgenden Prozessschritte legt.
KPG ist ein generalistisches, methodenintegratives, kooperationsorientiertes Konzept. Erkläre das Modell in eigenen Worten und zeige, dass du es auf deinen Fall anwenden kannst.
### Inhaltliche Erwartungen
Erkläre die KPG **in eigenen Worten**. Zeige, dass du das Konzept verstanden hast und es auf deinen Fall anwenden kannst. Zentrale Aspekte:
- **Definition:** KPG ist ein generalistisches, professionstheoretisch fundiertes, methodenintegratives, auf Kooperation ausgerichtetes Konzept ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 154](/book/arbeit/154)). Es entstand aus einer jahrelangen Auseinandersetzung mit der Struktur und Lehrbarkeit professionellen Handelns ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 6](/book/arbeit/6)).
- **Zwei Hauptphasen** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 145](/book/arbeit/145)): Analytisch-diagnostische Phase (Situationserfassung → Analyse → Diagnose) und Handlungsphase (Zielsetzung → Interventionsplanung → Durchführung). Die Evaluation gehört als siebter Schritt zur analytisch-diagnostischen Phase.
- **Idealtypisches Modell als Denkstruktur:** Das Prozessmodell dient als Orientierung in der Praxis verlaufen Prozesse nicht linear, sondern zirkulär und iterativ ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 147](/book/arbeit/147)). Gerade weil der Alltag oft unübersichtlich ist und Geschehnisse nicht voraussehbar sind, braucht es diesen Orientierungsrahmen.
- **Zirkularität:** Der Rückbezug auf das Prozessmodell erlaubt, aus neu gewonnenen Erkenntnissen das Handeln neu zu strukturieren ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 148](/book/arbeit/148)).
- **Kooperation:** Zusammenarbeit mit Klient\*innen (Koproduktion), inter- und intraprofessionelle Kooperation als zentrale Elemente ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 146](/book/arbeit/146)). Problembeschreibung, Interventionsplanung und Umsetzung sind ein koproduktives Geschehen, das ein Arbeitsbündnis voraussetzt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 8](/book/arbeit/8)).
- **Erst verstehen, dann handeln:** Im Zentrum steht ein verstehender Zugang zu Klienten und Problemlagen, denn nur so können sinnvolle Interventionen geplant werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 20](/book/arbeit/20)).
- **Methodenintegration:** Methoden werden fallbezogen beigezogen und müssen Qualitätsanforderungen professionellen Handelns genügen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 157](/book/arbeit/157)). Fünf Reflexionskriterien dienen der kritischen Überprüfung.
- **Zeitliche Dimensionen:** Prozessgestaltung weist unterschiedliche zeitliche Dimensionen auf — von langfristigen Zyklen bis zu situativen Kürzestzyklen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 150](/book/arbeit/150)). Methodisch strukturiertes Handeln heisst, die verschiedenen Zyklen gleichzeitig im Auge zu behalten ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 152](/book/arbeit/152)).
### Bezug zum Praxisbuch
Im Praxisbuch wird gezeigt, wie verschiedene Professionalitätsentwürfe miteinander verglichen werden und welche Anforderungen an professionelles Handeln daraus abgeleitet werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 17](/book/praxis/17)). Die bei KPG vorgenommene Aufteilung in Prozessschritte schafft begriffliche Klarheit und stellt für jeden Schritt Qualitätsmerkmale auf ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 43](/book/praxis/43)).
### Notwendigkeit eines methodisch strukturierten Vorgehens
Weder Rezepte noch Technologien stehen zur Verfügung, mit denen Veränderungen bei Klient·innen herstellbar wären. Dieses Strukturmerkmal der geringen Standardisierbarkeit begründet die Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehens ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 140](/book/arbeit/140)). Hinzu kommt die Involviertheit als ganze Person: Die Person des Sozialarbeiters ist das Arbeitsinstrument, was sowohl Chancen birgt als auch Risiken unreflektierter Projektion. Deshalb braucht es eine klare Struktur als Gegengewicht.
### Qualitätssicherung
Exakte und prägnante Dokumentationen über die einzelnen Prozessschritte erhalten besonderen Stellenwert für die Qualitätssicherung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 155](/book/arbeit/155)). Das Prozessmodell dient zudem als Reflexionsinstrument in Supervision und Intervision.
Zentrale Aspekte:
- Definition: KPG = Konzept für professionelles Handeln
- Zwei Phasen, 7 Prozessschritte
- Zirkularität statt Linearität
- «Erst verstehen, dann handeln»
- Kooperation und Koproduktion
- Methodenintegration
### Checkliste
- [ ] KPG als Konzept in eigenen Worten erklärt (generalistisch, methodenintegrativ, kooperationsorientiert)
- [ ] Zwei Phasen und 7 Prozessschritte benannt
- [ ] Zirkuläres/iteratives Verständnis dargestellt (Denkstruktur, nicht starres Schema)
- [ ] «Erst verstehen, dann handeln» als Grundprinzip thematisiert
- [ ] Kooperation und Koproduktion thematisiert
- [ ] Methodenintegration erwähnt
- [ ] Bezug zum eigenen Fall hergestellt
- [ ] Ca. ½ Seite in eigenen Worten
- KPG erläutert (generalistisch, methodenintegrativ, kooperativ)
- Phasen und Prozessschritte genannt
- Zirkuläres Verständnis dargestellt
- Kooperation thematisiert
- Fallbezug hergestellt
- Ca. ½ Seite

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Ziel ist es, ein fundiertes Bild der Fallsituation zu erstellen. Erfasse methodisch die wichtigsten Informationen zu Auftrag, Person, Vorgeschichte und aktueller Situation. Fokussiere auf multiperspektivische Erfassung und klient*innenspezifische Kooperation. Leitsatz: «Möglichst viel sehen möglichst wenig verstehen» ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 163](/book/arbeit/163)).
Erstelle ein fundiertes Bild der Fallsituation. Erfasse methodisch: Auftrag, Person, Vorgeschichte, Situation. Leitsatz: «Möglichst viel sehen möglichst wenig verstehen» (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 163).
### Zentrale Prinzipien
- **Trennschärfe:** Unterscheide konsequent zwischen Information (Fakten) und Bewertung (Interpretation) — in der Situationserfassung wird ausschliesslich beschrieben, nicht erklärt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 163](/book/arbeit/163)).
- **Ressourcenorientierung:** Der professionelle Blick richtet sich auf Stärken und Vorhandenes — mindestens 60 % der Personenbeschreibung sollen ressourcenorientiert sein ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 164](/book/arbeit/164)).
- **Kooperation:** Gemeinsames Suchen nach Informationen ist zugleich eine erste Intervention ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 164](/book/arbeit/164)).
- **Realitätsausschnitt:** Leite aus dem Organisationsauftrag ab, welche Informationen zu erheben sind und welche zunächst nicht ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 165](/book/arbeit/165)).
- **Drei Auftragsebenen:** Professionsauftrag, Organisationsauftrag, klient*innenbezogener Auftrag ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 160](/book/arbeit/160)).
- **Kontinuierliche Aufgabe:** Die Situationserfassung ist nie endgültig abgeschlossen — sie wird im Verlauf stets aktualisiert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 162](/book/arbeit/162)).
Zentrale Prinzipien:
- Trennschärfe: Fakten von Bewertung unterscheiden
- Ressourcenorientierung: mindestens 60 %
- Kooperation: gemeinsames Suchen
- Realitätsausschnitt: gezielt auswählen
### Methodentipps
- **Erkundungsgespräche:** Formelle und informelle Gespräche mit Klient*in, Angehörigen und Fachpersonen. Nutze offene Impulsfragen und aufmerksames Zuhören. Das narrative Interview bietet direkten Zugang zur subjektiven Erlebenswelt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 169171](/book/arbeit/169)).
- **Beobachtung:** Strukturiere mit einem Beobachtungsbogen — vergegenwärtige zunächst Vorinformationen, Themen und Hypothesen, dann lege Thema, Fragestellung und Ziel fest ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 177](/book/arbeit/177)). Beobachtungsbogen können schrittweise weiterentwickelt werden — von freier über themenspezifische bis hin zu codierter Beobachtung ([S. 179](/book/arbeit/179)).
- **Aktenstudium:** Reflektierte und fokussierte Erfassung aus schriftlichen Unterlagen. Beachte: Akten sind Konstruktionen — bleibe offen, bilde keine Vorurteile ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 181](/book/arbeit/181)).
### Gliederung
### Gliederung des Textfeldes
1. **Auftragsklärung** — Organisationsauftrag, klient*innenbezogener Auftrag, Einweisungsgrund
2. **Vorgeschichte** — Biografie, soziales Umfeld, relevante biografische Verlaufsdaten
3. **Person** — Beschreibend und ressourcenorientiert (min. 60 %!), Fähigkeiten vor Schwierigkeiten
4. **Gegenwärtige Situation** — Veränderungen, Besonderheiten, aktueller Stand
5. **Vorläufige Themen** — Deutlich benennen und erläutern (werden in der Analyse weiterbearbeitet)
- Auftragsklärung
- Vorgeschichte
- Person (ressourcenorientiert)
- Gegenwärtige Situation
- Vorläufige Themen

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Führe eine vertiefte Analyse mit praxisrelevanten Methoden durch. Die Analyse ist das «Scharnier» zwischen Datenerhebung und Verstehen — Informationen ordnen, bewerten und gewichten. Zentrales Ziel: Bestimmung der **Fallthematik** — «Worum geht es in diesem Fall eigentlich?» ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 190](/book/arbeit/190)).
Führe eine vertiefte Analyse durch. Die Analyse ist das «Scharnier» zwischen Datenerhebung und Verstehen. Zentrales Ziel: Bestimmung der **Fallthematik** — «Worum geht es in diesem Fall eigentlich?»
### Zentrale Prinzipien
- **Komplexität erst erweitern, dann reduzieren:** In der Datenerhebung gezielt neue Informationen (Einschätzungen, Bewertungen, Beurteilungen) einholen; in der Auswertung fachlich beurteilen und gewichten ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 190](/book/arbeit/190)).
- **Methodenstandard:** Mindestens zwei Analysemethoden einsetzen, davon mindestens eine, die die Einschätzungen der Klient*innen direkt aufnimmt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 227](/book/arbeit/227)).
- **Konstatieren, nicht erklären:** In der Analyse wird festgestellt, WAS ist — nicht WARUM. Erklärungen gehören erst in die Diagnose ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191](/book/arbeit/191)).
- **Ressourcen und Probleme:** Die Analyse bezieht sich stets auf beides — Probleme/Risiken herausarbeiten UND individuelle/soziale Ressourcen erkennen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 190](/book/arbeit/190)).
Vorgehen in 4 Schritten:
- Methodenwahl (min. 2 Methoden)
- Datenerhebung (Auslegeordnung)
- Auswertung (konstatierende Hypothesen)
- Fallthematik (verdichtet aus Hypothesen)
### Vorgehen in 4 Schritten
1. **Methodenwahl** — Geeignete Analysemethoden fallbezogen auswählen und begründen
2. **Datenerhebung** — Auslegeordnung: Einschätzungen, Bewertungen, Beurteilungen verschiedener Beteiligter einholen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 188](/book/arbeit/188))
3. **Auswertung** — Konstatierende Hypothesen bilden: Zentrales, Auffallendes, Widersprüchliches, Irritierendes festhalten und gewichten ([Praxis, S. 111](/book/praxis/111))
4. **Fallthematik** — Alle konstatierenden Hypothesen sichten, gewichten und zur Fallthematik verdichten ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 191](/book/arbeit/191))
Zentral: Konstatieren, nicht erklären. Ressourcen UND Probleme.
### Methoden-Übersicht
### Checkliste
**Perspektivenanalyse (mit Beteiligten):**
- MAP-Methode: Stärken, Bedürfnisse, Träume und Befürchtungen aller Beteiligten herausarbeiten ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 194](/book/arbeit/194))
- Arbeitshilfen nach von Spiegel: Tabellen für Situations- und Problemanalyse ([S. 196](/book/arbeit/196))
**Notationssysteme:**
- **Genogramm:** Familiäre Beziehungen darstellen; wird zum Analyseinstrument, wenn Probleme und Beziehungscharakter qualifiziert werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 200](/book/arbeit/200))
- **Zeitstrahl / biografischer Zeitbalken:** Biografische Dimension fokussieren, zeitliche Abfolge veranschaulichen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 204](/book/arbeit/204))
- **Silhouette / Drei-Häuser:** Selbstsicht der Person erfassen — für Kinder besonders geeignet ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 205](/book/arbeit/205))
- **Netzwerkkarte:** Kontaktpersonen, Verteilung, Vernetzung darstellen — eines der verbreitetsten Instrumente ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 207](/book/arbeit/207))
**Weitere Methoden:**
- **PRO-ZIEL-Basisdiagnostik** (Heiner): Belastung in 7 Lebensbereichen, Klient*innen- vs. Expertensicht ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 211](/book/arbeit/211))
- **Kompetenzanalyse** (Cassée): Standard in der Kinder- und Jugendhilfe der Schweiz ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 214](/book/arbeit/214))
- **Ressourcen-/Problemanalyse:** Koordinatensystem nach individuellen/sozialen Ressourcen und Problemen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 218](/book/arbeit/218))
- **Lebensbereichanalyse:** Zeitliche Dimensionen in aktuellen Lebensbereichen erfassen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 222](/book/arbeit/222))
### Tipps zu konstatierenden Hypothesen
- Gehe gedanklich auf eine **Metaebene** (Vogelperspektive) und halte fest, was zentral, auffallend, widersprüchlich oder irritierend ist ([Praxis, S. 111](/book/praxis/111)).
- Hilfsfragen je nach Methode: z. B. bei einer Netzwerkkarte → Wer steht nah, wer fern? Gibt es auffallende Konstellationen?
- Bringe Hypothesen in den **Dialog mit Klient*innen** — Hypothesenvalidierung ist Teil der Kooperation ([Praxis, S. 112](/book/praxis/112)).
- Kein «weil», «deshalb», «aufgrund» — nur feststellen, nicht erklären!
- Methodenwahl begründet
- Strukturierte Auslegeordnung
- Konstatierende Hypothesen (kein «weil»)
- Fallthematik klar formuliert

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Theoriegeleitetes Fallverstehen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 242](/book/arbeit/242)): Nutze wissenschaftliche Theorien als «Scheinwerfer» zur Beleuchtung der Fallthematik. Wähle mindestens 2 Theorien, leite erklärende Weil-Hypothesen ab und verdichte diese zu einer handlungsleitenden Wenn-Dann-Arbeitshypothese ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 245](/book/arbeit/245)).
Theoriegeleitetes Fallverstehen: Nutze Theorien als «Scheinwerfer» zur Fallthematik. Wähle mind. 2 Theorien, leite Weil-Hypothesen ab und verdichte zu Wenn-Dann-Arbeitshypothese.
### Zentrale Prinzipien
- **Erhellen und Verstehen:** Diagnose beantwortet die Frage «Warum ist die Situation so, wie sie ist?» — im Unterschied zur Analyse (Was ist?) geht es jetzt um Ursachen und Zusammenhänge ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 232](/book/arbeit/232)).
- **Hypothesencharakter:** Diagnosen sind wissensbasierte Deutungen von Wirklichkeit, deren Richtigkeit offen bleibt. Sie werden im Verlauf überprüft und weiterentwickelt ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 235](/book/arbeit/235)).
- **Partizipative Orientierung:** Fachliche Deutungen werden in den Aushandlungsprozess mit dem Klient*innensystem eingebracht und dialogisch validiert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 247](/book/arbeit/247)).
- **Handlungsleitend:** Jede Diagnose hat eine handlungsleitende und prognostische Funktion — sie soll Antworten auf die Frage «Was ist zu tun?» liefern ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 234](/book/arbeit/234)).
Vorgehen in 5 Schritten:
- Wahl geeigneter Theorien
- Theoriegeleitete Fallüberlegungen
- Erklärende Hypothesen (Weil-Hypothesen)
- Arbeitshypothese (Wenn-Dann)
- Folgerungen für professionelle Arbeit
### Vorgehen: Theoriegeleitetes Fallverstehen in 5 Schritten
1. **Wahl geeigneter Wissensbestände** — Grundsätzlich kommen alle Theorien der Sozialen Arbeit und ihrer Nachbardisziplinen in Frage: Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Psychiatrie, Recht ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 242](/book/arbeit/242)).
2. **Theoriegeleitete Fallüberlegungen** — Relationierung von Theorie und Fall: Die Theorie als «Scheinwerfer» auf die Fallthematik richten und konkrete, fallbezogene Überlegungen anstellen.
3. **Erklärende Hypothesen** — Fokussierung der Erklärungen als Weil-Hypothesen: «Weil [Theoriebezug], [Auswirkung auf Fallthematik]» ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 253](/book/arbeit/253)).
4. **Handlungsleitende Arbeitshypothese** — Blickwechsel: zurückschauend auf Erklärungen, vorausblickend auf die Zielrichtung. Formulierung als Wenn-Dann-Hypothese ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 245](/book/arbeit/245)).
5. **Folgerungen für Professionelle** — Brücke zur Interventionsplanung: Was ergibt sich aus der Diagnose für die professionelle Arbeit?
Zentral: Kooperatives Fallverstehen mit dem Klientensystem.
### Theorie-Auswahl: Mögliche Wissensbestände
- **Entwicklungspsychologie** — z. B. Erikson (psychosoziale Entwicklung), Piaget (kognitive Entwicklung), Havighurst (Entwicklungsaufgaben)
- **Bindungstheorie** — z. B. Bowlby, Ainsworth (Bindungsmuster und -störungen)
- **Lebensbewältigungskonzept** — z. B. Böhnisch (Bewältigungsstrategien in prekären Lebenslagen), Fallbeispiel im ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 249](/book/arbeit/249))
- **Kommunikationstheorie** — z. B. Watzlawick (Axiome), Schulz von Thun (Kommunikationsquadrat)
- **Systemische Perspektive** — z. B. Bronfenbrenner (ökologische Systemtheorie), Minuchin
- **Soziale Ungleichheit / Benachteiligung** — z. B. Bourdieu (Kapitalarten), Intersektionalität
- **Resilienz** — z. B. Werner, Welter-Enderlin (Schutz- und Risikofaktoren)
- **Medizinische/psychiatrische Perspektive** — z. B. ICF, bio-psycho-soziales Modell
- **Rechtliche Perspektive** — z. B. Kindesschutz, KESB, Erwachsenenschutzrecht
### Checkliste
### Tipps zur Hypothesenformulierung
**Erklärende Hypothesen (Weil-Hypothesen):**
- Stellen Wirkungszusammenhänge her zwischen Elementen der Ausstattung, Bedingungen und Vorkommnissen ([Praxis, S. 113](/book/praxis/113)).
- Müssen nachvollziehbar aus den theoretischen Ausführungen abgeleitet sein.
- Haben stets Bezug zur Fallthematik — erklären Aspekte davon.
- Bespreche sie mit dem Klient*innensystem: Werden sie als hilfreich beurteilt?
**Handlungsleitende Arbeitshypothese (Wenn-Dann-Hypothese):**
- Verdichtet die ergiebigsten erklärenden Hypothesen beider Theorien.
- Formal: «Wenn [Intervention/Veränderung], dann [erwartetes Ergebnis für das Klient*innensystem].»
- Fällt in die Kategorie nomopragmatischer Hypothesen nach Staub-Bernasconi ([Praxis, S. 114](/book/praxis/114)).
- Bildet die direkte Brücke zur Handlungsphase (Zielsetzung und Interventionsplanung).
- Validiere sie gemeinsam mit dem Klient*innensystem — kooperatives Fallverstehen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 247](/book/arbeit/247)).
### Kooperatives Fallverstehen
Ist ein dialogischer Verständigungsprozess während der Diagnose möglich, so ist es wichtig, dass die vom Klient*innensystem als hilfreich beurteilten Erklärungen in die Arbeitshypothese aufgenommen werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 247](/book/arbeit/247)). Neben dem Fremdverstehen (Expertenperspektive) soll auch dem Selbstverstehen (Klient*innenperspektive) Raum gegeben werden ([Praxis, S. 114](/book/praxis/114)).
- 2 Theorien gewählt und begründet
- Fallüberlegungen konkret und nachvollziehbar
- Weil-Hypothesen formuliert
- Wenn-Dann-Arbeitshypothese handlungsleitend
- Kooperative Validierung durchgeführt

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Kooperative Erarbeitung einer Zielhierarchie im Prozessschritt Zielsetzung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 274](/book/arbeit/274)). Dem eigentlichen Setzen von Zielen geht ein längerer Prozess der Zielfindung voraus, der einen analytisch-diagnostischen Prozess miteinschliesst ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 276](/book/arbeit/276)).
Kooperative Erarbeitung einer Zielhierarchie. Der Zielfindungsprozess ist längerfristig und analytisch-diagnostisch begründet.
### Zielhierarchie — Drei Ebenen
Zielhierarchie — Drei Ebenen:
- Fernziel: übergeordnet, teilhabeorientiert
- Grobziele: Meilensteine aus Diagnose (in diesem Kapitel)
- Feinziele: SMART-operationalisiert (Kap. 3.5)
Das KPG-Konzept unterscheidet drei Zielebenen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 275](/book/arbeit/275)):
BZ (Bildungsziele) vs. UZ (Unterstützungsziele):
- BZ: Kompetenzzuwachs bei Klient*innen
- UZ: Rahmenbedingungen schaffen
1. **Fernziel** — Übergeordnetes, teilhabeorientiertes Ziel. Gibt den Orientierungsrahmen, ist langfristig angelegt und beschreibt einen anzustrebenden Endzustand ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 287](/book/arbeit/287)).
2. **Grobziele** — Funktionale Meilensteine, die aus den diagnostischen Erkenntnissen abgeleitet werden. Im Prozessschritt Zielsetzung werden ausschliesslich Grobziele formuliert; sie sollen analyse-diagnosebasiert und für die Beteiligten motivierend sein ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 289](/book/arbeit/289)).
3. **Feinziele** — Operationalisieren Grobziele für die Interventionsplanung nach SMART-Kriterien. Werden erst in Kap. 3.5 formuliert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286](/book/arbeit/286)).
Qualität: Kopf (fachlich), Herz (bedeutsam), Hand (umsetzbar).
### Bildungsziele (BZ) vs. Unterstützungsziele (UZ)
Aus dem übergeordneten Auftrag der Sozialen Arbeit ergibt sich die Unterscheidung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 285](/book/arbeit/285)):
- **BZ (Bildungsziel):** Ziele, die einen Kompetenzzuwachs bei Klient*innen anvisieren. Können nur von Klient*innen selbst bzw. gemeinsam mit Professionellen formuliert werden — nie verordnet. Erfordern Partizipation.
- **UZ (Unterstützungsziel):** Ziele für Professionelle, die den Bildungsprozess ermöglichen (Rahmenbedingungen schaffen, Vernetzung, Ressourcen bereitstellen).
Mindestens 1 BZ und 1 UZ sind erforderlich. Beide müssen fachlich begründet sein.
### Bedeutsamkeit: Kopf, Herz, Hand
Auf der Ebene der Bildungsziele soll nicht nur der Verstand, sondern der ganze Mensch angesprochen sein — im Sinne von Pestalozzis Grundsatz ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286](/book/arbeit/286)):
- **Kopf** — Ist das Ziel fachlich begründbar? Stellt es dem Verstand eine Aufgabe?
- **Herz** — Ist das Ziel emotional bedeutsam für die/den Klient*in? Spricht es an?
- **Hand** — Ist das Ziel im Alltag umsetzbar? Eröffnet es die Möglichkeit, etwas Konkretes zu tun?
Diese drei Ebenen müssen stimmig zusammengeführt werden, damit Bildungsziele für Klient*innen wichtig, bedeutsam und motivierend sind.
### Kooperative Zielfindung
Das gemeinsame Entwickeln von Zielen ist eine Antwort auf die ethische und fachliche Anforderung, Klient*innen nicht zu manipulieren ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 276](/book/arbeit/276)). Der Prozess vollzieht sich als **Pendelbewegung**: Der Blick geht zurück zu Anliegen, Ressourcen, Fallthematik und Arbeitshypothese — dann richtet er sich in die Zukunft ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 283](/book/arbeit/283)).
**Zielfindung mit wenig motivierten Klient*innen:** Im Zwangskontext formulieren Professionelle zunächst Unterstützungsziele als Orientierungslinie für das eigene Handeln, um Erfahrungsfelder zu schaffen, durch die Klient*innen schrittweise eigene Perspektiven entwickeln können ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 281](/book/arbeit/281)).
### Qualitätsanforderungen an Zielformulierungen
Gute Zielformulierungen stellen eine Herausforderung dar ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 284](/book/arbeit/284)):
- **Positiv** formuliert (Anstrebensziel, nicht Vermeidungsziel)
- **Endzustand** beschreiben, nicht Vorgehensschritte/Massnahmen
- **Nicht zu offen** (Verbesserung des Sozialverhaltens reicht nicht) und nicht überdetailliert
- Kriterien für gute Grobziele: den Klient*innen wichtig, bedeutsam, diagnosebasiert, motivierend, erreichbar und akzeptiert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 288](/book/arbeit/288))
### Tipps
- Überprüfe bei jeder Zielfindung in zweifacher Hinsicht den Bezug zu Diagnose/Analyse: als inhaltliche Grundlage UND als Hinweis auf kritische Punkte im kooperativen Zielfindungsprozess ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 290](/book/arbeit/290)).
- Der Aufwand für die gemeinsame Zielfindung wird oft unterschätzt, lohnt sich aber: Mit der Zielvereinbarung wird Verbindlichkeit hergestellt, die systematisches Arbeiten an Lösungen ermöglicht.
- Zwei hilfreiche Konzepte für die Zielfindung: **Lösungsorientierter Ansatz** (Wunderfrage, Skalierung, Ausnahmen — [Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 277](/book/arbeit/277)) und **Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)** (Motto-Ziele, somatische Marker — [Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 279](/book/arbeit/279)).
### Checkliste
- Kooperative Zielfindung dokumentiert
- Zielhierarchie klar
- Mind. 1 BZ + 1 UZ
- Ziele positiv und konkret formuliert
- Bezug zu Diagnose hergestellt

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Plane konkrete Interventionen kooperativ im KPG-4-Schritte-Prozess ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 306311](/book/arbeit/306)). Von Intervention im engeren Sinne wird gesprochen, wenn auf der Grundlage einer Analyse und im Hinblick auf Grobziele ein umfassender Handlungsplan entwickelt und realisiert wird ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 293](/book/arbeit/293)).
Plane konkrete Interventionen kooperativ im KPG-4-Schritte-Prozess: Vorüberlegungen Entwerfen Reflexion Entscheiden & Planen.
### Der KPG 4-Schritte-Prozess
KPG 4-Schritte-Prozess:
1. Vorüberlegungen: Erkenntnisse zusammenfassen
2. Entwerfen (Öffnung): 2025 Ideen sammeln
3. Reflexion: Best/Worst Case, Nichts-tun
4. Entscheiden: Auswahl, Zuständigkeiten, Zeitrahmen
**Schritt 1 — Vorüberlegungen** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 307](/book/arbeit/307)):
Fasse die wichtigsten Erkenntnisse aus Situationserfassung, Analyse, Diagnose und Zielsetzung zusammen: relevante Fakten, Fallthematik, Arbeitshypothese, vereinbarte Grobziele. Kläre, ob die Organisation sich an einem handlungsleitenden Konzept orientiert. Diese Rückschau verhindert, dass die aufwändig erarbeiteten diagnostischen Erkenntnisse ungenutzt bleiben.
Handlungsleitende Konzepte: Empowerment, Lebensweltorientierung, Ressourcenorientierung, Systemisches Denken, Lösungsorientierung.
**Schritt 2 — Entwerfen (Öffnung)** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 308](/book/arbeit/308)):
Blickfeld möglichst weit öffnen, kreativ neue Möglichkeiten erfinden — ohne vorschnelle Einschränkungen. Ressourcen der Klient*in und des gesamten Umfelds einbeziehen. Erfahrungswissen der Organisation nutzen. Faustregel: Mindestens 2025 Interventionsideen sammeln. Besonders auf Veränderungen von Situationen konzentrieren (nicht nur personenbezogene Interventionen).
Interventionsmodi: Eingriff Angebot Gemeinsames Handeln
**Schritt 3 — Reflexion (Szenarien)** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 309](/book/arbeit/309)):
Gesammelte Interventionsideen mittels Szenarien bewerten: **Best Case** (bestmöglicher Verlauf), **Worst Case** (schlechtmöglichster Verlauf/Katastrophengeschichte), **Nichts-tun** (was passiert ohne Intervention?). Darüber hinaus: Ressourcen, Einflussfaktoren, ethische Aspekte, Handlungsbedarf und Team-Ebene reflektieren.
W-Fragen: «Wer macht wann, was, wie, warum?»
**Schritt 4 — Entscheiden & Planen (Schliessung)** ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 311](/book/arbeit/311)):
Auf der Basis der Reflexion die besten Interventionen auswählen, Zuständigkeiten klären, Zeitrahmen festlegen und die erste Interventionsphase im Sinne der **rollenden Planung** detailliert planen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 298](/book/arbeit/298)). Konkret: «Wer macht wann, was, wie, warum?»
### Handlungsleitende Konzepte
Interventionsplanung stützt sich auf handlungsleitende Konzepte, die eine Hintergrundfolie bilden und fallspezifisch angepasst werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 299](/book/arbeit/299)). Beispiele:
- **Empowerment** — Befähigung und Stärkung der Selbstwirksamkeit
- **Lebensweltorientierung** — Alltagsbezug, Lebenslage, soziale Einbettung
- **Ressourcenorientierung** — Individuelle und soziale Ressourcen nutzen
- **Systemisches Denken** — Wechselwirkungen im Bezugssystem berücksichtigen
- **Lösungsorientierter Ansatz** — Fokus auf Gelingendes statt Problemerklärungen
Mindestens ein Konzept muss benannt, fachlich begründet und mit der Interventionsplanung verknüpft werden.
### Interventionsmodi und -typen
Müller unterscheidet drei Modi ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 295](/book/arbeit/295)):
- **Eingriff** — Mit Machtausübung, nur bei Gefährdung legitimiert
- **Angebot** — Basiert auf Freiwilligkeit (Rahmenangebote, spezifische fallbezogene Angebote)
- **Gemeinsames Handeln** — Koproduktiv, auf Augenhöhe
Leitlinie: Eingriffshandeln möglichst beschränken und in gemeinsames Handeln überführen. Unterscheide situations- und personenbezogene Interventionen — Situationsveränderungen bergen oft grossen Mehrwert ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 296](/book/arbeit/296)).
### SMART-Kriterien für Feinziele
Feinziele operationalisieren Grobziele für die konkrete Interventionsplanung ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286](/book/arbeit/286)):
- **S** — Spezifisch: Klar und eindeutig formuliert
- **M** — Messbar: Erreichung überprüfbar
- **A** — Attraktiv/Akzeptiert: Ausgehandelt, von allen Beteiligten mitgetragen
- **R** — Realistisch: Erreichbar unter den gegebenen Bedingungen
- **T** — Terminiert: Mit Zeithorizont versehen
Ordne jedes Feinziel einem Grobziel zu und unterscheide BZ/UZ.
### W-Fragen — Konkrete Interventionsplanung
Die Interventionsplanung anhand eines Feinziels beantwortet die Frage «Wer macht wann, was, wie, warum?»:
- **Wer?** — Welche Person(en) sind zuständig/beteiligt?
- **Wann?** — Zeitrahmen, Termine, Phasen
- **Was?** — Welche konkreten Handlungen/Aktivitäten?
- **Wie?** — Methodisches Vorgehen, Vorgehensweise
- **Warum?** — Fachliche Begründung mit Bezug zum handlungsleitenden Konzept
### Kooperation
Interventionsplanung geschieht idealerweise gemeinsam mit Klient*innen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 305](/book/arbeit/305)). Auf der Fachebene dient die Hilfekonferenz als Gefäss für interprofessionelle Koordination. Auch in Zwangskontexten lassen sich Strategien finden, die am unmittelbaren Interesse des Klienten ansetzen. Die Ausweitung der Wahlmöglichkeiten steht im Zentrum.
### Tipps
- Unterscheide sorgfältig zwischen Grobzielen (Kap. 3.4) und Feinzielen (hier): Feinziele sind konkreter und SMART-formuliert.
- Die sorgfältige Interventionsplanung bedeutet Aufwand, der sich lohnt: Die Rückschau ermöglicht, diagnostische Erkenntnisse angemessen zu berücksichtigen und die Ausrichtung auf Grobziele zu gewährleisten ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 313](/book/arbeit/313)).
- **Rollende Planung:** Nur die erste Interventionsphase detailliert planen, weitere erst nach Zwischenevaluation konkretisieren ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 298](/book/arbeit/298)).
- **Evidence Based Practice:** Prüfe, ob für dein spezifisches Problem Forschungsergebnisse beigezogen werden können ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 302](/book/arbeit/302)).
### Checkliste
- Erkenntnisse aus früheren Schritten zusammengefasst
- Mindestens 1 handlungsleitendes Konzept benannt
- Feinziele SMART-formuliert
- Interventionen konkret geplant
- Kooperation dokumentiert

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Abschliessende fachliche, kritische Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 332](/book/arbeit/332)). «Auswerten, Bilanz ziehen und daraus lernen» — das sind die abschliessenden Aufgaben bei jedem Unterstützungsprozess ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 332](/book/arbeit/332)).
Abschliessende fachliche, kritische Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses. Nicht nur zusammenfassen bewerten und von Erfahrungen lernen.
### Reflexion ≠ Zusammenfassung
Vier Reflexionsdimensionen:
1. **Fachliches/methodisches Vorgehen** Zirkularität, Theorien, Methoden
2. **Kooperation** Klient*innensystem, intra-/interprofessionelle Ebene
3. **Eigene Rolle** Haltung, Werte, Nähe-Distanz
4. **Konsequenzen/Erkenntnisse** (Höchste Gewichtung)
Die Reflexion ist **keine blosse Zusammenfassung** des bisherigen Vorgehens, sondern eine bewertende, kritische Rückschau. Reflexion bedeutet, Distanz zum eigenen Handeln zu gewinnen und es mit fachlichem Blick zu beurteilen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 335](/book/arbeit/335)). Die Begriffe Reflexion und Evaluation sind wenig trennscharf — Reflexion gilt als allgemeine, im Habitus verankerte Aufgabe, Evaluation dagegen als strukturierte, kriteriengeleitete Überprüfung, die Reflexionsfähigkeit voraussetzt.
### Vier Reflexionsdimensionen
**1. Fachliches und methodisches Vorgehen inkl. Zirkularität**
Reflektiere dein fachliches Vorgehen über den gesamten Gestaltungsprozess. Kernfrage: Wie haben die einzelnen Prozessschritte zusammengewirkt?
- **Zirkularität:** Der KPG-Prozess ist nicht linear, sondern zirkulär — Erkenntnisse aus späteren Schritten können früherer Schritte in Frage stellen und eine Rückkehr erfordern ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 344](/book/arbeit/344)). Wo hast du Schritte wiederholt? Wo hätte eine Rückkehr geholfen?
- Welche Bedeutung/Relevanz haben Theorien und Fachwissen für deine Praxis? Stärken/Schwächen? Welche alternativen Theorien wären geeignet?
- Welche Bedeutung/Relevanz haben die beigezogenen methodischen Zugänge? Stärken/Schwächen? Welche anderen Zugänge wären geeignet?
**2. Kooperation**
Reflektiere die Zusammenarbeit auf zwei Ebenen:
- **Klient*innenspezifisch:** Wie gelang die Zusammenarbeit mit dem Klient*innensystem? Wo waren Schwierigkeiten? Wie wurde das Prinzip der Koproduktion umgesetzt? ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 344](/book/arbeit/344))
- **Intra-/interprofessionell:** Wie gelang die Zusammenarbeit im Team (intraprofessionell) und mit anderen Berufsgruppen (interprofessionell)? Wie wurde Multiperspektivität sichergestellt? ([Praxis: Kooperation und Multiperspektivität, S. 90](/book/praxis/90))
**3. Eigene Rolle als Fachperson**
- Wie ist es dir gelungen, deine Rolle als Fachperson zu gestalten?
- Welche Werte und Haltungen haben dich geleitet? Welche Auswirkungen hatten diese? Haben sie sich verändert, bestätigt, differenziert?
- Nähe-Distanz-Verhältnis: Wo bist du an Grenzen gestossen? Was hat dich persönlich herausgefordert?
- Umgang mit Ungewissheit und Macht in der Beziehung zu Klient*innen
**4. Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse**
- Welche Schwierigkeiten haben sich im Handlungsprozess ergeben? Woran könnte dies gelegen haben? Wie bist du damit umgegangen?
- Was hätte rückblickend noch berücksichtigt werden können?
- Was würdest du in einer ähnlichen Situation genauso machen? Was anders? Warum?
- Welche zentralen Erkenntnisse nimmst du für dein weiteres professionelles Handeln mit?
- Gibt es einen Fallabschluss oder Weiterführung? Was sind die nächsten Schritte?
Diese Dimension wird am höchsten gewichtet. Es geht um eine Gesamtschau und die Frage, was gelernt werden kann, wenn die Erkenntnisse insgesamt betrachtet werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 344](/book/arbeit/344)).
### EPG-Leitfragen zur Unterstützung
Die EPG formuliert sieben Leitfragen zur Reflexion:
1. Welche Bedeutung/Relevanz haben Theorien/Fachwissen für meine Praxis? Stärken/Schwächen?
2. Welche Bedeutung/Relevanz haben die beigezogenen methodischen Zugänge? Stärken/Schwächen?
3. Wie ist es mir gelungen, meine Rolle als Fachperson zu gestalten?
4. Welche Werte, Haltungen haben mich geleitet? Auswirkungen? Veränderung?
5. Welche Schwierigkeiten haben sich ergeben? Woran könnte dies gelegen haben?
6. Was hätte ich rückblickend noch berücksichtigen können?
7. Was würde ich genauso und was anders machen? Weshalb?
### Tipps
- **Evaluation als organisierte Pause:** Fallbezogene Evaluation ist eine bewusst organisierte Unterbrechung, die es ermöglicht, aus der Eigendynamik auszusteigen und Distanz zu gewinnen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 338](/book/arbeit/338)).
- **Fehlerfreundlichkeit:** Die Offenheit, eigene Fehler zuzugeben, kann Klient*innen von Versagensgefühlen entlasten und einen neuen Möglichkeitsraum eröffnen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 337](/book/arbeit/337)).
- **Evaluation bezieht sich auf alle Prozessschritte** und diese wiederum auf die Evaluation — sowohl als abschliessende Gesamtevaluation wie auch als kurze Auswertung jedes einzelnen Schritts ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 336](/book/arbeit/336)).
- **Gemeinsame Evaluation mit Klient*innen:** Trotz struktureller Machtasymmetrie eine Atmosphäre schaffen, in der ehrliche und kritische Rückmeldungen möglich sind.
- Nutze die **Reflexionsnotizen**, die du während der Arbeit an früheren Prozessschritten gesammelt hast — sie bilden eine wertvolle Grundlage für die abschliessende Reflexion.
Zentral: Distanz gewinnen und kritisch hinterfragen.
### Checkliste
- Kein blosse Zusammenfassung
- Alle vier Dimensionen reflektiert
- Konkrete Beispiele und Begründungen
- Zentrale Erkenntnisse benannt
- Perspektive auf weiteres professionelles Handeln