149 Regel damit beschäftigt, die Gefühle und Befindlichkeiten der erwachsenen Angreifer wahrzunehmen (3.1). Sie lernen, ihre Gefühle abzuspalten. Selbstwahrnehmung war ein gefährliches Unterfangen und ist beeinträchtigt durch Verzerrungen, Verleugnungen und Schuldzuweisungen. Weil Kinder wie Jana und Philipp eine adäquate Selbstwahrnehmung nicht entwickeln konnten, ist die Begleitung der Differenzierung und Festigung der Wahrnehmung ein notwendiger Weg zur Selbstkontrolle, selbstreflexivem Wahrnehmen der Gefühle, des Körpers, des Verstandes, der Sinne, der Energie, des eigenen Stresses und ermöglicht Selbstregulation. So ist es im pädagogischen Alltag möglich, abgespaltene Selbstanteile wie Wut, Angst, Allmachtsfantasien etc. bewusst werden zu lassen und zu integrieren. Für die Exploration dieser zum Teil zugedeckten Selbstanteile eignen sich verschiedene Methoden: Im Probehandeln können Kinder und Jugendliche Konfrontation und Auseinandersetzung üben. Mit → Batakas können sie Wut loswerden. Der Dialog des Kindes mit seinen verschiedenen Anteilen kann darüber hinaus durch Ausdrucksmalen, Rollenspiele und das Spiegeln der Pädagog*innen: Ich sehe deine Angst, es ist gut, wenn du sie spüren kannst unterstützt werden. Die Umsetzung der Emotionen und → Kognitionen in Aktionen, die bei diesen Explorationen in den Vordergrund treten, unterstützt die Selbstfindung, die Verbindung der emotionalen Polaritäten des Seins. Gefühle brauchen Raum. Das gilt auch für die den Alltag sehr belastenden Gefühle wie z. B. Aggression. Ausschließlich reglementierendes Eingehen auf Wut und Aggression wird diese verstärken und Kinder und Jugendliche in die Isolation treiben. Möglichkeiten der → Abreaktion, z. B. mit Wutkissen, → Batakas sowie körperliche Aktivitäten sind ein gutes Korrektiv: Anna ist aufgeregt, sie weiß nicht warum. Sie hat Wut und zugleich Angst, dass sie ihre Wut nicht mehr unter Kontrolle hat. Sie bittet die Pädagogin und die Therapeutin, sie gemeinsam festzuhalten, damit sie unter Kontrolle um sich schlagen kann. Anna entwickelt unglaubliche körperliche Kräfte und ist selbst zu zweit kaum zu halten. Nach fünfundvierzig Minuten kommt Anna zur Ruhe, die Betreuer*innen sind erschöpft, Anna wirkt ge-(er-)löst.