131 Die Bindungsfallen reflektieren Traumatisierte Mädchen und Jungen fordern die Pädagog*innen durch bindungsabwertende und/oder bindungsverstrickte Kommunikation (Schleiffer 2009) heraus. Der 14-jährige Harkan lebt nun in einer Wohngruppe. Zuvor hatte er sich um seine jüngeren Geschwister und seine Mutter gekümmert. Um ihn hatte sich niemand gekümmert. Da er in der Schule extrem nachlässt, wollen die Pädagog*innen Harkan unterstützen. Er kann dieses Bindungsangebot nicht annehmen und wertet das Angebot der Pädagog*innen ab. Die elfjährige Julie ist neu in der Pflegefamilie. Sie verfolgt die Pflegemutter auf Schritt und Tritt. Immer, wenn diese versucht, Distanz zu gewinnen, kommt Julie ihr noch näher. Die Pflegemutter ist langsam genervt, die Situation eskaliert, dann hat sie ein schlechtes Gewissen ob ihrer Gefühle im Kontext der Lebensgeschichte von Julie. Harkan ist vermeidend gebunden und überträgt seine Erfahrung, Erwachsene sind nicht hilfreich, in die Beziehung zu den Pädagog*innen. Eine durch seine Abwehr verursachte Kränkung der Pädagogin wird möglicherweise ihre Reflexionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie vermeidet zukünftig bindungsrelevante Situationen (bindungsvermeidendes Gegenagieren) und wird so die Annahme von Harkan, Erwachsene kümmern sich nicht wirklich, bestätigen. Julie ist unsicher gebunden und hat immerzu Angst, Erwachsene verschwinden, sobald man sie aus den Augen lässt. Wenn die Pflegemutter die Verstrickung von Julie und ihr nicht durch ein transparentes Bindungsangebot – Julies Vorannahme ist, wenn ich jemanden aus den Augen lasse, ist er weg – auflöst, kann es bei der Pflegemutter zu einem Mix von Gefühlen wie Wut, Mitleid, Zorn und Scham kommen. Die professionelle Wirksamkeit ist infrage gestellt. Und Julie kann nicht lernen, dass Menschen zuverlässig sein können. Schleiffer unterscheidet in der Kommunikation von bindungsbelasteten Kindern und Jugendlichen zwischen der bindungsabwertenden und der bindungsverstrickten Kommunikation.