Die Problem- und Ressourcen-/Machtquellen-Analyse findet vor allem in der klassischen Einzelfallhilfe in der Schweiz breite Verwendung. Sie bildet eine standardisierte Methode, die in qualitativer Weise Daten sammelt und diese in Verbindung setzt mit der systemischen Denkfigur. Da sich die Einschätzungen der Professionellen mit denen der Klientinnen vermischen, scheint uns ein professioneller Umgang mit Daten und Bewertungen wichtig. Dieser lässt sich u. a. erreichen, wenn in der Analyse (Problem- und Ressourcen-/Machtquellen-Karten) die Sichtweisen von Klientin und Expertin gesondert aufgeführt werden. Zur Auswertung der Daten finden sich bei Staub-Bernasconi und Geiser lediglich Hinweise; das eigentliche methodische Vorgehen wird wenig erläutert. Die Problem- und Ressourcen/Machtquellen-Analyse ist aufwändig und erweist sich als komplexe Methode, die einiger Übung bedarf. Die Problem- bzw. Ressourcenkarte finden sich bei Staub-Bernasconi (1998:73, 77), die Analysebogen für die vier Dimensionen bei Geiser (2013:357–375). 9.7.2 Lebensbereich- und Mikrosystemanalyse Ausgangspunkt dieser Analysemethode bildet die systemökologische Entwicklungstheorie von Bronfenbrenner, die zunächst abrissartig aufgezeichnet werden soll. Bronfenbrenner hat seine Konzeption basierend auf den Arbeiten von Brunswik (1934) und Lewin (1946) mit der Überzeugung entwickelt, dass Entwicklung nur adäquat verstanden werden kann, wenn sie in ihrem Umweltkontext untersucht wird (vgl. Bronfenbrenner 1981:24). Die Ökologie der menschlichen Entwicklung befasst sich mit der fortschreitenden gegenseitigen Anpassung zwischen dem aktiven, sich entwickelnden Menschen und den wechselnden Eigenschaften seiner Lebensbereiche (vgl. ebd:43 f.). Lebensbereich bedeutet die unmittelbare Umgebung eines Individuums und er umfasst deren aktuelle physikalische und soziale Situation. Das entwicklungsrelevante Geschehen in dieser Umgebung ist gekennzeichnet durch Tätigkeiten, Beziehung und sozialen Rollen. Bronfenbrenner benennt das in einem Lebensbereich realisierte Muster von Tätigkeiten, Beziehungen und sozialen Rollen als Mikrosystem (vgl. ebd.). Verändert sich einer dieser Teilbereiche, entwickelt sich das ganze Mikrosystem. Entwicklung geschieht auch bei einem sog. echten ökologischen Übergang, wenn ein Individuum von einem Mikrosystem in ein anderes wechselt und sich dabei Rolle, Tätigkeit und/oder Beziehung verändern. Bleibt das realisierte Muster auch im neuen Mikrosystem erhalten, wird von einem unechten ökologischen Übergang gesprochen, der keine Entwicklung beinhaltet. Mit einer sog. Lebensbereichsanalyse kann Aufschluss über Faktoren gewonnen werden, die eine Entwicklung fördern oder hemmen. Bei dieser Methode werden zunächst alle Lebensbereiche des betreffenden Menschen ermittelt, an denen er aktuell partizipiert. In einem nächsten Schritt werden vergangene Lebensbereiche aufgeführt, womit Aufschluss gegeben wird über Entwicklungen oder Verlustgeschichten. Zusätzlich können mögliche zukünftige Lebensbereiche aufgeführt werden, damit ein Bild über (aktuell eingeschränkte) Entwicklungsmöglichkeiten entworfen werden kann. Die