Hochuli Freund 31.7.17 S. 217 »Sprechen ist schwierig« öfters über Bauch- und Kopfschmerzen geklagt. Gemäss dem Bericht der Psychologin fühlte sich Lea den kommunikativen und sozialen Anforderungen der Regelklasse doch nicht gewachsen. Die Situation verschlimmerte sich, es kam zu Angstzuständen, vollständiger Schulverweigerung und einer Neubelebung der mutistischen Symptomatik. Nach einem Semester wurde die Teilintegration für die Nebenfächer beendet, stattdessen wurden die Logopädie-Stunden verdoppelt und Ergotherapie-Stunden eingeführt. Zugleich setzten die Eltern und Lehrpersonen bei Lea den regelmässigen Schulbesuch in den Hauptfächern durch. Ausserdem wurde Lea von einer Psychologin therapeutisch begleitet; auf deren Hilfestellungen zur Angstbewältigung konnte sie sich gut einlassen. Aus Sicht der Psychologin bewirkte der radikale Rückbau der schulischen Integration für Lea eine grosse Entlastung, sodass sich Lea in der vierten und fünften Klasse persönlich und schulisch gut entwickeln konnte. Die rasche Überforderung im grösseren Umfeld der Regelklasse jedoch blieb bestehen. Im Hinblick auf die Weiterbeschulung in der Oberstufe wurde deshalb der Eintritt in den Landenhof beschlossen. Da Lea in den Nebenfächern viel verpasst hatte, repetiert sie hier nun die fünfte Klasse. Unter der Woche wohnt sie auf einer internen Wohngruppe, am Mittwochmittag geht sie jeweils für eine Nacht nach Hause. Gegenwärtige Situation Die Sozialpädagoginnen nehmen Lea als höfliches Mädchen wahr, das selbstständig, verantwortungs- und pflichtbewusst ist: Sie erledigt ihre Arbeiten auf der Wohngruppe gründlich, die schulischen Hausaufgaben sorgfältig, behält Ordnung in ihrem Zimmer, denkt selbständig an Termine. Lea selber sagt immer wieder, dass sie sich sehr um gute Leistungen bemühe und es ihr wichtig sei, alles gut zu machen. Die Mutter beschreibt Lea im familiären Umfeld als sehr kommunikativ, dominant und selbstbewusst. Bei den Geschwistern gebe sie den Ton an und könne auch frech sein. Auf der Wohngruppe hingegen erleben wir Sozialpädagoginnen Lea als zurückhaltend, abwartend und zuhörend, als ein Mädchen, das sich die Welt durch Beobachten erschliesst. In der Anfangszeit äusserte sie oft, dass es ihr zu laut sei. Von sich aus nimmt Lea keinen Kontakt zu anderen Kindern auf und spricht nicht viel. Auf Fragen von uns Erwachsenen gibt sie nur kurze und leise Antworten. Lea zieht sich viel in ihr Zimmer zurück. Nach den ersten Wochen geht sie vermehrt auf Spielangebote ein, öffnet sich in Zweiersituationen mit Erwachsenen etwas mehr, wird kommunikativer. Wir beobachten, dass sie zu einzelnen Mädchen eine Freundschaft aufzubauen beginnt, bei Knaben jedoch bleibt sie auffallend distanziert. Lea liest viel und kann gut zeichnen und basteln. Bereits nach kurzer Zeit konnte sie selbständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Landenhof und wieder nach Hause reisen. Manchmal allerdings wirkt Lea bedrückt. Gefragt nach ihrem Befinden, sagt sie entweder »gut« oder »mittel«, wenn man weiter nachfragt, zuckt sie oft mit den Schultern und äussert, dass sie es nicht wisse. Wir haben den Eindruck, dass Lea feinfühlig und sensibel ist, dass es für 217