Hochuli Freund 31.7.17 S. 62 Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen Sinn kommt, und dazu beitragen, dass die bis dahin gewonnenen fallbezogenen Erkenntnisse tatsächlich genutzt und möglichst hilfreiche Interventionen entwickelt werden können. Und schliesslich wird vor dem Hintergrund von Kahnemans Überlegungen deutlich, dass die Unterscheidung von analytischer und Handlungsphase im Konzept KPG ein Entscheidungsfindungsmodell beinhaltet. Das Konzept KPG ist zunächst im Kontext der Lehre entstanden, um Studierenden Wissen über professionelles, methodisch-strukturiertes Handeln zu vermitteln und ihren Kompetenzerwerb zu unterstützen. Ab und an staune ich, mit wie wenig Fragen manche Studierende ihr Studium beginnen. V. a., wenn sie schon länger in der Berufspraxis Sozialer Arbeit tätig waren, organisationsbezogene Praktiken und eine bürokratische Logik internalisiert haben, scheint für sie vieles schon klar zu sein. Gemäss Kahneman entspricht dies einer grundlegenden menschlichen Haltung. »A remarkable aspect of your mental life is that you are rarely stumped. […] The normal state of your mind is that you have intuitive feelings and opinions about almost everything that comes your way.« (Kahneman 2011:97) Vielleicht besteht die erste Etappe des Wegs zu professioneller Kompetenz zunächst darin, das ›Nichtwissen‹ und Staunen wieder zu lernen. Auf dem weiteren Weg geht es immer und immer wieder um bewusstes Innehalten und Denken im Modus von System 2. 4 ›Reflection-in-action‹: Einheit von Denken und Handeln (Schön) Auch die von Donald A. Schön in den 1980er Jahren konzipierte ›Epistemology of Practice‹ war ein Gegenentwurf, eine Antwort auf das aus seiner Sicht unzureichende traditionelle Paradigma technischer Rationalität und auf die Legitimationskrise der sich an diesem Modell orientierenden Professionen. Situationen in der Praxis seien charakterisiert durch eine hohe Komplexität der Problemstellungen, durch Ungewissheit und Instabilität (der Problemstellungen, der gesellschaftlichen Erwartungen, der professionellen Wissensbestände), durch die Einzigartigkeit der Situationen/Ereignisse/Fälle sowie durch Wertekonflikte (z. B. in der Sozialen Arbeit zwischen anwaltschaftlicher Verpflichtung für die Klientinnen und bürokratischem Effizienzdruck, vgl. Schön 1983:17). Gemäss dem traditionellen Modell technischen Rationalität bestehe professionelles Handeln in der Lösung von Problemen durch rigoroses Anwenden wissenschaftsbasierter, standardisierter Techniken (vgl. ebd.:21). Schön aber konstatiert: »Complexity, instability and uncertainty are not removed or resolved by applying specialized knowledge to well-defined tasks« (ebd.:19) und deshalb wollte er den Zugang untersuchen, mit dem es versierten Praktikern unterschiedlichster Professionszugehörigkeit gelingt, in Situationen von 62