Hochuli Freund 31.7.17 S. 167 ›Kooperative Bedarfsermittlung‹ und Weiterentwicklung des Wohnbereichs re Frage ist, wie nachhaltig diese Veränderungen sind, welche Auswirkungen sie für die Klientinnen und Mitarbeitenden haben, wie die Arbeitsweise langfristig aussieht und wie sie sich mit noch grösserem Abstand zum Projekt verändert. Ein nächster wichtiger Schritt wäre deshalb, eine summative Evaluation des Projekts durchzuführen. Neben diesen eher grundsätzlichen Fragen gibt es auch konkrete Optimierungsmöglichkeiten bei den einzelnen Angeboten. Dies soll stellvertretend am Beispiel von KB aufgezeigt werden. Trotz eines bereits bewusst kooperativ angelegten Vorgehens lässt sich gerade die Gestaltung der Kooperation immer wieder reflektieren und weiterentwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse aus Analyse und Diagnose werden den Klienten mitgeteilt und von diesen validiert. Nach wie vor besteht hierbei die Herausforderung, diesen Dialog mit Klientinnen so zu führen, dass diagnostische Erkenntnisse einfach und verständlich vermittelt werden und ein vertiefter Austausch darüber entsteht. Ein grosses Problem zeigt sich in Bezug auf die Finanzierung des neuen Angebots. Trotz des ursprünglichen Interesses eines Kostenträgers an dem Projekt ist es bislang nicht gelungen, eine Anschlussfinanzierung und Etablierung von KB als feste Leistung zu erreichen. Daher wird KB nach wie vor ausschliesslich organisationsintern genutzt und es stellt sich die Frage, wie ein – aus Sicht der Wissenschaft – innovatives, fachlich fundiertes Verfahren nach aussen verkauft werden und damit dauerhaft Eingang in die Praxis finden kann. KB richtet sich bislang an eine recht spezifische Zielgruppe. Diese Personen waren meist in der Lage, – mehr oder weniger gut – verbal zu kommunizieren. Eine weitere Entwicklungsmöglichkeit besteht daher darin, das entwickelte Methoden-Set nochmals genauer zu betrachten und das Angebot einer umfassenden Abklärung der persönlichen Situation auch für weitere Personenkreise nutzbar zu machen, beispielsweise für Menschen mit einer schwerst-mehrfach Behinderung. Viele der Instrumente setzen grundlegende Kommunikationsfähigkeiten voraus bzw. bräuchten weitere Anpassungen und Vereinfachungen, um noch breiter einsetzbar zu sein. Ebenfalls eignet sich KB nicht für dringliche Situationen mit einem unmittelbaren Handlungsbedarf. Auf Grundlage der bisherigen Konzeption könnten die Methoden für ein Angebot zur Abklärung akuter Krisen adaptiert werden, ähnlich wie beim Hessischen Konsulentendienst, der sehr schnell und mit geringem Zeitaufwand in der Lage ist, eine Situation abzuklären und die nötigen Interventionen anzuregen (vgl. Jochheim 2014). Am Beispiel des dargestellten Projekts in der Lebenshilfe Lörrach e. V. kann festgehalten werden, dass die Einführung von KPG eine sichtbare Professionalisierung bewirkt. Deutlich wurde aber auch, dass fachliche Qualität von weiteren Rahmenbedingungen abhängig ist, die Arbeitsweise immer wieder überprüft werden muss und eine kontinuierliche Kompetenzbildung erforderlich ist. 167