ausgelassen oder nur kurz gestreift hat, kann dies gegen Ende des Interviews in der Phase von erzählgenerierendem Nachfragen angesprochen werden. In dieser dritten Phase können Unklarheiten ausgeräumt, fehlende Aspekte ergänzt und die Geschichte zu einem ganzen Bild vervollständigt werden. In der Abschlussphase wird die Erzählerin gefragt, ob Wichtiges nicht erwähnt wurde oder während des Interviews Fragen aufgetaucht seien, die nun geklärt werden sollen. Das Interview wird anschließend entweder vollständig oder zu großen Teilen transkribiert und die relevant scheinenden Aussagen werden in die Situationserfassung eingearbeitet. Das Datenmaterial kann aber auch ausführlich methodisch strukturiert ausgewertet werden, z. B. mit einer qualitativen Inhaltsanalyse ( Kap. 10.3). In der Praxis der Sozialen Arbeit wird das narrative Interview in der oben beschriebenen Reinform der wissenschaftlichen Methode nur selten angewandt, und dies aus verschiedenen Gründen. Auf der Klientenseite lassen kognitiver Entwicklungsstand, eingeschränktes verbales Kommunikationsvermögen, Konzentrationsfähigkeit ein Gespräch von eineinhalb bis zwei Stunden zu führen möglicherweise nicht zu; auf der organisationalen Seite fehlen meistens die zeitlichen Ressourcen, um ein so langes Gespräch nicht nur zu führen, sondern anschließend auch zumindest teilweise zu transkribieren und strukturiert auszuwerten. Dennoch hat diese Form des Erkundungsgesprächs mit offenen Impulsfragen und der Grundhaltung des Zuhörens eine hohe Bedeutung für die Situationserfassung, weil Klientinnen auf diese Weise wirklich zu Wort kommen können. So gilt es ein offenes Erkundungsgespräch in Anlehnung an die Prinzipien des narrativen Interviews den Besonderheiten von Person und Situation anzupassen. Zielsetzung dabei bleibt, Menschen über Teile ihres Lebens erzählen zu lassen und ihnen dabei die Möglichkeit zu geben ihre subjektiv erlebte(n) Wirklichkeit(en) und allenfalls auch ihre Deutungen darlegen zu können. Insgesamt ermöglichen es alle Formen von Erkundungsgesprächen, Informationen von Klientinnen selbst zu erhalten. Dies kann auch in offenen Formen des Nachfragens, z. B. in informellen Gesprächen im Alltag geschehen. Die gewonnenen Informationen stellen einen Zugang zur subjektiven Wirklichkeit der Klienten dar. 8.5 Beobachtung Eine zweite Methode stellt die Beobachtung dar. Unter Beobachtung als Erfassungsmethode in der Sozialen Arbeit verstehen wir das mehr oder weniger bewusste und zielgerichtete Wahrnehmen von Situationen und von Verhalten von Personen oder Gruppen. Beobachtung kann frei, zufällig, ungesteuert, unstrukturiert geschehen, sie kann auch bewusst-zielgerichtet, planmäßig-selektiv, methodisch-geleitet und reflektiert erfolgen. Ist Beobachtung beabsichtigt und zielgerichtet, setzt sich die Sozialpädagogin in differenzierter Weise mit Situation und Person oder Personengruppe auseinander. Dabei gilt es einige wesentliche Aspekte zu beachten, die im Folgenden beschrieben werden.