# Evidence: Autonomieförderung durch systemische Fallbearbeitung – KPG in der Spitalsozialarbeit Source document: [praxis](../../documents/praxis/praxis.md) --- ## Reference 1 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** Autonomieförderung durch systemische Fallbearbeitung Kooperative Prozessgestaltung in der Spitalsozialarbeit - **Pages:** 272 - **Lines:** 3801–3801 - **Quote:** "Die nachfolgend dokumentierte Fallbearbeitung fand im Kontext eines halbjährigen Praktikums in der Spitalsozialarbeit statt und wurde strukturiert nach der Methodik Kooperative Prozessgestaltung (KPG). Der Fokus lag auf den Schritten Situationserfassung, Analyse und Diagnose. Die Prozessschritte Zielsetzung, Interventionsplanung, Interventionsdurchführung und Evaluation wurden anschliessend von anderen Professionellen durchgeführt." ## Reference 2 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** 2 Fallbearbeitung - **Pages:** 274 - **Lines:** 3817–3817 - **Quote:** "Die Fallbearbeitung wird nach der Methodik KPG nach Hochuli Freund und Stotz (2015) gestaltet. Nach einem interdisziplinären Standortgespräch, an dem ich Frau G. kurz kennenlerne, meldet sie sich, auch auf Empfehlung des Psychiaters, für die freiwillige Sozialberatung. In den nachfolgenden Gesprächen erarbeiten wir die Prozessschritte Situationserfassung, Analyse und Diagnose." ## Reference 3 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** Themen › Soziales ‹ : - **Pages:** 275 - **Lines:** 3839–3839 - **Quote:** "Hat eine Invaliden-Rente (IV) mit Ergänzungsleistungen (EL), finanzielle Unterstützung vom Ehemann. Ist beim Sozialamt, die Tochter erledigt ihre Post. Schwierige Wohnsituation mit Ehemann am Wochenende." ## Reference 4 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** Wohnen: - **Pages:** 277 - **Lines:** 3855–3855 - **Quote:** "Frau G. wohnt alleine in einer Wohnung mit einem Hund und einer Katze. Die Wohnung gefällt ihr. Vor der Klinik hatte sie zu Hause Unterstützung durch die psychiatrische Spitex. Sie mag die Wohnung gerne sauber und putzt daher regelmässig. Seit zwei Monaten ist sie nun in der Klinik, am Wochenende geht sie nach Hause. Weil ihr Ehemann zurzeit in ihrer Wohnung wohnt, ist sie manchmal hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, am Wochenende nach Hause zu gehen und dem, in der Klinik zu bleiben." ## Reference 5 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** 2.3 Analyse - **Pages:** 278 - **Lines:** 3877–3877 - **Quote:** "Nach KPG werden die Informationen aus dem Prozessschritt der Situationserfassung im Schritt der Analyse mit Hilfe themenbezogener Einschätzungen erweitert. Die Komplexität der Informationen wird dadurch zunächst erhöht, deshalb müssen diese anschliessend bewertet und fokussiert werden, damit die Komplexität wieder reduziert werden kann (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:180f.). Mit Hilfe verschiedener Analysemethoden soll herausgearbeitet werden, was das Thema des Falles ist (vgl. ebd.:212f.)." ## Reference 6 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** 2.3 Analyse - **Pages:** 280 - **Lines:** 3893–3893 - **Quote:** "![Image](artifacts/image_000023_dc9a587cee6faafbd220c00e2f2bbe5f6d384a6431a8a7aa8e328b0e6a8cf386.png)" ## Reference 7 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** Fallverstehen anhand der systemischen Denkfigur (SDF) - **Pages:** 282 - **Lines:** 3911–3911 - **Quote:** "Frau G. hat in Ue beschränkte Möglichkeiten auf Grund beschränkter Ressourcen. Dieser Umstand könnte ihr geringes Selbstbewusstsein erklären. Der hohe Stellenwert des Helfens für andere könnte ein Ersatz für einen erfüllenden Beruf oder ein erfüllendes Hobby sein, es könnte aber auch mit dem jahrelangen Zusammenleben mit Alkoholikern zusammenhängen. Mit dem Helfen kann sich Frau G. als wirksam erleben und erhält von anderen Lob und Anerkennung." ## Reference 8 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** Fallverstehen mit Hilfe von Theoriewissen - **Pages:** 284 - **Lines:** 3929–3929 - **Quote:** "Laut meiner Einschätzung trifft die Co-Abhängigkeit auf Frau G. zu. Ihr übermässiges Bedürfnis anderen, meist schwächeren, oft abhängigen Personen zu helfen, könnte ein Verhalten sein, das sie durch das Vorleben der Beziehung zwischen ihren Eltern gelernt haben könnte und das sie mit ihrem Mann weiterhin angewandt hat. Ihrem Mann hilft sie immer wieder, zuletzt hat sie ihn in ihrer Wohnung leben lassen, obwohl sie sich in dieser Situation nicht wohl gefühlt hat. Frau G." ## Reference 9 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** 2.5 Ziele, Interventionsplanung und Interventionsdurchführung, Evaluation - **Pages:** 285 - **Lines:** 3949–3949 - **Quote:** "Bei diesem fünften Gespräch Mitte Mai kurz vor dem Klinikaustritt besprechen Frau G. und ich die bis dahin getätigten Interventionsschritte . Frau G. hat die Wohnsituation so organisiert, dass eine psychiatrische Pflege ihr zu Beginn zweimal wöchentlich unterstützend in der Alltagsgestaltung hilft. Betreute oder begleitete Wohnformen habe sie sich überlegt und wolle diese Angebote im Moment nicht in Anspruch nehmen." ## Reference 10 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Section:** 3 Reflexion und Erkenntnisse - **Pages:** 287 - **Lines:** 3963–3963 - **Quote:** "Zunächst werden theoriegeleitete Erkenntnisse für das Arbeitsfeld der Spitalsozialarbeit diskutiert, die sich anhand dieser Fallbearbeitung verdeutlichen lassen. Abschliessend werden die eigenen Erfahrungen mit der Methodik KPG reflektiert." ## Reference 11 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Chapter:** Autonomieförderung - **Section:** 1 Kontext der Fallbearbeitung - **Pages:** 273 - **Lines:** 3809–3809 - **Quote:** "Neben einer effizienten Arbeitsweise gilt es in der Fallbearbeitung, die Autonomie und die Ressourcen der Klientel zu achten und zu fördern. Eine erste Kernaufgabe der Sozialberatung ist die Unterstützung von Patienten und deren Angehörigen bei der Bewältigung von sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen und persönlichen Problemen." ## Reference 12 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Chapter:** Autonomieförderung - **Section:** 1 Kontext der Fallbearbeitung - **Pages:** 273 - **Lines:** 3813–3813 - **Quote:** "Als Professionsauftrag in der freiwilligen Sozialberatung sehe ich die Autonomieförderung und Ressourcenaktivierung der Klientel. Der Organisationsauftrag an eine Sozialarbeiterin in der psychosomatischen Klinik kann als die Reintegration von psychisch erkrankten Menschen in das gesellschaftliche Leben mit den Bereichen Sozialleben, Arbeit und Gesundheit definiert werden (vgl. AvenirSocial 2010:6)." ## Reference 13 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Chapter:** Autonomieförderung - **Section:** 2.2 Situationserfassung - **Pages:** 276 - **Lines:** 3847–3847 - **Quote:** "Laut Hochuli Freund und Stotz ist für diesen Schritt der KPG »[ … ] die Kooperation mit der Klientin [ … ] unabdingbar« (2015:154). Auf Grund der subjektiven Auslegeordnung des bisher Erlebten in der Situationserfassung ist der Klient der Experte seiner Situation und kann die weitere Fallbearbeitung steuern (vgl. ebd.)." ## Reference 14 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Chapter:** Autonomieförderung - **Section:** 2.3 Analyse - **Pages:** 280 - **Lines:** 3901–3901 - **Quote:** "55-jährige Frau mit ungleichen Beziehungen, in die sie mehr investiert als zurückbekommt, die sich mehr Unabhängigkeit in ihrem Leben wünscht, kombiniert aber mit professioneller Unterstützung." ## Reference 15 - **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis - **Chapter:** Autonomieförderung - **Section:** 2.4 Diagnose - **Pages:** 284 - **Lines:** 3939–3939 - **Quote:** "Wenn Frau G. zu Professionellen und anderen Personen stabile Beziehungen aufbauen kann, in denen sie mit Abstand über ihr Erleben als Mitbetroffene von Alkoholabhängigkeit sprechen kann und neue Verhaltensmuster erlernt, dann erfährt sie, dass es erfüllende gleichwertige Beziehungen gibt, in denen sie ihre eigenen Vorstellungen einer Beziehung äussern kann, und dass viele ihrer persönlichen Eigenschaften eine Ressource darstellen, mit denen sie sich neue Freiräume schaffen kann."