inszenieren, z. B. wenn diese noch wenige greifbar ist, noch keine Arbeitsbeziehung aufgebaut werden konnte oder sich verbal kaum äußern kann. In der Arbeitsphase der Auswertung – die je nach Fall 10 bis 30 Minuten dauern kann – geht es um das systematische Ordnen und Strukturieren der gesammelten Eindrücke und Ergebnisse (vgl. Schattenhofer/Thiesmeier:79); auch hier kann das Hilfsmittel konstatierender Hypothesen eingesetzt werden. Schattenhofer/Thiesmeier schlagen vor, danach in einem Brainstorming zusammenzutragen, worauf zu achten ist, was gebraucht wird, wie nächste Arbeitsschritte aussehen können, damit die Falleinbringerin eine Vorstellung davon bekommt, wie sie weiterarbeiten kann (vgl. 2001:63). Damit leitet die Analyse bereits über zur Intervention. Wenn durch die Auswertung der Inszenierung jedoch eine Fallthematik herausgearbeitet wird, die weitere Fragen aufwirft und ein vertieftes Fallverstehen erforderlich machen, dann ist es u. E. angezeigt, zunächst eine theoriegeleitete Diagnose anzuschließen, bevor von der Analyse- auf die Interventionsebene gewechselt wird. 9.3 Analyse durch Reflexion des eigenen Erlebens Bei der Fallinszenierung wird versucht, die Ängste, Erwartungen und Hoffnungen der verschiedenen Fallbeteiligten nachzuempfinden, um auf diese Weise herauszuarbeiten, welche Emotionen in einem Fall vorhanden und möglicherweise bestimmend sind. Die Ebene der Emotionen wird auch in einem weiteren, offenen Analysezugang genutzt, wobei es hier spezifisch um die Gefühle der Professionellen geht. Im Grundlagenteil haben wir im Kapitel zur Arbeitsbeziehung zwischen Professionellen und Klientinnen an mehreren Stellen die Bedeutung dieser Gefühle thematisiert. Psychoanalytisches Wissen kann genutzt werden zur Reflexion der Übertragungs-Gegenübertragungs-Beziehung zwischen Klientin und Sozialarbeiterin. Unter ›Gegenübertragung‹ wird die emotionale Reaktion der Professionellen auf die Gefühle verstanden, die eine Klientin aus früheren Primärbeziehungen in die aktuelle Arbeitsbeziehung hineinträgt ( Kap. 5.1.3). Unter anderem verweist Bang in ihrem Arbeitsbeziehungsmodell darauf, dass eine Sozialarbeiterin in der Lage sein muss, insbesondere negative Übertragungsgefühle der Klientin zu erkennen, um auf diese Weise Spannungen in den Beziehungen ›entpersönlichen‹ und reduzieren zu können. Das Entziffern der Übertragungsgefühle der Klientin könne aber auch genutzt werden, um die Klientin besser verstehen zu können. Müller betont, dass die Fähigkeit, die eigene Gegenübertragung kontrollieren zu können, ein Kern professioneller Kompetenz sei. Gegenübertragung bedeutet für ihn die Selbstbetroffenheit der Sozialarbeiterin, das Verstrickt sein in eigene Gefühle, die mit denjenigen der Klientin verwoben sind ( Kap. 5.1.4). Die Nutzung der Gegenübertragung für das Verstehen der Gefühlssituation eines Klienten setzt voraus, dass der Sozialpädagoge bei der ›Ent-Strickung‹ herausarbeiten kann, welche seiner Gefühle in der eigenen Biografie und Persönlichkeit zu verorten sind (bei welchen Signalen eines Klienten er aufgrund seiner eigenen Geschichte z. B. sehr schnell gekränkt ist), und welche Gefühle hingegen Reaktionen im Sinne eines Echos sind auf die