Hochuli Freund 31.7.17 S. 226 Teil 3 Fallarbeit mit KPG dieser theoriegeleiteten Fallüberlegungen konnte ich folgende erklärenden Hypothesen formulieren: • Weil es auf Grund verschiedener Überforderungssituationen bei Lea zu selektivem Mutismus kam, ist ihr Sprechen mit anderen Kindern manchmal blockiert, daher zieht sie sich viel zurück und hat nur wenig Kontakt zu Gleichaltrigen. • Da Lea wenig Kontakt zu Gleichaltrigen hat, beeinträchtigt dies ihre Sozialkompetenzen, die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben, den Aufbau von tragfähigen Beziehungen sowie ihre Identitätsentwicklung. • Weil Lea von verschiedenen Ängsten geplagt wird und Symptome des selektiven Mutismus zeigt, löst das Passivität, Vermeidungsverhalten, Schlafprobleme sowie psychosomatische Erkrankungen (Schlafstörungen, Bauchund Kopfweh) aus. • Weil die Eltern einige Ängste teilen, wird Lea darin bestätigt, dass ihre subjektive Einschätzung sowie die Reaktion darauf angemessen sind. • Weil Lea ein niedriges Selbstwirksamkeitsgefühl aufweist, meidet sie Situationen, die sie nach eigener Beurteilung nicht meistern kann. Dies erschwert eine Verhaltensveränderung (Kontaktaufnahme mit anderen Kindern). Diese Hypothesen sind nur mögliche Erklärungen und nicht mit dem Anspruch auf Wahrheit versehen. Es ist ein Versuch, die Fallthematik besser zu verstehen. Da ich die Aufgabe der Professionellen der Sozialen Arbeit v. a. im Stärken und Fördern der Kinder sehe, erachte ich es als wichtig, die Selbstwirksamkeit von Lea zu unterstützen und schrittweise Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Dabei soll Lea das Sprechen als positives Mittel der Kommunikation kennen lernen. Deshalb formulierte ich folgende handlungsleitende Arbeitshypothese: Wenn Lea immer wieder kleine Erfolgserlebnisse im Umgang mit Gleichaltrigen machen kann und ihr Umfeld nicht mit ihren Ängsten mitschwingt, dann können die Angst, das Vermeidungsverhalten und die psychosomatischen Symptome schrittweise abgebaut sowie ihre Selbstwirksamkeit gestärkt werden, was Lea wiederum darin unterstützt, mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen, Freundschaften zu schliessen, somit ihre Entwicklungsaufgaben angemessen zu bewältigen und Sozialkompetenzen aufzubauen. Mit Blick auf die Zukunft und darauf, was dieser Bedingungszusammenhang sowie diese Zielrichtung für unsere professionelle Unterstützung bedeuten, formulierte ich auf Grund der Arbeitshypothese die Fragestellung für die Professionellen: Wie kann es uns einerseits gelingen Lea zu unterstützen und Möglichkeiten zu schaffen, damit sie im Umgang mit Gleichaltrigen Erfolgserlebnisse ma- 226