Hochuli Freund 31.7.17 S. 224 Teil 3 Fallarbeit mit KPG 2015:229). Mir ist wichtig, dass die Arbeitshypothese für Lea von Bedeutung ist, da diese die Zielrichtung für den weiteren Prozess vorgibt. Daher werde ich versuchen, ihr die erklärenden Hypothesen sowie die Arbeitshypothese zu erläutern und mit ihr darüber in den Dialog zu kommen. Theoriegeleitetes Fallverstehen Zunächst möchte ich mich mit dem Selektiven Mutismus auseinandersetzen. Selektiver Mutismus gilt als eine emotional bedingte Störung der sprachlichen Kommunikation. In gewissen Situationen tritt bei den Betroffenen eine umfassende Sprachlosigkeit auf, obwohl sie in einem anderen Kontext sprechen können. Tritt das Phänomen zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr auf, wird es Frühmutismus genannt, bei Auftreten zwischen sechs und acht Jahren Spätmutismus. Betroffene können nicht willentlich steuern, wo sie sprechen und wo nicht, es handelt sich um eine Art Blockade (vgl. Katz-Bernstein 2005:20– 23). Neben dem Schweigen sind oftmals zusätzliche Auffälligkeiten zu beobachten wie z. B. soziale Ängstlichkeit, Rückzugsverhalten, Schlafstörungen, Sprachentwicklungsverzögerung, Trennungsangst, Schulverweigerung, soziale Isolierung oder zu Hause manipulative und oppositionelle Verhaltensweisen (vgl. ebd.:28f.). Risikofaktoren, die zu einer solchen Störung führen können, gibt es viele. Es handelt sich dabei um eine Potenzierung von mehreren Faktoren. Dazu zählen u. a. sprachliche Störungen, Bilingualität, mutistisch-anmutende Verhaltensweisen von Angehörigen, Temperamentsmerkmale wie Ängstlichkeit oder Schweigsamkeit, belastende Lebensereignisse, Disharmonie in der Familie oder Überforderungssituationen (vgl. ebd.:30). Katz-Bernstein betont, dass die Schule als positiver sozialer (Lern-)Ort etabliert werden soll. Das mutistische Kind soll an allen Aktivitäten der Klasse partizipieren können und Kontakte mit anderen Kindern sollen initiiert und gefördert werden (vgl. ebd. 211–213). Hartmann (1997:131–135) hält fest, dass soziale Verhaltensmuster eingeübt werden müssen. Besonders wichtig für Betroffene sei es, positive Erfahrungen zu machen. Das Schweigen stellt für das Kind eine subjektiv sinnvolle Bewältigungsstrategie dar, daher muss das Sprechen als wertvolles kommunikatives Mittel erst kennen gelernt werden. Alle Autoren und Autorinnen betonen die Ängstlichkeit der betroffenen Kinder und deren fehlende Kontakte zu Gleichaltrigen. Daher möchte ich anhand weiterer Fachliteratur einerseits herausfinden, welche Bedeutung den Peers zugemessen wird für die kindliche Entwicklung. Andererseits möchte ich mich mit dem Thema Angst auseinandersetzen, da das in den Erzählungen von Lea und deren Eltern immer wieder auftaucht. Neben dem Erarbeiten von Fachwissen möchte ich über Angst und den Umgang damit mit der Psychologin vom Landenhof reden. Sie hat mir im Fall Lea Unterstützung angeboten. Die Betonung der positiven Erfahrungen im sozialen Bereich erinnerte mich an das Konzept der Selbstwirksamkeit von Bandura. Daher möchte ich diese Theorie ebenfalls für das Fallverstehen nutzen. Bedeutung der Peers: Freundschaftsbeziehungen zu Gleichaltrigen haben bei den Entwicklungsaufgaben eine Sozialisationsfunktion (vgl. Schmidt-Denter 224