15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessgestaltung lernen kann Dem Konzept Kooperative Prozessgestaltung liegt ein spezifisches Verständnis von Fachlichkeit zugrunde, das die Kooperation mit Klientinnen in den Mittelpunkt stellt. Ein Prozessmodell dient den Professionellen als Orientierungsrahmen für das Denken und Handeln bei der Begleitung und Unterstützung von Klienten(systemen). Entsprechend dieser Prozessstruktur haben wir die aus unserer Sicht derzeit wichtigsten Methoden, Instrumente und methodischen Hilfsmittel im deutschsprachigen Raum systematisiert. Manche davon haben wir ausführlich dargestellt, in der Absicht, dass aufgrund der Ausführungen damit gearbeitet werden kann. Andere haben wir deutlich knapper erläutert; die Skizzierung soll den Leserinnen eine Einschätzung ermöglichen, was die jeweilige Methode leisten kann. Das Lehrbuch soll als Nachschlagewerk dienen und Anregungen vermitteln, wie Fälle methodisch bearbeitet werden können. Unser wichtigstes Anliegen jedoch ist es, ein bestimmtes Grundverständnis von professionellem Handeln zu vermitteln. Mit der neuen Abbildung »Aspekte Kooperativer Prozessgestaltung« ( Abb. 6, Kap. 7.4.1) haben wir versucht, das zu veranschaulichen. Dieses Grundverständnis lässt sich aber auch mit verschiedenen Kurzformeln und Bildern umschreiben: • ›zuerst verstehen, dann handeln‹: eine Suchbewegung des Fallverstehens, auf der Fachebene und auch gemeinsam mit Klientinnen • mit einer Haltung von Offenheit und Neugier erfassen und zu verstehen versuchen und auf dieser Basis überlegen, was zu tun ist • analytisch-diagnostische Erkenntnisse sind der Nährboden für die Handlungsphase (und kontinuierlicher Wechsel zwischen den beiden Phasen) • wissen, was man wann und weshalb tut, wenn man etwas tut (d. h. in welchem Prozessschritt man sich gerade bewegt) • Verschränktheit des Handelns auf der Fachebene und der Kooperation mit Klienten(systemen) • u. a.m. Bei diesem Grundverständnis verändert sich die übliche Gewichtung der Prozessphasen. Nicht Interventionen allein stehen im Zentrum einer oft unter großem Handlungsdruck stehenden Praxis Sozialer Arbeit. Vielmehr kommt der analytischen Phase eine bedeutende Stellung in der Prozessgestaltung zu, weil erst sie die Voraussetzungen für angemessene Interventionen schafft. Dies impliziert, dass dieser ersten Phase mehr Raum