Hochuli Freund 31.7.17 S. 40 Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen ne und handlungsleitende Konzeption professionellen Handelns dar. Diese fachliche Einschätzung soll mit Bezug auf die Ausgestaltung des Konzepts veranschaulicht werden. Umfassende Rahmenstruktur für individuelle Gestaltungsfreiheit KPG ist ein generalistisches Konzept und für alle Felder der Sozialen Arbeit geeignet. Das darin enthaltene Prozessmodell lässt sich für sämtliche Prozesse auf der Fall- und Fachebene wie die klassische Fallführung, die sozialpädagogische Arbeit mit Klientinnen und Klienten aber auch für Projektmanagement, Beratung oder Ähnliches, heranziehen. Die Dauer eines Prozesszyklus kann sich auf eine Momentaufnahme beschränken oder sich aber auch über einen ganzen Begleitprozess erstrecken. Es werden mögliche Methoden und Instrumente für die einzelnen Prozessschritte vorgestellt, wobei diese für die Organisation und/ oder den Einzelfall ergänzt, modifiziert oder durch passendere Methoden ersetzt werden können. Hochuli Freund und Stotz sehen – im Unterschied zu anderen Autoren – den ganzen Prozess einer strukturierten Fallbearbeitung als elementaren Beitrag zur Professionalisierung, für ›besseres‹, professionelleres Handeln, bei dem die fachliche Tätigkeit unweigerlich mit der Beziehung und der Aushandlung mit Klientinnen und Klienten verbunden wird (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:325). Dieser Prozess der Fallbearbeitung soll dabei in sich schlüssig und nachvollziehbar sein. Indem bei jedem Schritt die bisherigen Erkenntnisse aufgegriffen und prozessschrittspezifisch weiterverarbeitet werden, sind die Prozessschritte eng verwoben und bauen aufeinander auf. Je nachdem kann es auch erforderlich seine einzelnen Schritte erneut durchzuführen. Das Konzept KPG schafft einen klar definierten Rahmen, der sich unterschiedlich füllen lässt. Auf Grund der Strukturierung sowie vorgegebener Prinzipien ist er eng genug, um Beliebigkeit zu vermeiden, gleichzeitig ist die Vorgehensweise offen genug, um je nach Fall und Kontext Anpassungen vorzunehmen. Den Autoren gelingt dabei ein Balanceakt, indem sie Strukturmerkmale und Spannungsfelder nicht aufheben, sondern auf diese hinweisen und sie damit ins Bewusstsein rücken. Trotzdem wird den Professionellen damit nicht die Verantwortung genommen, sich selbst situativ zu entscheiden, was wiederum auf die Bedeutung eines professionellen Habitus hinweist. KPG liefert – und darin besteht eine enorme Erleichterung – einen Rahmen, in dem diese fachliche Auseinandersetzung strukturiert, fundiert und damit nachvollziehbar erfolgen kann. Verschränkung von Theorie und Praxis Die Publikation ›Kooperative Prozessgestaltung‹ wurde als Lehrbuch konzipiert mit dem Anspruch, Studierende und praktisch tätige Personen zu erreichen sowie als Nachschlagwerk zu fungieren (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:18). Praktikerinnen und Praktiker sollen im Stande sein, die Methodik nachzuvollziehen und anzuwenden. Ebenso muss sie einer genaueren Überprüfung im Diskurs standhalten, und dem state of the art gerecht werden. Eine Ausgewogen40