Hochuli Freund 31.7.17 S. 35 Anforderungen an professionelles Handeln Bei Michel-Schwartze wird von vier verschiedenen Arbeitsebenen ausgegangen, auf denen man sich gleichzeitig bewegt. »Das Ziel der reflektierten und systematischen Fallarbeit soll erreicht werden durch die Konstatierung von vier Handlungsebenen, die nicht – wie Arbeitsschritte – aufeinander folgen, sondern parallel ablaufen.« (2009:133) Es wird zwischen den Ebenen der Informationssammlung, der Diagnose/Problem- und Ressourcenanalyse, der Intervention sowie der Evaluation unterschieden (vgl. 2016:250). Für ihren Arbeitsprozess gibt es keine Darstellung (im Sinne einer Visualisierung des Modells), möglicherweise auf Grund der Gleichzeitigkeit der Ebenen. Das Modell scheint inhaltlich zunächst alle Anforderungen in irgendeiner Form zu berücksichtigen, insbesondere die Kooperation und der Einbezug verschiedener Sichtweisen wird immer wieder angesprochen. Gleichzeitig sind die Ausführungen jeweils sehr kurz und es bleibt etwas diffus, wie genau das Handeln auf den Ebenen geplant und strukturiert wird. Auch die Grundhaltung und Strukturmerkmale fliessen eher implizit ein. Speziell bei der Ebene der Diagnose/Problem- und Ressourcenanalyse sind sehr viele Aspekte enthalten (z. B. Analyse, Zielsetzung, Fallverstehen), die aber nur kurz gestreift werden. Insgesamt bleibt das Vorgehen nach dem Modell zu offen und es wird nicht vertieft genug dargelegt, welche Schritte wann zu vollziehen sind bzw. wie das Nebeneinander der Ebenen konkret berücksichtigt und ausgestaltet wird. Beim Verlaufsmodell von Martin (siehe Abb. 7) gibt es die vier Schritte – Analyse, Planen, Handeln und Auswerten –, denen weitere Teilschritte/Tätigkeiten zugeordnet sind (vgl. 2005:57–62). Auch darin sind die meisten Anforderungen enthalten, jedoch ist die Kooperation kaum bzw. nur beim Handeln enthalten und auf die Strukturmerkmale oder Grundhaltung wird nur am Rande eingegangen. Ansonsten werden punktuell immer wieder konkrete Hinweise gegeben worauf es bei den einzelnen Tätigkeiten ankommt, wobei insgesamt nicht genau genug hervorgeht, wie diese im gesamten Prozess miteinander verknüpft und strukturiert werden. Die systemorientierte Sozialpädagogik nach Simmen et al. setzt die soziale Eingebundenheit der Klientinnen und Klienten besonders in den Fokus und misst daher der Vernetzung und Kooperation einen hohen Stellenwert bei (vgl. 2010:21). Der Leitfaden zu einer prozessorientierten Systemvernetzung enthält fünf zirkuläre Teilschritte (siehe Abb. 8). Nach der Orientierung, bei der die Situation erfasst wird, werden theoriebasierte Deutungen vorgenommen und es wird entschieden, was verändert werden soll. Anschliessend wird eine Planung vorgenommen sowie diese umgesetzt und kontrolliert. Während des gesamten Prozesses wie auch zum Abschluss findet eine Auswertung statt (vgl. ebd.:56– 61). An diesem Modell ist v. a. zu kritisieren, dass die inhaltlichen Ausführungen zu den Schritten sehr minimal sind und auf nur wenigen Seiten abgehandelt werden. Auch bildet die Grafik die Kooperation und Koproduktion beispielsweise nicht ab. 35