Evaluation im Verlaufe eines Unterstützungsprozesses ist eine künstliche, bewusst organisierte Pause. Solche Unterbrechungen ermöglichen es, für einen Moment aus der Eigendynamik von Prozessen auszusteigen, Abstand zu gewinnen, einen Fall – und das eigene Handeln darin – neu anschauen zu können. Eine Fremdevaluation hingegen erlaubt einen kritischen Blick von außen auf die Praxis in einer Organisation und ermöglicht auf diese Weise Distanz. Solche ›Unterbrechungen‹ können auf verschiedenen Ebenen und in verschiedener Zusammensetzung erfolgen, stets aber brauchen sie institutionalisierte Gefäße. Auf der Fachebene sind dies beispielsweise Fallbesprechungen, Intervisionen oder – nach Abschluss eines Falles – Fallrückblicksitzungen. Ein Gefäß für die Auswertung zusammen mit der Klientin ist das Beratungs- oder Bezugspersonengespräch. Das Standortgespräch bzw. die Hilfekonferenz ( Kap. 12) sind Möglichkeiten für die gemeinsame Evaluation mit allen Fallbeteiligten (z. B. Eltern, Behörden, weiteren Hilfesystemen). Grundsätzlich ist es Aufgabe der Organisation, solche Gefäße zu etablieren, und Aufgabe der Professionellen, sie zu nutzen und zu gestalten. Evaluation braucht eine Datengrundlage. »Jegliche Form der (Selbst-)Evaluation lebt von der Qualität der Datenerhebung«, hat von Spiegel (1994:39) festgehalten. Erforderlich ist eine systematische Beschreibung des eigenen professionellen Handelns, eine kontinuierliche zielgerichtete schriftliche Dokumentation des Unterstützungsprozesses (in Form von Protokollen, Akteneinträgen, u. a., vgl. z. B. Müller 2017:176 ff.). Fallbezogene Evaluation ist also angewiesen auf eine sorgfältige Dokumentation der vorangegangenen Prozessschritte. Zugleich wird auch die Evaluation dokumentiert (bei einem Fallabschluss z. B. in Form eines Abschlussberichts). 14.3 Vorgehen Fallbezogene Evaluation meint ›die Beschreibung und Bewertung von Ausschnitten des eigenen alltäglichen beruflichen Handelns und seiner Auswirkungen nach (selbst)bestimmten Kriterien‹, haben wir eingangs unter Bezugnahme auf König (2007:41) festgehalten ( Kap. 14.1). Ein allgemeingültiges, geschlossenes Konzept zur fallbezogenen Evaluation durch die Professionellen – das in jedem Fall anzuwenden wäre – gibt es in der Sozialen Arbeit nicht. Wohl aber finden sich in der Literatur Kriterien für die fallbezogene Auswertung des professionellen Handelns. Systematisiert nach dem Modell Kooperativer Prozessgestaltung sollen diese ausführlich dargestellt werden. Zunächst jedoch wird kurz dargelegt, wer an einer Evaluation beteiligt ist, wann diese angesetzt werden soll und welche methodischen Hilfsmittel es gibt. 14.3.1 Zeitpunkte, Beteiligte und Hilfsmittel Bereits die Darstellung im Prozessmodell legt nahe, dass die Evaluation den Abschluss eines Unterstützungsprozesses bildet. Eine Auswertung wird