Es sind Tätigkeitsbereiche, in denen professionelles Handeln im Zusammenhang von Begleitung, Erziehung und Beratung im Rahmen einer unmittelbaren und nicht nur kurzfristigen Beziehung stattfindet, d. h. in denen die Arbeit in und an zwischenmenschlichen Beziehungen im Vordergrund steht (vgl. Lotz 2003:16). Aufgabe der Sozialen Arbeit ist dann weniger das Bereitstellen von Informationen und Ressourcen mit dem Ziel der Veränderung der Lebenssituation, sondern vielmehr die Unterstützung der Veränderung der Person und ihrer Lebensweise. Ermöglicht werden soll das durch einen besonderen Typus persönlicher Interaktion: durch die professionelle Beziehung. Bommes/Scherr merken kritisch an, der Beziehungsaspekt erhalte bei einem solchen Zugang Vorrang vor den Kommunikationsinhalten (vgl. 2000:215). Auch Winkler (1988) äußert sich skeptisch hinsichtlich der Bedeutung der professionellen Beziehung und betont demgegenüber die Gestaltungsnotwendigkeit des pädagogischen Ortes. Lenz/Nestmann (2012) hingegen setzen den Fokus auf die persönliche Beziehung und haben in ihrem Handbuch den Stand des Diskurses bezogen auf verschiedene sozialen Kontexte zusammengefasst. Tiefel/Zeller (2012) verweisen auf den Stellenwert von Vertrauensprozessen in der Sozialen Arbeit. Auch in der Nachbarsprofession der Psychotherapie ist die hohe Bedeutung einer (therapeutischen) Arbeitsbeziehung in Hinblick auf persönliche Veränderungsprozesse unbestritten; dieser Wirkfaktor sei in der Psychotherapieforschung einer der empirisch bestabgesicherten allgemeinen Wirkfakoren, so Gahleitner (2017:138). Für die meisten Professionellen der Sozialen Arbeit steht außer Frage, dass eine gute Beziehung zur Klientin die entscheidende Voraussetzung für ein Gelingen des Hilfeprozesses darstellt. Psychosoziale Fachkräfte verfügten oft über einen großen Erfahrungsschatz, oftmals aber falle es ihnen aufgrund des Handlungsdrucks und auch der Komplexität des Arbeitsalltags schwer, das Erfahrungswissen systematisch an Theoriebestände zurückzubinden, stellt Gahleitner (2019:23) dazu fest. Heiner (vgl. 2010:459) konstatiert, das Wesen und die Qualität der Beziehung erscheine so schwer fassbar, so individuell und situationsabhängig, dass die Beziehungsarbeit oft als nicht planbares Element eines methodisch reflektierten Handlungsprozesses gesehen werde. Sie betont, es ließen sich theoretisch sehr wohl einige charakteristische Merkmale der Beziehung zwischen Professionellen und Klientinnen benennen. Nach Heiner sind insbesondere Merkmale im Sinne von konstitutiven Rahmenbedingungen. Diese Rahmenbedingungen einer Arbeitsbeziehung sollen zunächst dargelegt werden. Anschließend wird untersucht, welche theoretischen Beziehungskonzepte in Sozialarbeit und Sozialpädagogik entwickelt worden sind, und es werden ausgewählte Beziehungskonzepte – ältere ebenso wie neue – vorgestellt. 5.1.1 Rahmenbedingungen Die Kontextbedingungen in der Sozialen Arbeit prägen die Möglichkeiten der Ausgestaltung der Arbeitsbeziehung zwischen Professionellen und Klientinnen maßgeblich. Diese sollen im Folgenden erörtert werden.