7.2 Prozessmodell als Struktur Im Folgenden wird dargelegt, dass Prozessmodelle in der Sozialen Arbeit eine angemessene Antwort sind auf das Strukturmerkmal der sehr geringen Standardisierbarkeit, bevor das Prozessmodell eingeführt wird, das dem Konzept Kooperative Prozessgestaltung zu Grunde liegt. 7.2.1 Notwendigkeit eines methodisch strukturierten Vorgehens Wie in allen Professionen stehen auch in der Sozialen Arbeit weder Rezepte noch Technologien zur Verfügung, mit denen bestimmte Wirkungen – Entwicklungsschritte bei Klientinnen, Veränderungen in Systemen – hergestellt werden könnten. Auch die eine Methode in der Sozialen Arbeit gibt es nicht. Wir sind an mehreren Stellen bereits auf dieses Strukturmerkmal der sehr geringen Standardisierbarkeit des professionellen Handelns eingegangen (zuletzt bei Abb. 4). Dieses Strukturmerkmal führt nicht etwa zum Verzicht auf Planung und Einsatz von Methoden, sondern begründet im Gegenteil deren Notwendigkeit: Ein strukturiertes Vorgehen, bei dem innerhalb eines Orientierungsrahmens für das Denken und Handeln fallbezogen unterschiedliche Methoden für die Gestaltung der Unterstützung von Klienten genutzt werden, ist unabdingbar, um die strukturelle Ungewissheit – worum es in einem Fall überhaupt geht, was zu tun und was auch zu lassen ist – so weit wie möglich reduzieren zu können. Eine weitere Begründung für die Notwendigkeit eines methodisch strukturierten Vorgehens lässt sich aus Abbildung 4 ableiten: Aus dem Strukturmerkmal der Involviertheit als ganze Person. Die Tatsache, dass die Person des Sozialarbeiters im Prozess des Unterstützungshandelns das Arbeitsinstrument ist, verweist einerseits auf große Chancen: Das berufliche Erfahrungswissen und die eigenen Emotionen können genutzt werden, um zu verstehen, worum es dem Klienten geht und was ihm Schwierigkeiten bereitet. Insbesondere können Gegenübertragungsgefühle ein Schlüssel sein, um die emotionale Befindlichkeit eines Klienten zu erfassen ( Kap. 5.1). Nicht erkannte Gegenübertragungsgefühle und eigene biografische Kränkungen allerdings können den Blick massiv trüben oder verstellen, ebenso unreflektierte berufliche Erfahrungen und daraus abgeleitete Einstellungen (›schon wieder so eine unzuverlässige und egozentrische Mutter – sie wird sicherlich nie in der Lage sein, für ihr Kind adäquat zu sorgen‹). Ein fachlicher Orientierungsrahmen, der die Reflexion des eigenen Denkens und Handelns in Unterstützungsprozessen strukturiert und fördert, ist die Antwort auf diese Involviertheit. Begriff ›Kooperative Prozessgestaltung‹ Für dieses methodisch strukturierte Vorgehen, das erforderlich ist, wurden und werden in der Sozialen Arbeit unterschiedliche Begriffe verwendet. Im