diese z. T. ins Zentrum rücken (wie z. B. Strukturale Hermeneutik, Fallrekonstruktion), erfüllen sie eine wichtige Anforderung an professionelles Handeln: Erst auf der Grundlage eines vertieften Verständnisses des Falls können Überlegungen zu möglichen Interventionen angestellt werden, die in direktem Bezug zu den gewonnenen Erkenntnissen stehen. Der professionelle Standard der Kooperation mit Klientinnen wird z. T. sehr begrenzt (Strukturale Hermeneutik, Fallrekonstruktion) eingehalten, die drei anderen vorgestellten Methoden ermöglichen die Kooperation in bestimmten Bereichen. Dabei fällt auf, dass bei diesen drei Methoden die Diagnose zwar nicht ausgehandelt, das Ergebnis der Diagnose aber kommuniziert wird und mit den Klienten die nächsten Schritte besprochen werden. Das Theoriegeleitete Fallverstehen hebt sich insofern etwas ab, als es mit der Formulierung einer handlungsleitenden Arbeitshypothese den Blick in die Zukunft (Ziele, Intervention) richtet, und außerdem methodisch überlegt wird, wie die Erkenntnisse in den dialogischen Verständigungsprozess mit Klienten eingebracht und die von diesen für hilfreich erachteten Erklärungen aufgenommen und berücksichtigt werden. Damit gibt diese Methode vor, nach der Suche von theoriegeleiteten Erklärungen, bei der man sich auf der direkten Kooperationsebene – aber nicht gedanklich – von der Klientin etwas entfernt hat, ganz bewusst wieder eine Bewegung zur Klientin hin zu machen. Die Kooperation auf der Ebene der Professionellen wird sehr unterschiedlich gesucht. Während Objektive Hermeneutik dies nur sehr bedingt vorsieht, kann Fallrekonstruktives Arbeiten kooperativ erfolgen, wobei beide Methoden voraussetzen, dass Professionelle in die hermeneutische Kunstlehre eingeführt worden sind. Die drei andern Methoden werden ausschließlich in Kooperation auf der Fachebene realisiert, und wenn zunächst einzelne Professionelle daran arbeiten – wie dies z. B. beim Theoriegeleiteten Fallverstehen möglich ist – werden die gewonnenen Erkenntnisse in den gemeinsamen Diskurs eingebracht und einer intersubjektiven Überprüfung unterzogen. Bei allen Methoden ergibt sich in diesem Zusammenhang die Aufgabe, die diagnostischen Erkenntnisse im interprofessionellen Kontext zu vertreten, was irritieren kann (vgl. Goblirsch et al. 2007:236), aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dazu führen wird, dass die Sozialarbeiterinnen von Vertretern anderer Disziplinen auch in der Diagnose-Kompetenz ernst genommen werden. Zwei Methoden können in allen Praxisfeldern eingesetzt werden (Theoriegeleitetes und Fallrekonstruktives Arbeiten). Die narrativbiografische Diagnostik ist speziell für den Bereich der stationären Jugendhilfe entworfen worden, die sozialpädagogisch-hermeneutische Methode beschränkt sich – wie die Bezeichnungen der beiden unter diesem Begriff figurierenden Methoden aussagen – auf die stationäre Jugendhilfe sowie auf Familienhilfe, während Strukturale Hermeneutik, wenn überhaupt, in der Einzelfall- und Familienhilfe zur Anwendung kommen kann. Die meisten Methoden sind, vor allem bei wenig Übung, sehr aufwändig. Geht man davon aus, dass Diagnose eine zentrale Aufgabe in der Prozessgestaltung darstellt, in der sehr viel Komplexität zu bewältigen ist, erstaunt dies nicht. Vielmehr ist die Tatsache, dass die Wichtigkeit einer aufwändigen Diagnose für die Erfassung der Komplexität eines Falles erkannt wird, als Ausdruck einer zunehmenden Professionalisierung in der Sozialen Arbeit zu werten ( Abb. 23).