Sozialpädagogisch-hermeneutische Diagnose geschieht im Team unter gleichberechtigten Sozialpädagoginnen. Die festgestellten Thematiken und zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben weisen die Form von Arbeitshypothesen auf, die in der Arbeit mit den Jugendlichen überprüft und nötigenfalls revidiert werden sollen. Sozialpädagogische Familiendiagnose Diese Methode beschäftigt sich vornehmlich mit der Frage der Bewältigung des Familienalltags und der Kindererziehung und fokussiert auf die Analyse der aktuellen Problembelastungen im Eltern-System und Eltern-KindSystem (vgl. Uhlendorff et al. 2006:174). Auf der Grundlage von ausgewählten familientheoretischen Ansätzen (Mollenhauer, Brumlik, Wudtke 1975) und erweitert durch Care-Ansätze, die die grundlegenden Funktionen einer Familie bezeichnen (wie z. B. Tronto 2000, Conradi 2001), haben Uhlendorff et al. in der Form eines Manuals einen Raster an familialen Alltagsdimensionen, möglichen Konfliktlinien und Aufgabenstellungen erarbeitet, den sie in einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung mit 77 Familien empirisch überprüften. Sozialpädagogische Familiendiagnose rekurriert auf 12 Selbstdeutungsmuster (wie z. B. Biografische Leidensmuster), die auf 16 eltern- bzw. erwachsenenbezogene Konfliktthemen aus Sicht der Eltern hinweisen. Im Sinne von Unterstützungsmöglichkeiten sind fünf Hilfethematiken (wie z. B. Wie erziehen wir unsere Kinder?) abgeleitet und sechs familiäre Aufgabentypen (wie z. B. Überlastungsfamilien: Mütter entlasten, familiale Aufgaben neu verteilen) im Sinne von ›Muster-Hilfeplänen‹ entwickelt. Die eigentliche Diagnose besteht in der Durchführung von narrativen Interviews mit allen Angehörigen einer Familie durch Professionelle eines Sozialdienstes sowie einer ersten Klassifizierung signifikanter Mitteilungen entlang der 12 Selbstdeutungsmuster. Die eigentliche Auswertung findet in einem Team von Wissenschaftlern und Sozialarbeiterinnen statt, indem anhand des Diagnosemanuals zentrale Familienthemen und Problemstellungen herausgearbeitet werden. Abschließend wird mit der Klientenfamilie eine sozialpädagogische Aufgabenstellung entwickelt, die in der Form eines ausgehandelten und gemeinsam vereinbarten Begleitungsplans zur Unterstützung des betreffenden Familiensystems beitragen soll. 10.3.5 Systemmodellierung Mit Systemmodellierung wird eine Diagnosemethode bezeichnet, die in den letzten Jahren auf der Grundlage eines theoretischen Konzepts im Rahmen von Forschungsprojekten an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt wurde (vgl. Sommerfeld et al. 2011; Hollenstein 2010; Dällenbach/Rüegger/Sommerfeld 2013). Theoretischer Hintergrund ist zunächst die ›Synergetik‹ als Forschungsrichtung, die Prozesse von Selbstorganisation in komplexen dynamischen Systemen zu beschreiben und zu erklären versucht. Dazu entwickeln die Autoren eine forschungsbasierte Theorie Sozialer Arbeit mit