Hochuli Freund 31.7.17 S. 248 Teil 3 Fallarbeit mit KPG lich R.s beruflicher Integration suchen. Danach werde ich einen Fragebogen erstellen, um damit in einem zweiten Schritt im Rahmen eines formellen Erkundungsgesprächs mit R. strukturiert die fehlenden Informationen zu beschaffen. Der Fragebogen soll in der Organisation in Zukunft als allgemeines, in jedem Fall anwendbares Instrument zur Ermittlung des Standes der beruflichen Integration dienen können und umfassende Fragen zu schulischer Bildung, bisherigen Berufserfahrungen und Berufsfindungsprozess beinhalten. In einem dritten Schritt werde ich ergänzend telefonisch Kontakt mit dem IV-Berater und der Ansprechperson von R. im BIZ aufnehmen, um die Informationen zum Stand von R.s Prozess abzusichern. Umsetzung Wie geplant befasste ich mich zunächst mit dem Aktenstudium und fokussierte mich dabei ausschliesslich auf Informationen zur beruflichen Integration. Es wurde deutlich, dass mit R. in der Organisation nie eine berufliche Anamnese erhoben worden ist. In den ersten eineinhalb Jahren wurden keine Informationen zu R.s beruflicher Situation schriftlich festgehalten, Einträge dazu sind erst ab dem Zeitpunkt vorhanden, als ich die Bezugspersonenarbeit mit R. vor ca. neun Monaten übernommen habe. Ich entwickelte einen allgemeinen Fragebogen zur beruflichen Anamnese, der 19 Fragen beinhaltet: Fragen zur Schulbildung und Arbeitserfahrung, zu Berufswünschen, Ressourcen und Defiziten. Der Fragebogen für R. enthielt darüber hinaus auch Fragen zum Berufsfindungsprozess in anderen Hilfesystemen (BIZ, IV) sowie zur Freiwilligenarbeit. Der Fragebogen wurde im Qualitätsmanagementsystem der Organisation abgelegt und ist nun für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Instrument zur beruflichen Situationserfassung zugänglich. In der Arbeit mit R. schien es mir angebracht, ihn zunächst über die neue Arbeitsweise mit dem KPG-Modell zu informieren – weil es ungewohnt sein wird und weil R. kognitiv in der Lage ist, dies zu verstehen. An Hand einer Visualisierung des Modells erläuterte ich ihm, wie dieses aufgebaut ist, wie damit sein Berufsintegrationsprozess strukturiert werden kann und wir ihm optimale professionelle Unterstützung dabei bieten können. Weiter machte ich R. das Angebot, diesen Prozess als eine Art ›Neustart‹ zu gestalten, damit seine zunehmende Unverbindlichkeit und die damit verbundenen Unstimmigkeiten zwischen uns in den letzten Wochen den neuen Prozess nicht als sog. ›Altlasten‹ beeinflussen. R. konnte den Informationen und Erklärungen gut folgen und sie schienen für ihn nachvollziehbar zu sein. Er zeigte sich v. a. bezüglich der Idee des Neustarts begeistert und erleichtert. Eine Woche später wurde das formelle Erkundungsgespräch mittels des Fragebogens zur beruflichen Situationserfassung durchgeführt. Sowohl R. als auch ich hatten einen ausgedruckten Fragebogen, und wir arbeiteten ihn Punkt für Punkt gemeinsam durch. Bei fast jeder Frage ergaben sich spannende Diskussionen. Obwohl auch R. seine Antworten selber auf dem Fragebogen festhielt, hän248