positive Gefühle von Sympathie, Vertrauen und Zuneigung, welche die Wandlung von Gefühlen und Gedanken ermöglichen. Viele Klienten bringen tief verwurzelte negative Autoritätserfahrungen mit sich, die durch eine überzeugende neue Erfahrung mit einer positiven Autorität außer Kraft gesetzt werden müssen (wobei die Tatsache, dass Klientinnen die Sozialarbeiterin als Autoritätsperson erleben, für Bang keinen Widerspruch zur partnerschaftlichen Ausrichtung der Beziehung bedeutet, vgl. ebd.:143, 147). Das Wort der Sozialarbeiterin erhält für den Klienten nun Gewicht, er kann ihre Art zu denken, zu fühlen und zu handeln als Möglichkeit für sich in Betracht ziehen (vgl. ebd.:122 f.). Dieser Identifizierungsprozess ist für Bang Kennzeichen einer Arbeitsbeziehung (vgl. ebd.:131). Bang verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Phänomen der Übertragung, insbesondere hinsichtlich der negativen Auswirkungen auf die helfende Beziehung. Haben Menschen in der Kindheit sehr negative Erfahrungen mit Autoritätspersonen gemacht, so wird die als Autorität empfundene Sozialarbeiterin die gleichen ablehnenden Gefühle und entsprechend destruktive emotionelle Reaktionen im Klienten auslösen wie die früher erlebten Autoritäten. Deshalb werden negative Spannungen in die Interaktion der helfenden Beziehung hineingetragen – im Übrigen von beiden Beteiligten (vgl. ebd.:151). Nicht erkannte Übertragungen wirken sich sehr erschwerend auf das emotionelle Angebot und auf die akzeptierende Haltung aus, sie sind die Ursache für viele Missverständnisse und Kränkungen. Wenn die Sozialarbeiterin jedoch die Fähigkeit entwickelt Übertragungsvorgänge zu erkennen und realisiert, dass Angriffe nicht ihr persönlich gelten, dann wird der Weg frei für das wirklich Persönliche zwischen den beiden Interaktionspartnern. Übertragungen sieht Bang im Übrigen auch als Chance für das diagnostische Denken, indem sie für das Verstehen der betreffenden Persönlichkeit genutzt werden könnten (vgl. ebd.:151 f., Kap. 9.3). Bestandteil der letzten Phase des Hilfeprozesses ist es, die helfende Beziehung in konstruktiver Weise auslaufen zu lassen. Voraussetzung dafür ist, dass die Sozialarbeiterin von Anfang an die Art und den Sinn der beruflichen Beziehung darlegt, u. a. ihre zeitliche Begrenzung und ihre Zweckgebundenheit (vgl. ebd.:129). Die unter Kapitel 5.1.1 genannten Rahmenbedingungen sind also bereits bei Bang ein wichtiger Bezugspunkt. Elemente eines Arbeitsbündniskonzepts bei Müller Müller setzte sich u. a. in seinem 1991 erschienenen Buch ›Die Last der großen Hoffnungen. Methodisches Handeln und Selbstkontrolle in sozialen Berufen‹ mit professionellem Handeln in der Sozialen Arbeit auseinander, das im Rahmen einer Beziehung stattfindet. Er fokussiert dabei den Aspekt der Selbstreflexion der Professionellen. Zunächst setzt sich Müller auseinander mit der Arbeit von Goffmann, der das sog. Dienstleistungsmodell als Raster zur kritischen Analyse der Arzt-PatientBeziehungen in der Psychiatrie nutze. Goffmann interpretiere ärztliches Handeln als eine historisch gewachsene Form von Experten-Dienstleistung. Bei einem Dienstleistungsverhältnis geht es um ein Dreiecksverhältnis: »Praktiker, Objekt, Eigentümer« (Goffmann 1973:309, zit. in Müller 1991:43). Der Praktiker tritt nach Goffmann in eine Beziehung einerseits zum Objekt, zu einer reparierungsbedürftigen Sache, und zu einem