Hochuli Freund 31.7.17 S. 75 KPG als Beitrag zum ethischen Handeln in der Sozialen Arbeit Als ethische Entscheidungen bezeichnet Habermas diejenigen Problemstellungen, bei denen über das Ziel einer Handlung entschieden werden muss. Denn beim Abwägen unterschiedlicher Ziele schwingen Fragen mit wie: • »Wer und wie bin ich?« • »Was für ein Leben will ich führen?« Ethische Entscheidungen orientieren sich an Werten, und ihr zentrales Kriterium ist die Frage nach dem Guten (vgl. ebd.:101). Eine ethische Qualität erhält die Diskussion in der Wohngruppe, wenn die Frage aufgeworfen wird, ob denn gesundes Essen tatsächlich ein erstrebenswertes Ziel sei oder ob nicht lieber die Bequemlichkeit als Zielsetzung im Vordergrund stehen sollte, sodass Fast-Food als pragmatische Erfüllung dieses Ziels dienen könnte. Schliesslich kommt Habermas als drittes zu den moralischen Entscheidungen, die immer dann zu treffen sind, wenn Handlungen die legitimen Interessen anderer tangieren. Bei moralischen Fragen geht es um die Symmetrie in menschlichen Beziehungen, in denen alle Beteiligten denselben Anspruch auf Achtung ihrer Würde und Integrität haben (vgl. ebd.:106). Da jeder Mensch auf Grund seiner Sozialisation eine einzigartige moralische Prägung aufweist, kann eine Entscheidung, die auf subjektivem Moralempfinden Einzelner basiert, den potenziellen zwischenmenschlichen Konflikt nicht verhindern. Notwendig ist stattdessen, die Berufung auf allgemeingültige moralische Maximen, mit denen sich alle Beteiligten einverstanden erklären können (vgl. Kant 2016:61). Die Frage danach, was zu tun sei, verwandelt sich in die Frage danach, was man in dieser Situation tut (vgl. Habermas 2015:107f.). Als zentrales Kriterium moralischer Entscheidungen bezeichnet Habermas die Frage nach dem Gerechten (vgl. ebd.:101). Wenn sich also auf unserer betreuten Wohngruppe eine Person vegetarisch ernährt, dann muss in die Entscheidung für oder gegen Fast-Food die Überlegung einfliessen, was denn für alle Anwesenden gut und gerecht ist. Die Entscheidungsfreiheit der Gruppe ist auf Grund des Anspruchs auf Achtung der Integrität aller Beteiligter eingeschränkt auf das moralisch Richtige. Aus den Ausführungen von Habermas wird deutlich: in der Sozialen Arbeit sind wir mit allen drei Entscheidungssituationen konfrontiert. Allerdings befasst sich Soziale Arbeit qua Professionsauftrag ganz zentral mit dem Wohlergehen und der Lebensqualität anderer. In der Fall- oder Klientenarbeit geht es daher immer um die Interessen anderer und damit um moralische Entscheidungen. Und so schliesst sich auch der Kreis hinsichtlich der Frage danach, was denn Moral, Ethik und Professionalität miteinander zu tun haben: Professionen beschäftigen sich gemäss der Mehrzahl der wissenschaftlichen Konzeptionen immer mit existenziellen Problemen einzelner, die gleichzeitig fundamentale 75