Hochuli Freund 31.7.17 S. 156 Teil 2 Arbeitsfeldspezifische Konkretisierungen und Arbeitsmaterialien tiv kann für jeden Bereich eine eigene Netzwerkkarte angefertigt werden. Das Familiensystem wird zudem mit einem Genogramm abgebildet und von den Klienten kann damit eine Bewertung der Qualität der Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern vorgenommen werden (vgl. ebd.:189–191). Zur Auseinandersetzung mit der eigenen Zukunftsperspektive können die Klientinnen zu ihrer Zufriedenheit mit der aktuellen Wohnsituation sowie ihren konkreten Wünschen und Vorstellungen in Bezug auf eine künftige Wohnsituation befragt werden. Dazu werden verschiedene kreative Methoden sowie meist einzelne Fragen des Instruments ›Schöner Wohnen‹ von Gronmann/Niehoff (2003) verwendet. Hospitationen, Kurzzeitaufenthalte Im Rahmen einer Kooperativen Bedarfsermittlung besteht auch die Möglichkeit, den Austausch mit anderen Klienten zu suchen und sich durch Hospitationen oder Kurzzeitaufenthalte selbst einen Eindruck von den verschiedenen Wohnangeboten zu verschaffen und zu überlegen, ob die eigenen Klienten sich auf diese Weise angemessen begleitet fühlen würden. Bei einem Kurzzeitaufenthalt wird auch eine detailliertere Einschätzung des Hilfebedarfs in Bezug auf die Grundpflege und -versorgung durch die dortigen Fachkräfte vorgenommen (was gerade für die Wohnempfehlung wichtig ist und sich allein über Gespräche und Beobachtungen bei den Treffen nur schwer einschätzen lässt). Auswertung der Analyse und Fallverstehen im KB-Team Nach der Durchführung der Analyse wird im KB-Team eine strukturierte Auswertung der dabei gewonnenen Daten vorgenommen. Die mit jedem Instrument erhobenen Einschätzungen – vorwiegend der Klientinnen selber – werden ausgewertet. Es werden feststellende Hypothesen gebildet, d. h., es wird festgehalten, was bei Betrachtung dieser Daten auffällt, ohne dass aber eigene Interpretationen vorgenommen werden (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:180f.). Über den gesamten Prozess einer Bedarfsermittlung werden Treffen, weiterführende Informationen, Zeitaufwand und Anmerkungen zur Zusammenarbeit in einer Verlaufsdokumentation festgehalten. Diese Dokumentation kann ebenfalls zur Bildung feststellender Hypothesen genutzt bzw. unterstützend hinzugezogen werden. Es werden also auch Beobachtungen und Einschätzungen der fallführenden Fachkraft, die sie aus der Zusammenarbeit mit einem Klienten gewinnt, genutzt. Wenn mit den Instrumenten und in den gemeinsamen Treffen alle relevanten Informationen erfasst und die darauf bezogenen feststellenden Hypothesen formuliert sind, wird auf dieser Basis die Fallthematik gebildet. Diese enthält in komprimierter Form die wichtigsten Informationen und Erkenntnisse zur Frage »Worum geht es in diesem Fall?« (vgl. ebd.). Die Fallthematik stellt die Quintessenz der Analyse dar und bildet die Grundlage für die soziale Diagnose. 156