273 Zeitweise ist die Lebensfreude massiv beeinträchtigt: „Und manchmal habe ich keinen freien Kopf bekommen. Die Geschichte von Sarah, diesem stark traumatisierten Mädchen, hat bei mir einen inneren Schutzmantel zerstört. Da ging es mir überhaupt nicht gut. Ich habe ganz langsam versucht, Abstand zu kriegen auch über die Zeit. Ich musste mich länger zurückziehen. Ich brauche langes Regenerieren und einen Ansprechpartner zu Hause.“ Der Kopf ist okkupiert: „Ich hatte Phasen, in denen ich nichts anderes lesen konnte als Bücher über Missbrauch. Da fing es dann an, nicht mehr gesund zu sein.“ Das Gefühl der eigenen Sicherheit leidet durch das Wissen um das Ausmaß traumatischer Gewalt gegen Kinder: „Stellenweise war ich fanatisch: Hinter jedem Busch lauern Verbrecher, der unsicherste Platz für ein Kind ist in der Familie.“ Pädagog*innen sind auch von stellvertretender, auch sekundärer Traumatisierung oder sekundärem traumatischen Stress betroffen.15 B. Hundnall Stamm definiert sekundären traumatischen Stress als natürliche, konsequente Verhaltensweisen und Emotionen, die durch das Wissen entstehen, dass ein „[…] anderer Mensch ein traumatisches Ereignis erlebt hat. Diese Art von Stress entwickelt sich, wenn wir traumatisierten oder leidenden Menschen helfen oder helfen wollen. Somit ist sekundäre Traumatisierung eine Traumatisierung von Menschen, die mit den Primär-Trauma-Opfern in Kontakt sind.“ (Zit. n. Hedi Gies: Sekundäre Traumatisierung und Mitgefühlserschöpfung, https://institut-trauma-paedagogik.de, Abfrage 01.09.2023) 15 Beide Begriffe meinen hier die Folgen des Kontaktes von Menschen, die traumatisierte Menschen unterstützen. Gemeint sein können auch die Beschädigung durch Interventionen von Bezugspersonen, die Gefühle aus dem traumatischen Erleben reaktivieren (vgl. Jegotka 2013).