175 heilsame Prozesse entsteht. […] Hier geht es um einen anderen Sachverhalt als um juristische Wahrheiten. Bezeugt wird, was wir in der Gruppe gespürt haben: Mitgefühl, Trauer, Hoffnung, Freude über Ausgesprochenes und neue Erschütterung über diese und jene Wahrheit. Zugehörigkeit zu den gleichgesinnten Expertinnen, Loyalität und Solidarität wurden als anwesende Wirklichkeit bezeugt und darüber die Bekräftigung des inneren Glaubens an sich selbst. Letztlich hat uns ganz im traumapädagogischen Sinne eine heilende Gemeinschaft getragen.“ (Weiß et al. 2018a, S. 179) Die Anerkennung des Traumas und der Lebensleistung Für Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen spielt die Anerkennung ihres Leides und ihrer Lebensleistung eine entscheidende Rolle für die Integration ihrer Lebenserfahrungen. Geschieht dies nicht, kann sich das erschütterte Welt- und Selbstverständnis nicht erholen, sie fühlen sich weiterhin als nicht normal, nicht dazugehörig und die Abwehr und das offene Leugnen der Gewalterfahrungen als erneute Demütigung. In Anlehnung an Honneth geht es um wechselseitige Anerkennung in den Familien, Freundes- und Liebesbeziehungen, durch das Recht und soziale Wertschätzung (Honneth 2016). Anerkennung ist nichts Statisches, sie wird prozesshaft erlangt oder verweigert und wird immer wieder erkämpft werden müssen. Anerkennung hat unterschiedliche Facetten. Sie beinhaltet auch das Benennen von Unrecht (Kavemann et al. 2019, S. 64 ff.), auf das ich aus Platzgründen nicht eingehen werde. Die Folgen der Nichtanerkennung können retraumatisierend sein, sie bergen die „[…] Gefahr einer Verletzung […], die die Identität der ganzen Person zum Einsturz bringen kann.“ (Honneth 2016, S. 212 f.) Die Anerkennung des Schmerzes Die Anerkennung von Schmerz in der eigenen Lebensgeschichte ist Teil der vollständigen Entwicklung des eigenen Selbst (Grün 2016).