140 8.1 Selbst-Verstehen, Wahrnehmen und Regulieren Grundlage von Bewältigung, von Heilung ist das Verstehen der eigenen Reaktionen und des eigene Geworden Seins. Im Kontakt mit den Mädchen und Jungen habe ich immer wieder erlebt, dass gute Bindungen wichtig sind, aber nicht alles. Und ich habe gelernt, dass eine zentrale Wirkkraft traumatischer Erfahrungen das Gefühl ist, nicht dazuzugehören. „Wer ein chronisches Trauma erlitten hat, fühlt sich unwiderruflich anders oder verliert jegliches Gefühl für sich selbst.“ (Herman 1993, S. 122). Die Korrektur dieses Gefühls braucht das Verstehen. Anke Spies schrieb 2001 in ihrem Artikel Auf der Suche nach sich selbst, die Verarbeitung sexueller Gewalt als spezifischen Bildungsprozess: „Indem sie selbstzerstörerische Verhaltensmuster durchschauen und als veränderbar erkennen, können (sie, Anm. der Verf.) reflexive Fähigkeiten weiterentwickeln, Lebenswillen als zukunftsgewisses Gefühl wahrnehmen und neue Lebensqualität gewinnen.“ (Spies 2001, S. 167) Heute ist mehr denn je ein positives Selbstbild, das Gefühl, das bin ich und das kann ich, Voraussetzung für eine gelingende Lebensgestaltung. Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen konnten kein stabiles und kohärentes Selbst entwickeln. Ihr Selbstkonzept behindert sie oft und wird sie oft behindern, wenn es nicht gelingt, die eigenen Verhaltensweisen, Einstellungen, Emotionen, Erinnerungsebenen wie Rückblenden und Albträume verstehbar zu machen: „Ich hatte gelernt, dass der Versuch, die eigenen geistig-seelischen Reaktionen auf eine Erfahrung zu verstehen, psychologisch äußerst konstruktiv sein kann“ (Bettelheim 1982, S. 21) Die Unterstützung der Selbstbemächtigung, zu Stabilität und Kohäsion des Selbst beginnt mit der Förderung von Selbst-Verstehen. Mit der Förderung der Selbstwahrnehmung unterstützen die professionellen Helfer Jana und Philipp dabei, ihre Selbstregulation entwicklungsfördernd zu gestalten. Und wenn sie traumatische Erinnerungsebenen verstehen und regulieren können, werden sie ein mehr an sozialer Teilhabe erreichen. Die Lebenserfahrungen von Mädchen und Jungen in der Heimerziehung sind von wenig Selbstwirksamkeit geprägt. Sie haben