70 und Jungen am stärksten ausgeprägt, die die intensivsten Gewalterfahrungen gemacht haben: Martin ist elf Jahre alt. Nachdem eine Unterbringung in der Pflegefamilie fehlgeschlagen ist, kommt er in eine Wohngruppe. Martins Vater schlägt ihn bei Wochenendbesuchen brutal zusammen. Martin käme sowieso schon bald in den Jugendknast, so seine feste Überzeugung, die er Martin bei jedem Besuch und bei jedem Kontakt präsentiert. Der kleine schmächtige Martin versucht verzweifelt, diesem das Gegenteil zu beweisen. Er liebt seinen Vater über alles, dieser ist sein Held. In allen Familien, in denen Kinder misshandelt werden, beobachten wir eine geradezu klassische Rollenumkehr bzw. die Verschiebung der Generationsgrenzen. Die Kinder übernehmen Verantwortung für ihre Geschwister, die trinkende Mutter, den schlagenden oder abwesenden Vater. Als Fünfjährige hat Julia ihre Geschwister Michael und Sabine zeitweise ernährt und versorgt. Im Heim angekommen will Julia weiterhin die Versorgung der Geschwister organisieren, sie kann noch nicht genießen, dass sich nun Erwachsene um ihre und um die Versorgung ihrer Geschwister kümmern. Die zum Überleben in der traumatisierenden Umwelt erlernten Rollenmuster wie Rollenumkehr und Parentifizierung werden auch in der nicht gefährlichen Umgebung beibehalten. Sie verhindern noch in der geschützten Umgebung, dass kindliche Bedürfnisse und Entwicklungsziele im Mittelpunkt stehen. Die Einbindung in das Geschehen durch die Übernahme von Schuld und Verantwortung kann zu einer lebenslangen Verstrickung der Kinder führen, die verhindert, dass sie selbstbestimmte Beziehungen und eine selbstbestimmte Lebensplanung entwickeln. Bindungen können auch durch Angst geprägt sein: Angst, was passiert mit Mama oder den Geschwistern, wenn ich nicht mehr zu Hause bin. Angst, was passiert mit mir. Diese Bindungen wirken wie ein Verschluss, der korrektive Erfahrungen nicht hindurch lässt. Bei Kindern, die sehr extrem von ihren Bezugspersonen bedroht wurden, beschreiben Praxis und Forschung immer wieder eine Art