45 Verhaltensweisen wie exzessivem Masturbieren, Berührung des Geschlechtsteiles, anderes übertriebenes Interesse an sexuellen Dingen etc. ausdrückt. Kliniker haben von hochentwickelten und speziellen sexuellen Verhaltensweisen bei sexuell missbrauchten Mädchen und Jungen berichtet (Gil 1993, S. 25 ff.) Spätere sexuelle Beziehungen sind von den Erfahrungen der sexuellen Gewalt beeinflusst, ob dies die Verweigerung intimer körperlicher Kontakte ist oder die Kehrseite, die Sexualisierung sozialer Beziehungen, die Sexualität ist in höchstem Maße fremdbestimmt. Spezifisch ist auch die Verleugnung. Oft ist die Tat mit einem Geheimhaltungsgebot des Täters/der Täterin gekoppelt. In der Regel haben die Opfer dann den Eindruck, ihre Wahrnehmung stimme nicht, da sie nicht stimmen darf. Täter/Täterinnen bewegen sich gegenüber der Außenwelt – meist auch innerhalb und während des Geschehens – so, als gäbe es keinen sexuellen Missbrauch. Daraus entsteht eine Dynamik von zwei Welten. Auch die Kinder wollen den Missbrauch verleugnen und vor sich selbst geheim halten. Sie versetzen sich in Tagträume oder andere → dissoziative Zustände oder deuten das Erlebte psychisch um. Die amerikanische Psychiaterin und Professorin an der Harvard Medical School Judith Lewis Herman, eine Pionierin der Psychotraumatologie, spricht von einem Doppeldenk (1993, S. 142); Kinder, die nicht über → Abwehrmechanismen wie Abspaltung verfügen, müssen „[…] ein Sinnsystem konstruieren, das die Tat rechtfertigt“, das ist das Böse in ihnen, sie haben ein doppeltes Selbst (a. a. O., S. 145). Die amerikanischen Forscher*innen David Finkelhor und Angela Browne (1985) haben ein ‚Modell der vier traumatogenen Faktoren‘ zur Erklärung und Vorhersage sexueller Missbrauchsfolgen entwickelt: „Verrat: Das Kind muss entdecken, dass eine Person, von der es emotional abhängig ist, und der es vertraut, ihm Schaden zufügt. Das Kind wird in seinem Vertrauen zutiefst erschüttert.