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# Einleitung und Vorworte
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# Einleitung und Vorworte
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Die Einleitung und Vorworte des Lehrbuchs «Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit» von Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz führen in das Gesamtwerk ein und umreißen sowohl die Entstehungsgeschichte als auch die konzeptionellen Grundlagen des generalistischen, methodenintegrativen Handlungskonzepts für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit.
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Das Lehrbuch «Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit» von Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz fasst die Entstehungsgeschichte und konzeptionellen Grundlagen dieses generalistischen, methodenintegrativen Handlungskonzepts zusammen (Seiten 3–22).
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**Seiten:** 3–22
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**Zeilen im Quelldokument:** 1–146
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Die einleitenden Abschnitte umfassen das Vorwort zur ersten Auflage von Peter Sommerfeld (2011), das Vorwort zur fünften Auflage der AutorInnen selbst (2020), das vollständige Inhaltsverzeichnis, die eigentliche Einleitung (Kapitel 1) sowie eine terminologische Anmerkung. Zusammen bilden sie einen umfassenden Aufriss des Gesamtwerks und seiner wissenschaftlichen Verortung.
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## Die Autorinnen und das Werk
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## Die Autorinnen und das Werk
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Das Lehrbuch «Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit — Ein methodenintegratives Lehrbuch» wird von Prof. Dr. Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz verantwortet. Hochuli Freund lehrt an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz mit dem Schwerpunkt Professionelles Handeln, während Stotz dort bis 2013 als Dozent mit demselben Schwerpunkt tätig war. Das Lehrbuch ist somit unmittelbar aus der Praxis der Hochschullehre im Bereich der Sozialen Arbeit entstanden und trägt die Handschrift von Fachleuten, die über jahrzehntelange Erfahrung in Lehre, Forschung und Praxis verfügen.
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Prof. Dr. Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz verantworten dieses Standardwerk aus der Hochschullehre an der FHNW. Die fünfte, überarbeitete Auflage (2021) erscheint bei W. Kohlhammer mit Mitarbeit von Raphaela Sprenger.
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([Angaben zu den AutorInnen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-1))
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([Angaben zu den AutorInnen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-1))
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Das Werk liegt in der fünften, erweiterten und überarbeiteten Auflage aus dem Jahr 2021 vor und wurde unter Mitarbeit von Raphaela Sprenger verfasst. Es erscheint im Verlag W. Kohlhammer in Stuttgart und ist sowohl als Print- als auch als E-Book-Ausgabe erhältlich.
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([Verlagsangaben](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-2))
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([Verlagsangaben](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-2))
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Beide AutorInnen haben sich sowohl als PraktikerInnen, als Lehrende und als WissenschaftlerInnen in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens mit den Grundfragen der Professionalisierung der Sozialen Arbeit auseinandergesetzt. Diese biografisch-multiperspektivische Erfahrung hat maßgeblich zur Konzeptentwicklung beigetragen. Das Lehrbuch wurde seit der ersten Auflage 2011 kontinuierlich weiterentwickelt und ist mittlerweile ein Standardwerk im deutschsprachigen Raum für die methodische Gestaltung professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit.
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## Vorworte und Grundprinzipien
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([Angaben zu den AutorInnen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-1))
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## Vorwort zur ersten Auflage (Peter Sommerfeld)
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Der professionelle Handlungsbogen — assessment, inference, treatment — erfordert Methodisierung zur Theorie-Praxis-Integration. Die Methodenintegration bleibt durch theoretisch hergeleitete Grundprinzipien systematisch, nicht beliebig, und gilt praxisfeldübergreifend.
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Das Vorwort zur ersten Auflage wurde 2011 von Peter Sommerfeld verfasst, dem Leiter des Instituts für Professionsforschung und Kooperative Wissensbildung an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sommerfeld würdigt darin das Lehrbuch als Ergebnis einer langjährigen Auseinandersetzung der Autorin und des Autors mit den Grundfragen der Professionalisierung der Sozialen Arbeit — insbesondere den Fragen nach der Struktur, der Methodisierbarkeit und der Lehrbarkeit professionellen Handelns. Er hebt die biografisch-multiperspektivische Auseinandersetzung der AutorInnen hervor, die zu einer überaus differenzierten und facettenreichen Systematik des professionellen Handlungsbogens geführt habe.
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([Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-3))
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([Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-3))
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Sommerfeld verweist auf den von Abbott beschriebenen professionellen Handlungsbogen — «assessment, inference, treatment» —, der in seiner theoretischen Schlichtheit überzeugend, bei der konkreten Realisierung im professionellen Handeln jedoch höchst anspruchsvoll sei. Jeder einzelne Prozessschritt bedürfe unter den Qualitätsanforderungen, die an professionelles Handeln zu stellen seien, des Wissens, der Methodik, der Technik, der Instrumente und — vor allem — der kompetenten Nutzung dieser Komponenten. Dem trage dieses Lehrbuch Rechnung.
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([Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-3))
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Die Frage der Lehrbarkeit professionellen Handelns bildet dabei einen durchgehenden Bezugspunkt. Sommerfeld betont, dass die praktikable Verbindung von Theorie und Praxis im professionellen Handeln — eine Grundfrage, an der sich die AutorInnen seit vielen Jahren abarbeiten — in diesem Lehrbuch eine überzeugende Antwort findet.
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([Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-3))
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Sommerfeld betont, dass es für das professionelle Handeln unverzichtbar sei, den Gesamtzusammenhang des professionellen Prozessbogens zu kennen und konsequent zu wahren. Es erscheine ihm besonders wichtig, dass die Professionellen der Sozialen Arbeit durchgehend wissen, dass dieser Gesamtzusammenhang bestehen müsse, wenn das Prädikat «professionell» gerechtfertigt sein soll. Hinter eine solche methodische und methodisierte Fallarbeit dürfe die Soziale Arbeit nicht zurückfallen. Für Studierende sei es zentral, diesen «roten Faden» als hilfreich, notwendig und praktikabel begreifen zu können.
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([Bedeutung des Gesamtzusammenhangs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-13))
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Ein zentraler Punkt in Sommerfelds Vorwort betrifft die Notwendigkeit der Methodenintegration. Professionelle Soziale Arbeit sei keine monomethodische Veranstaltung — es reiche bei weitem nicht, eine einzige Methode zu beherrschen. Je nach Fall, Prozess und institutionellen Spielräumen seien unterschiedliche Vorgehensweisen angemessen. Das methodenintegrative Lehrbuch demonstriere auf eindrückliche Weise, dass unterschiedliche Methoden, Techniken, Instrumente und Wissensbestände integrierbar seien und in jedem einzelnen Fall zu unterschiedlichen Mixturen führen könnten.
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([Methodenintegration statt Monomethodik](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-14))
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Das besondere Verdienst der vorliegenden Methodik sieht Sommerfeld darin, dass die Methodenintegration nicht in Beliebigkeit führe. Auf der Basis theoretisch hergeleiteter Grundprinzipien bleibe der systematische Charakter der professionellen Prozessgestaltung stets erhalten beziehungsweise mindestens im Bewusstsein gehalten. Deshalb eigne sich das Konzept nicht nur für ein spezifisches Praxisfeld, sondern sei prinzipiell im gesamten Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit verwendbar.
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([Systematik durch Grundprinzipien](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-4))
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([Systematik durch Grundprinzipien](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-4))
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Von den theoretisch hergeleiteten Grundprinzipien hebt Sommerfeld insbesondere das Prinzip der Kooperation hervor, das sich auch im Titel des Buches widerspiegelt. In die Methodik sei die Grundtatsache eingelassen, dass die Problembeschreibung, die Interventionsplanung und deren Umsetzung ein koproduktives Geschehen darstellen, das ein Arbeitsbündnis voraussetzt. Das angestrebte Ergebnis könne ohne Kooperation mit Klientensystemen in der Regel nicht erzielt werden. Das Besondere am Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung sei, dass diese Grundstruktur nicht nur theoretisch im Hintergrund mitlaufe, sondern ins Zentrum der Methodik und der Überlegungen gestellt werde.
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Ein Kernprinzip ist Kooperation: Problembeschreibung, Interventionsplanung und Umsetzung sind ko-produktive Prozesse mit Klientensystemen, in denen Professionelle und Klienten gemeinsam an Lösungen arbeiten.
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([Koproduktion als Grundtatsache](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-15))
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([Koproduktion als Grundtatsache](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-15))
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Sommerfeld hebt hervor, dass auch die Kooperation von Wissenschaft und Praxis, wie sie im Institut für Professionsforschung und Kooperative Wissensbildung gepflegt werde, mit den Prozessen der Kooperation zwischen Klientin und Sozialarbeiterin vergleichbar, wenn nicht strukturhomolog sei. Eine aufgrund von Zuschreibungen und faktischen Differenzen asymmetrische Beziehung solle durch Kooperation zu Wissen über eine bestimmte Situation oder Problematik führen, das so aufgebaut sei, dass es das Handeln leiten und orientieren könne. Mit dem Lehrbuch schlügen Hochuli Freund und Stotz somit auch eine Brücke zwischen Forschung und Lehre.
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Seit 2011 wurde das Konzept kontinuierlich in Lehre und Praxis erprobt und bewährt. Die fünfte Auflage (2020) bringt Präzisierungen zu Grundlagen, professioneller Beziehungsgestaltung und Evaluation mit neuen Analysefragen und Evaluationsbeispielen.
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([Entstehungsgeschichte des Lehrbuchs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-3))
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Sommerfeld verweist darauf, dass das Lehrbuch im Kontext des Instituts für Professionsforschung und Kooperative Wissensbildung seine endgültige Gestalt gewonnen habe. Die Elemente des Buches seien im Lehrbetrieb an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz erprobt und im Testbetrieb immer weiter entwickelt und veredelt worden. Er sei sich daher sicher, dass sich das vorliegende Buch als Lehrbuch eigne und die Ausbildung vieler Professioneller der Sozialen Arbeit auf eine solide Basis stellen könne. Damit leiste es für die Professionalisierung der Sozialen Arbeit insgesamt einen wichtigen Beitrag.
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([Erprobung im Lehrbetrieb](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-16))
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Sommerfeld schliesst sein Vorwort mit dem Wunsch nach einer weiten Verbreitung und fruchtbaren Rezeption des Lehrbuchs. Er sei sich sicher, dass mit diesem Buch die Ausbildung vieler Professioneller auf eine solide Basis gestellt werden könne. Die Überlegungen, die zur Kooperation gemacht werden, könnten in beide Richtungen — hin zur professionellen wie zur wissenschaftlichen Praxis — bedeutende Anregungen geben.
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([Erprobung im Lehrbetrieb](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-16))
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## Vorwort zur fünften Auflage
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Im Vorwort zur fünften Auflage (August 2020) berichten Hochuli Freund und Stotz von den kontinuierlich positiven Rückmeldungen, die sie seit dem Erscheinen der ersten Auflage im Jahr 2011 erhalten haben. Sie stellen mit großer Zufriedenheit fest, dass sich das Konzept nicht nur in der Lehre an Hochschulen und Höheren Fachschulen im deutschsprachigen Raum etablieren konnte, sondern mittlerweile auch in vielen Praxisorganisationen der Deutschschweiz als Orientierung oder gar als handlungsleitendes Konzept genutzt wird.
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([Positive Rückmeldungen seit 2011](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-5))
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([Positive Rückmeldungen seit 2011](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-5))
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([Etablierung in Lehre und Praxis](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-17))
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Dieses Vorwort verdeutlicht, dass das Lehrbuch nicht nur ein akademisches Produkt ist, sondern sich in einem Jahrzehnt kontinuierlicher Anwendung in Lehre und Praxis bewährt hat. Die Rückmeldungen aus verschiedenen Kontexten haben zur stetigen Weiterentwicklung des Konzepts beigetragen.
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([Positive Rückmeldungen seit 2011](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-5))
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Für die fünfte Auflage wurde das Lehrbuch gründlich überarbeitet, wobei die bewährte Zweiteilung — ein Grundlagenteil und ein zweiter Teil zu den einzelnen Prozessschritten — beibehalten wurde. Die langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin Raphaela Sprenger wurde für die Überarbeitung gewonnen. Im Grundlagenteil fanden Präzisierungen statt, insbesondere Erweiterungen im Kapitel zur Sozialen Arbeit hinsichtlich der Grundorientierungen und der Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen, Ergänzungen im Kapitel zu Ethik bezüglich ethischer Entscheidungsfindung sowie die Aufnahme des Konzepts einer professionellen Beziehungsgestaltung nach Gahleitner im Kapitel zur Kooperation.
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([Überarbeitungen in der fünften Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-6))
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([Überarbeitungen in der fünften Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-6))
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Im zweiten Teil des Lehrbuchs erfolgten ebenfalls gewichtige Aktualisierungen und Ergänzungen. Das Kapitel zum Prozessschritt Zielsetzung wurde grundlegend überarbeitet, unter anderem mit der Vorstellung des Zürcher Ressourcen Modells (ZRM). Außerdem wurden die Ausführungen zur Auftragsklärung, zu Analyseinstrumenten und zur Evaluation mit Fragebeispielen ergänzt. Die AutorInnen verweisen zudem auf weitere Publikationen zum Konzept, darunter den Materialienband «Kooperative Prozessgestaltung in der Praxis» (Hochuli Freund 2017) sowie arbeitsfeldspezifische Ausdifferenzierungen für das Eingliederungsmanagement und den Kinderschutz.
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## Methodische Lücke im Fachdiskurs
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([Aktualisierungen im Prozessteil](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-6))
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Besonders hervorzuheben sind die Änderungen in Kapitel 7, das als Bindeglied zwischen den beiden Teilen des Lehrbuchs dient. Dort wurden der Stellenwert eines Prozessmodells für professionelles Handeln sowie der Zusammenhang von Konzept und Prozessmodell bei Kooperativer Prozessgestaltung genauer erläutert. Im Kapitel zur Analyse wurde das methodische Vorgehen bei den Analyseinstrumenten anhand von Beispielen näher erläutert, und mit den sogenannten «offenen Analysefragen» wurde ein weiterer analytischer Zugang skizziert. Die AutorInnen hoffen, dass auch die fünfte Auflage zu einer fruchtbaren und kritischen Auseinandersetzung mit fachlich fundiertem, methodisch strukturiertem Handeln in der Sozialen Arbeit motiviert und einen Beitrag zur weiteren Professionalisierung leisten kann.
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Trotz vieler Methodenbücher bestand eine markante Lücke: kein umfassendes, praxisfeldübergreifendes Diagnoseverfahren und keine konsistente Systematik für methodisches Handeln. Begriffe waren inkohärent, Methodenreflexion vernachlässigt.
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([Überarbeitungen in der fünften Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-6))
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Insgesamt wurde auch die Literatur aktualisiert und ergänzt, sodass die fünfte Auflage den aktuellen Stand des Fachdiskurses im deutschsprachigen Raum widerspiegelt.
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([Überarbeitungen in der fünften Auflage](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-6))
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## Einleitung: Professionalisierung der Sozialen Arbeit
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Die Einleitung des Lehrbuchs eröffnet mit der Feststellung, dass das professionelle Handeln von Professionellen der Sozialen Arbeit das durchgehende Thema des gesamten Werkes bildet. Die Begrifflichkeit setze voraus, was keineswegs selbstverständlich sei: dass es eine Profession der Sozialen Arbeit gebe. Noch vor zwanzig Jahren galt es als Hybris, von Sozialer Arbeit als Disziplin und Profession zu sprechen — als Ausdruck von Profilierungssehnsüchten. Obwohl ein Professionalisierungsbedarf auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch konstatiert wird (u. a. Combe/Helsper 2011, Merten/Olk 2011, Heiner 2004), gilt der Anspruch nicht mehr als vermessen. Ein Professionalisierungsbedarf wird weiterhin gesehen, doch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat die Soziale Arbeit in ihrer fachlichen Identität deutlich gestärkt.
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([Professionalisierungsdiskurs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-18))
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Die Ausbildungen in Sozialer Arbeit haben sich in den letzten Jahren stark verändert, insbesondere in der Schweiz, wo Fachhochschulen erst 1998 geschaffen und eine akademische Ausbildung damit viel später als beispielsweise in Deutschland möglich geworden ist. Die Ausbildungen auf Tertiärniveau sind selbst Ausdruck der Professionalisierung und leisten zugleich einen Beitrag zu dieser Entwicklung. Im Hinblick auf die Aufgabe der Hochschulausbildung verweisen Hochuli Freund und Stotz auf Dewe et al., die Professionalität in der Sozialen Arbeit als «Strukturort der Relationierung von Theorie und Praxis im Kontext dialogischer Prozesse» verstehen. Die Hochschule könne als der Ort bezeichnet werden, an dem Professionskompetenz erworben und weiterentwickelt werde — nicht nur Wissen, sondern auch die Kompetenz, dieses Wissen situations- und fallbezogen anzuwenden.
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([Theorie-Praxis-Relationierung nach Dewe](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-19))
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Diese Transformationsleistung — die Übertragung theoretischen Wissens auf den konkreten Fall — sei in der praktischen Arbeit immer wieder neu zu erbringen. Studierende sollen im Rahmen ihrer Ausbildung nicht nur Wissen erwerben, sondern vor allem die Kompetenz, dieses Wissen situations- und fallbezogen anzuwenden. Die Hochschulausbildung nimmt damit eine Schlüsselrolle ein: Sie ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern ein Ort der Kompetenzentwicklung, an dem die Fähigkeit zur Theorie-Praxis-Verknüpfung systematisch aufgebaut wird.
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([Professionalisierungsdiskurs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-18))
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Die Vielzahl an Publikationen in den letzten Jahren wird als weiterer Ausdruck der Entwicklung der Sozialen Arbeit zur Profession gewertet. Einerseits wurden Fragen der Professionalisierbarkeit und Professionalität behandelt (u. a. Harmsen 2004, Klatetzki 2005, Pfadenhauer 2005, Combe/Helsper 2011, Dewe et al. 2011), andererseits entstanden zahlreiche Veröffentlichungen zur Theorie-Praxis-Transformation, insbesondere Sammelbände zu Diagnostik und Fallverstehen. Der Diskurs zu Professionalität ist seit gut zwei Jahrzehnten in vollem Gange.
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([Publikationslandschaft zur Professionalisierung](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10))
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Zu den wichtigsten Publikationen im Bereich Diagnostik und Fallverstehen gehören neben älteren Sammelbänden (u. a. Peters 1999, Ader et al. 2001, Henkel et al. 2002, Schrapper 2004) auch neuere Beiträge wie Gahleitner et al. 2013, Buttner et al. 2018 und Buttner et al. 2020. Diese Publikationsvielfalt bildet den fachlichen Hintergrund, vor dem Hochuli Freund und Stotz ihr eigenes Konzept entwickelt und positioniert haben.
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([Publikationslandschaft zur Professionalisierung](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10))
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## Einleitung: Die methodische Lücke im Fachdiskurs
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Trotz der Vielfalt an Publikationen bestand zum Zeitpunkt der Erstauflage im deutschsprachigen Raum ein bemerkenswerter Mangel. Es existierten zwar verschiedene sogenannte «Methodenbücher» — von Müllers «Sozialpädagogischem Können» über Arbeitshilfen und Methodensammlungen bis hin zu Methodiken mit spezifischer theoretischer Ausrichtung —, doch fehlte es an einem umfassenden, praxisfeldübergreifenden Zugang. Die Bandbreite reichte von Methodensammlungen, die eher als Landkarten unterschiedlicher Konzepte zu verstehen sind (Galuske 2013, teilweise Stimmer 2012), über Methodiken mit spezifischer theoretischer Ausrichtung (Cassée 2019, Geiser 2013) bis hin zum Entwurf eines methodenintegrativen Modells durch Zwilling (2007). Manche Arbeiten (u. a. Schwabe 2019, Pantuček-Eisenbacher 2019) verwiesen auf Methoden, Techniken und Instrumente, nahmen jedoch nur ansatzweise Bezug auf ein umfassendes Verständnis professionellen Handelns.
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([Vielfalt der Methodenbücher und deren Grenzen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10))
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Die große Vielfalt an Begrifflichkeiten — wie Methode, Verfahren, Methodik, Konzepte, Techniken, Instrumente — trug darüber hinaus nicht zur Klärung bei. Im Fachdiskurs wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass bisher keine Standards und Verfahren entwickelt worden seien, die in der Praxis Anwendung finden könnten, und dass große Defizite im Methodenwissen und dessen Umsetzung bestünden. Versuche übergreifender Systematiken zum Methodischen Handeln seien nach wie vor eher die Ausnahme. Die Methodenentwicklung und -reflexion sei im Diskurs der Sozialen Arbeit — sowohl innerhalb der Disziplin wie auch der Profession — vernachlässigt worden.
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([Defizite im Methodendiskurs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10))
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([Defizite im Methodendiskurs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10))
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Zwilling konstatierte 2017, dass Versuche übergreifender Systematiken zum Methodischen Handeln in der Sozialen Arbeit nach wie vor eher die Ausnahme seien. Im Hinblick auf eine theoretisch reflektierte Methodenintegration, die eine Verknüpfung unterschiedlicher handlungstheoretischer Ansätze ermögliche, sei die Situation noch problematischer. Sein eigener Entwurf eines Modells zur Methodenintegration bleibe jedoch eng ausgerichtet auf ausgewählte Praxisfelder und wenige Methoden — etwa den klassischen sozialarbeiterischen Beratungskontext.
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## Das KPG-Konzept
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([Defizite im Methodendiskurs](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-10))
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Heiner beschrieb diese Lücke im methodischen Fachdiskurs 2004 pointiert: Die Soziale Arbeit in der Bundesrepublik und im deutschsprachigen Europa verfüge nicht über ein tätigkeitsfeldübergreifendes, erfolgreich erprobtes, getestetes und weitgehend konsensfähiges Diagnoseverfahren. Aus dem Anspruch, nicht nur ein solches Diagnoseverfahren zu entwickeln, sondern ein umfassendes Modell zu entwerfen, entstand der Impuls für das vorliegende Lehrbuch. Die AutorInnen haben über Rahmenbedingungen und Möglichkeiten des Handelns mit und für Klientinnen innerhalb institutioneller Rahmenbedingungen von Praxisorganisationen der Sozialen Arbeit nachgedacht und daraus ein Gesamtkonzept entwickelt, das die beschriebene Lücke systematisch zu schließen versucht.
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Ein generalistisches, methodenintegratives Konzept entstand als systematische Antwort auf diese Lücke — anwendbar auf alle Praxisfelder. Im Zentrum steht ein verstehender Zugang zu Klienten und Problemlagen als Grundlage sinnvoller Interventionen.
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([Heiners Diagnose der methodischen Lücke](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-20))
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## Einleitung: Das Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung (KPG)
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Als Antwort auf die beschriebene methodische Lücke haben Hochuli Freund und Stotz — als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler mit langjähriger Berufserfahrung in verschiedenen Praxisfeldern der Sozialen Arbeit — bestehendes Methodenwissen systematisiert und weiterentwickelt. Daraus ist das Konzept «Kooperative Prozessgestaltung» (KPG) entstanden, das sich auf professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit insgesamt bezieht. Das Wissen, das sie systematisiert und weiterentwickelt haben, bildet die Grundlage für die Ausbildung von Kompetenz und soll es Professionellen ermöglichen, ihre Unterstützungsprozesse sinnvoll zu gestalten.
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([Entwicklung des KPG-Konzepts](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-21))
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([Entwicklung des KPG-Konzepts](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-21))
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Das Konzept geht davon aus, dass Soziale Arbeit im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft an unterschiedlichsten Brennpunkten, Lebenslagen und Orten soziale Probleme von Einzelnen, Gruppen und Gemeinwesen zu bearbeiten hat. Die Methodik nimmt daher Bezug auf alle Praxisfelder der Sozialen Arbeit und ist praxisfeldübergreifend einsetzbar. KPG versteht sich als Antwort auf die speziellen Anforderungen, die durch die konstitutiven Rahmenbedingungen professionellen Handelns charakterisiert sind — etwa die diffuse Allzuständigkeit für komplexe Problemlagen oder die geringe Standardisierbarkeit.
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Das Prozessmodell strukturiert in zwei Phasen und sieben Schritte: analytisch-diagnostisch (Erfassung, Analyse, Diagnose, Evaluation) und handlungsorientiert (Zielsetzung, Planung, Durchführung). Jeder Schritt wird mit Methoden, Instrumenten und Standards systematisch aufgearbeitet.
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([Praxisfeldübergreifende Einsetzbarkeit](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-11))
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Im Konzept werden die grundlegenden Strukturen von Unterstützungsprozessen — in der Bundesrepublik Deutschland meist «Hilfeplanung» genannt — sowie ausgewählte Methoden und Instrumente herausgearbeitet und in einer Systematik geordnet dargestellt. Damit wird eine Übersicht über einzelne Schritte sozialarbeiterischer und sozialpädagogischer Tätigkeit ermöglicht und zugleich deren innerer Zusammenhang dargelegt. Ziel ist, dass Professionelle das eigene Handeln entlang eines roten Fadens strukturieren können, dass sie erkennen und begründen können, was sie tun, wenn sie etwas tun, und dass sie in Transparenz planen können, was tatsächlich planbar ist.
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([Praxisfeldübergreifende Einsetzbarkeit](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-11))
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Im Zentrum der hergeleiteten Methodik steht ein verstehender Zugang zu Klienten und Problemlagen. Nur auf der Grundlage eines vertieften Verständnisses von Entstehungsbedingungen, aktueller Lebenslage und Ursachen für Verhaltensmuster können sinnvolle Interventionen geplant und umgesetzt werden. Angesichts der Komplexität möglicher Themen- und Problemstellungen und der latenten Verstrickung der eigenen Person in Hilfeprozesse ist an eine rein technologische Anwendung erworbener Wissensbestände nicht zu denken.
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([Verstehender Zugang als Kern der Methodik](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-22))
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Das Strukturmerkmal der Koproduktion nimmt einen zentralen Stellenwert ein: Professionelle und Klientinnen arbeiten stets gleichzeitig und gemeinsam an der Lösung eines Problems. Unterstützungs- und Vernetzungsprozesse werden gemäß dem Konzept immer in Kooperation mit Klientinnen, Klientensystemen und größeren sozialen Systemen realisiert. Die Bezeichnung «Kooperative Prozessgestaltung» weist auf den hohen Stellenwert und die grundlegende Bedeutung dieser Kooperation in der Gestaltung von Unterstützungsprozessen hin.
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([Koproduktion als konstitutives Merkmal](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-15))
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Die in dem Lehrbuch hergeleitete und aufbereitete Methodik orientiert sich bewusst an diesen konstitutiven Rahmenbedingungen professionellen Handelns. Angesichts der Komplexität möglicher Themen- und Problemstellungen und der latenten Verstrickung der eigenen Person in Hilfeprozesse betonen die AutorInnen, dass an eine technologische Anwendung erworbener Wissensbestände nicht zu denken sei. Vielmehr bedürfe es einer differenzierten, verstehensorientierten und zugleich systematischen Herangehensweise, die die Komplexität professionellen Handelns adäquat berücksichtigt.
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([Verstehender Zugang als Kern der Methodik](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-22))
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## Einleitung: Das Prozessmodell
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Dreh- und Angelpunkt des gesamten Konzepts ist ein Prozessmodell, das eine Struktur für die Gestaltung des professionellen Handelns bietet. In diesem Modell wird die Komplexität eines Falls in einzelnen Prozessschritten angemessen berücksichtigt und so reduziert, dass sie handhabbar wird, ohne dass wesentliche Aspekte wegfallen. Es geht dabei einerseits um den Prozess des Nachdenkens auf der Fachebene — einer Fachkraft allein, im Team und in der Kooperation mit anderen Professionen — und andererseits um die Gestaltung eines Such- und Problemlösungsprozesses gemeinsam mit Klientinnen.
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([Das Prozessmodell als Dreh- und Angelpunkt](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-23))
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Das methodenintegrative Lehrbuch zeigt auf, in welcher Weise — vor dem Hintergrund von Wissen aus der Sozialen Arbeit und relevanter Nachbardisziplinen sowie einem professionellen Selbstverständnis — methodisches Wissen, reflektiertes Erfahrungswissen und Kompetenzen gewinnbringend in einen Hilfeprozess eingebracht werden können. Dabei haben die AutorInnen den aktuellen Stand des Diskurses zu professionellem Handeln im deutschsprachigen Raum aufgearbeitet und bei jeder neuen Auflage aktualisiert. Die erwähnte Vielfalt der Publikationen wurde kritisch durchforstet und das Durcheinander der Begrifflichkeiten und Zugänge zu lichten versucht.
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([Das Prozessmodell als Dreh- und Angelpunkt](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-23))
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Das Prozessmodell umfasst zwei Phasen und sieben Prozessschritte: Die analytisch-diagnostische Phase beinhaltet Situationserfassung, Analyse, Diagnose und (später) Evaluation. Die Handlungsphase umfasst die Prozessschritte Zielsetzung, Interventionsplanung und Interventionsdurchführung. Jedem dieser Prozessschritte ist ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem zunächst die Bedeutung und Aufgabe herausgearbeitet und der Stand des Fachdiskurses nachgezeichnet wird. Anschließend werden ausgewählte Methoden oder methodische Hilfsmittel und Instrumente beschrieben und methodische Standards erläutert.
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([Zwei Phasen und sieben Prozessschritte](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-24))
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([Zwei Phasen und sieben Prozessschritte](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-24))
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Bei der Auswahl der vorgestellten Methoden wurden jene als relevant erachtet, die grundsätzlich auf jeden Kontext der Sozialen Arbeit bezogen werden können. Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei die diagnostischen Methoden und Instrumente: von Notationssystemen wie Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte und Soziogramm über quantitative Verfahren wie das Person-In-Environment-Classification-System und die Sozialpädagogische Risiko-Ressourcenanalyse bis hin zu qualitativen Verfahren wie der Kompetenzanalyse und systemischen Analysemethoden. In der fünften Auflage kamen mit den «offenen Analysefragen» zusätzliche analytische Zugänge hinzu.
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Das Lehrbuch bietet ein kapitelweise bearbeitbares Nachschlagewerk mit didaktischer Struktur für Studierende und Praktizierende — als Studienhandbuch, Orientierungsrahmen und Fundgrube für vertiefte Methodenauseinandersetzung.
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([Inhaltsverzeichnis — Prozessteil](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-8))
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Die vorgestellten Methoden werden jeweils einer kriteriengeleiteten Reflexion unterzogen, die sich auf die im ersten Teil erarbeiteten Erkenntnisse bezieht. Dabei wird beispielsweise geprüft, inwiefern sich eine Methode für den Such- und Veränderungsprozess gemeinsam mit Klientinnen eignet und/oder für den Prozess des Nachdenkens und Handelns auf der Fachebene, ob sie die grundlegenden Zielsetzungen Sozialer Arbeit unterstützt und ob sie sich für alle Praxisfelder eignet. Abschließend erfolgt in einer Übersicht eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse eines Kapitels.
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([Kriteriengeleitete Reflexion der Methoden](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12))
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Diese durchgängige Struktur — von der Darlegung der Aufgabe über die Beschreibung der Methoden bis hin zur kriteriengeleiteten Reflexion und abschliessenden Übersicht — verleiht dem Lehrbuch seinen didaktischen Charakter. Sie ermöglicht es sowohl Studierenden als auch erfahrenen Praktikerinnen, gezielt einzelne Prozessschritte oder Methoden nachzuschlagen und dabei stets den Gesamtzusammenhang des Konzepts im Blick zu behalten.
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([Kriteriengeleitete Reflexion der Methoden](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12))
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## Einleitung: Aufbau des Lehrbuchs
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Das Lehrbuch gliedert sich in zwei Hauptteile. Im ersten Teil werden die Grundlagen der Profession und Disziplin der Sozialen Arbeit vorgestellt, die den Rahmen für professionelles Handeln bilden: Gegenstand, Auftrag und Praxisfelder der Sozialen Arbeit; professionstheoretische Grundlagen mit den Strukturmerkmalen professionellen Handelns (wie diffuse Allzuständigkeit, doppelte Loyalitätsverpflichtung, geringe Standardisierbarkeit, Koproduktion und Involviertheit der Professionellen); ethische und rechtliche Grundlagen einschließlich Professionsethik und Menschenrechten; Kooperation auf Klienten- und Fachebene; sowie methodische Aspekte einschließlich der Frage der Methodisierbarkeit und der erforderlichen Professionskompetenz.
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([Inhaltsverzeichnis — Grundlagenteil](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-7))
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Da sich professionelles Handeln im gesellschaftlichen Kontext abspielt, ist eine Auseinandersetzung mit den professionsethischen Grundlagen — wie Menschenbild oder Care-Ethik — ebenso notwendig wie das Aufzeichnen der rechtlichen Aspekte. Den Menschenrechten kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Ein weiteres Grundlagenkapitel befasst sich mit der Kooperationsthematik: Die Rahmenbedingungen der Kooperation auf Klientenebene werden aufgezeigt und unterschiedliche Konzepte von Arbeitsbeziehungen vorgestellt. Im letzten Grundlagenteil werden methodische Aspekte erläutert und Fragen der Methodisierbarkeit diskutiert. Schließlich wird dargelegt, über welche Kompetenzen Professionelle verfügen müssen und auf welcher Grundhaltung sich ihr Handeln abstützen soll.
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([Struktur des Grundlagenteils](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12))
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([Struktur des Grundlagenteils](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12))
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Ausgehend von der Skizzierung des professionstheoretischen Diskurses werden im ersten Teil die Strukturmerkmale professionellen Handelns im Einzelnen erörtert, die für die Gestaltung von Unterstützungsprozessen leitend sind. Dazu gehören die diffuse Allzuständigkeit für komplexe Probleme, die doppelte Loyalitätsverpflichtung, die äußerst geringe Standardisierbarkeit professionellen Handelns, die Koproduktion sowie die Involviertheit der Professionellen als ganze Person. Diese Strukturmerkmale bilden den theoretischen Hintergrund, vor dem das Prozessmodell und die Methodik der Kooperativen Prozessgestaltung entwickelt wurden.
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## Terminologie
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([Inhaltsverzeichnis — Grundlagenteil](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-7))
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Im zweiten Teil wird das Prozessmodell als Kern des Konzepts vorgestellt. Das detaillierte Inhaltsverzeichnis zeigt die umfassende Bandbreite der behandelten Themen: Von der Situationserfassung mit Erkundungsgesprächen und Beobachtung über vielfältige Analysemethoden (Genogramm, Zeitstrahl, Netzwerkkarte, Soziogramm u. a.) und qualitative wie quantitative Verfahren bis hin zur Diagnose, Zielsetzung, Interventionsplanung, Interventionsdurchführung und Evaluation. Ein Schlusswort behandelt die Frage, wie man Kooperative Prozessgestaltung lernen kann.
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Das Lehrbuch verwendet ›Professionelle der Sozialen Arbeit‹, ›Fachkraft‹ und ›Sozialpädagogin/Sozialarbeiter‹ synonym — den generalistischen Anspruch einer einheitlichen Profession unterstreichen, unabhängig historischer Unterschiede zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik.
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([Inhaltsverzeichnis — Prozessteil](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-8))
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([Inhaltsverzeichnis — Evaluation und Abschluss](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-9))
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Besonders bemerkenswert ist, dass das Lehrbuch auch den Prozessschritt der Evaluation ausführlich behandelt. Dabei werden Formen, Voraussetzungen und Vorgehen der Evaluation erläutert, einschließlich der Evaluationsdimensionen und -kriterien. In der fünften Auflage wurden zudem Fragebeispiele zur Evaluation gemeinsam mit Klientinnen ergänzt. Das Schlusswort des Lehrbuchs widmet sich der Frage, wie man Kooperative Prozessgestaltung lernen kann — und schlägt damit den Bogen zurück zur Grundfrage der Lehrbarkeit professionellen Handelns, die bereits im Vorwort von Sommerfeld aufgeworfen wird.
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([Inhaltsverzeichnis — Evaluation und Abschluss](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-9))
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Der Hauptzweck des Lehrbuchs besteht darin, für Professionelle der Sozialen Arbeit — Studierende wie Praktikerinnen — ein nützliches Studien- und Handbuch sowie ein übersichtliches Nachschlagewerk darzustellen. Die wichtigsten Grundlagen professionellen Handelns, das Konzept KPG und ausgewählte Methoden sollen entlang einer Prozessstruktur in übersichtlicher und verständlicher Weise dargestellt werden. Das Lehrbuch soll kapitelweise bearbeitbar sein, eine Vielfalt an methodischen Zugängen für einen breiten Orientierungsrahmen bieten und als «Fundgrube» für die vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Methoden dienen.
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([Struktur des Grundlagenteils](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12))
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Der Gedanke des Nachschlagewerks bedeutet konkret, dass auf der Basis der wichtigsten Wissensbestände der Sozialen Arbeit entlang des Prozessmodells die einzelnen Prozessschritte in ihrer Bedeutung und mit den jeweils relevantesten Methoden sowie methodischen Standards dargestellt sind. Zudem finden sich durchgehend Literaturhinweise zur Vertiefung. So kann eine Fachkraft beispielsweise über einen längeren Zeitraum mit einer bestimmten Analysemethode arbeiten und eines Tages feststellen, dass diese nicht immer zum erwünschten Resultat führt. Durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit anderen Methoden im Lehrbuch kann sich ein neuer Weg auftun, den man zuvor nicht bemerkt hatte.
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([Struktur des Grundlagenteils](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-12))
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Darüber hinaus haben die AutorInnen die Diagnosemethode «Theoriegeleitetes Fallverstehen» selbst entwickelt. Diese Methode erlaubt es, unter Bezug auf theoretisch fundierte Erklärungszugänge Zusammenhänge zwischen theorie- und empiriebasiertem Wissen und dem konkreten Fall herzustellen. Die Relationierung von Theorie und Praxis wird als spannender Prozess verstanden, der bei systematischer Vorgehensweise einen Beitrag zur weiteren Professionalisierung der Sozialen Arbeit leistet. Die positive Rezeption des Konzepts — unter anderem durch Thimm (2020) und Rosch (2017) — wird als Hinweis auf die Praxistauglichkeit gedeutet.
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([Konzeptentwicklung und Methodenwissen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-21))
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Eine besondere Bedeutung messen die AutorInnen jenen Methoden bei, die dazu dienen, einen Fall zu analysieren und die Fallthematik herauszuarbeiten — zu erklären und zu verstehen, was schwierig ist für Klientinnen, welches die Hintergründe und Entstehungsbedingungen für eine Problematik sein können. Dabei bildet nach Dilthey der Leitgedanke, dass Fallverstehen einen hermeneutischen Zugang erfordert.
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([Verstehender Zugang als Kern der Methodik](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-22))
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Mit dem Lehrbuch liegt damit der Entwurf eines generalistischen, methodenintegrativen, auf Kooperation ausgerichteten Konzepts für die Gestaltung des professionellen Handelns vor. Es verbindet theoretische Fundierung mit praktischer Anwendbarkeit und stellt den Anspruch, sowohl für die Ausbildung als auch für die berufliche Praxis ein verlässliches Orientierungsinstrument zu sein.
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([Entwicklung des KPG-Konzepts](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-21))
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## Danksagung
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Die Einleitung schließt mit einer ausführlichen Danksagung der AutorInnen. Hochuli Freund und Stotz bedanken sich bei ihren Studierenden für deren kritische Fragen zu professionellem Handeln und weiterführende Anregungen, die das Projekt des Lehrbuches über viele Jahre vorangetrieben haben.
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([Angaben zu den AutorInnen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-1))
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Den Kolleginnen, die gemeinsam mit ihnen das Konzept Kooperative Prozessgestaltung im Bachelor-Studium an der Hochschule für Soziale Arbeit lehren, danken sie für die kontinuierlichen anregenden fachlichen Diskussionen, ebenso den Kollegen im Schwerpunkt «Diagnostik und Prozessgestaltung» des Instituts für Professionsforschung und -entwicklung, die sie immer wieder zu einem lebendigen Diskurs zu Sozialer Diagnostik und zu methodischem Handeln in der Sozialen Arbeit herausfordern.
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([Erprobung im Lehrbetrieb](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-16)) Ein besonderer Dank gilt Raphaela Sprenger, die das Lehrbuch von Beginn an begleitet, in zahlreichen Entwicklungsprojekten mit Praxisorganisationen den Diskurs angeregt und an der fünften Auflage aktiv mitgeschrieben hat. Herzlicher Dank geht auch an Urs Amiet, der als Grafiker die Überlegungen zu Abbildungen im Lehrbuch vorzüglich umzusetzen weiß. Die Rückmeldungen von Studierenden, Kolleginnen und Praktikerinnen haben dazu geführt, dass manche Passagen in jeder neuen Auflage jeweils klarer herausgearbeitet sind.
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([Angaben zu den AutorInnen](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-1))
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## Anmerkung zur Terminologie
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Das Lehrbuch enthält eine Anmerkung zur verwendeten Terminologie und geschlechtergerechten Sprache. Mit dem Begriff «Profession» wird die Berufsgruppe der in der Sozialen Arbeit tätigen Personen — Sozialpädagogen und Sozialarbeiterinnen — bezeichnet. Die drei Begriffe «Professionelle der Sozialen Arbeit», «Fachkraft» sowie «Sozialpädagogin und Sozialarbeiter» werden abwechslungsweise und synonym verwendet. Im Sinne einer geschlechtergerechten Sprache verwenden die AutorInnen, wo geschlechtsneutrale Bezeichnungen fehlen, abwechslungsweise die weibliche und männliche Form, wobei stets das andere Geschlecht mitgemeint ist. Bei «Sozialarbeiterin» ist beispielsweise stets auch «Sozialpädagoge» mitgemeint und umgekehrt.
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([Terminologische Anmerkung](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-25))
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Diese terminologische Konvention ist insofern bedeutsam, als sie den generalistischen Anspruch des Konzepts unterstreicht: Es richtet sich an alle in der Sozialen Arbeit tätigen Fachkräfte — unabhängig davon, ob sie aus der Tradition der Sozialarbeit oder der Sozialpädagogik kommen. Die durchgehend abwechselnde Verwendung der verschiedenen Berufsbezeichnungen spiegelt die im Lehrbuch vertretene Auffassung wider, dass Soziale Arbeit als einheitliche Profession verstanden werden soll.
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([Terminologische Anmerkung](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-25))
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Diese Festlegung auf eine einheitliche professionelle Identität — jenseits der historisch gewachsenen Unterscheidung zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik — korrespondiert unmittelbar mit dem generalistischen und praxisfeldübergreifenden Charakter des KPG-Konzepts. Die methodische Systematik, die im Lehrbuch entwickelt wird, beansprucht Gültigkeit für alle Handlungsfelder der Sozialen Arbeit und für alle Fachkräfte, die in diesem breiten Berufsfeld tätig sind.
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([Praxisfeldübergreifende Einsetzbarkeit](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-11))
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([Praxisfeldübergreifende Einsetzbarkeit](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-11))
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Insgesamt bilden die Einleitung und Vorworte einen dichten und vielschichtigen Auftakt zu einem Lehrbuch, das den Anspruch erhebt, die methodische Gestaltung professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit auf eine systematische, theoretisch fundierte und zugleich praxistaugliche Grundlage zu stellen.
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Mit diesem Lehrbuch liegt ein generalistisches, methodenintegratives, kooperationsorientiertes Konzept vor, das theoretische Fundierung mit praktischer Anwendbarkeit verbindet.
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([Entwicklung des KPG-Konzepts](./chapter_00_einleitung.evidence.md#reference-21))
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@ -1,363 +1,54 @@
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# 02 Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft
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# 02 Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft
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Dieses Kapitel klärt den Kontext des professionellen Handelns und legt dar, was unter Sozialer Arbeit zu verstehen ist — von den historischen Traditionslinien über die Etablierung als Disziplin und Profession bis hin zu Professionsauftrag, Grundorientierungen und der Bedeutung wissenschaftlichen Wissens.
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Dieses Kapitel klärt den Kontext professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit — von historischen Traditionslinien über die Etablierung als Disziplin und Profession bis hin zum Professionsauftrag und wissenschaftlichem Wissen (Seiten 24–43).
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**Seiten:** 24–43
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## Historische Traditionslinien
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**Zeilen im Quelldokument:** 147–335
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Zwei historische Linien integrierten sich in der Sozialen Arbeit. Die **Sozialpädagogik** untersucht die Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft mit bildungstheoretischen Wurzeln, entstand als Antwort auf Industrialisierungsfolgen und befasst sich mit Sozialisationskonflikten zwischen subjektiven Fähigkeiten und gesellschaftlichen Anforderungen.
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## Einführung und Kapitelüberblick
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Das zweite Kapitel des Grundlagenteils widmet sich der Klärung des umfassenden Kontexts, innerhalb dessen professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit stattfindet. Es werden die beiden historischen Traditionslinien — Sozialpädagogik und Sozialarbeit — skizziert und aufgezeigt, wie sich ›Soziale Arbeit‹ als neuer Leitbegriff etabliert hat. Darüber hinaus wird erläutert, was mit der Unterscheidung zwischen Disziplin und Profession gemeint ist. Ein Überblick über die vielfältigen Praxisfelder und Hilfeformen sowie deren Systematisierung soll Orientierung ermöglichen und zugleich die Komplexität des Feldes verdeutlichen. Unter den Stichworten ›Parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft‹ und ›Bearbeitung sozialer Probleme‹ werden zwei zentrale Zugänge zum Professionsauftrag vorgestellt, ergänzt durch die Darlegung wichtiger Zielsetzungen und Werte.
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([Kapiteleinführung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-1))
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## 2.1 Gegenstand Sozialer Arbeit
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### Vielfalt der Tätigkeitsfelder
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Wer fragt, was Professionelle der Sozialen Arbeit tun, stößt zunächst auf eine beeindruckende Bandbreite konkreter Aufgaben. Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiter beraten und unterstützen Familien mit Erziehungsproblemen in deren Alltag, erziehen Kinder, die nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie leben können, vermitteln materielle Unterstützung, leisten Schuldenberatung, begleiten Menschen nach der Haftentlassung, realisieren Bedarfsanalysen in Stadtteilen und konzipieren gemeinsam mit Bewohnerinnen neue Angebote. Sie assistieren Menschen mit Entwicklungsbeeinträchtigungen, beraten bei Suchtproblemen und führen Gewaltpräventionsprojekte in Schulen durch. Die Liste ließe sich noch erheblich verlängern.
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([Gegenstand Sozialer Arbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-13))
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Wählt man einen theoretischen Zugang und versucht, den Gegenstand Sozialer Arbeit begrifflich zu fassen, so zeigt sich rasch, dass dieser ›komplex und schwierig zu fassen‹ ist. Dies hat mit den unterschiedlichen historischen Wurzeln, der Breite der Praxisfelder und der Vielzahl theoretischer Bezüge zu tun. Der Versuch einer systematischen Beschreibung erfordert daher zunächst einen Blick auf die historische Entwicklung.
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([Kapiteleinführung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-1))
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## 2.1.1 Historische Wurzeln: Sozialpädagogik und Sozialarbeit
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### Begriffliche Ausgangslage
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Die Schwierigkeiten, den Gegenstand der Sozialen Arbeit zu fassen, zeigen sich bereits bei der Begrifflichkeit. Seit etwa Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich ›Soziale Arbeit‹ als neuer Leitbegriff etabliert, mit dem versucht wird, das gesamte, vielfältige Arbeitsfeld begrifflich zu rahmen und ein einheitliches Funktionssystem abzugrenzen — etwa gegenüber dem Medizinsystem oder dem Rechtssystem.
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([Historische Wurzeln](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-14))
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([Historische Wurzeln](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-14))
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Daneben werden aber weiterhin die Begriffe Sozialarbeit und Sozialpädagogik verwendet. Diese verweisen auf die unterschiedlichen historischen Traditionslinien, die in der Sozialen Arbeit integriert werden. Während Sozialpädagogik für die pädagogisch-erziehungswissenschaftliche Linie steht und die Wurzel der heutigen Kinder- und Jugendhilfe darstellt, steht die Sozialarbeit als ›Fürsorgewissenschaft‹ in der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Tradition und bildet die Wurzel der Sozialhilfe. Im Hinblick auf Theoriebildung und Argumentationskultur kann ›Sozialarbeit‹ als Erbe der bürgerlichen Frauenbewegung im ausgehenden 19. Jahrhundert gelesen werden, ›Sozialpädagogik‹ hingegen als Erbe von Reformpädagogik und bürgerlicher Jugendbewegung im frühen 20. Jahrhundert (Niemeyer 2012).
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([Historische Wurzeln](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-14))
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## Sozialpädagogik
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### Bildungstheoretischer Ursprung
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Die Sozialpädagogik hat einen bildungstheoretischen Ursprung, der in den Beginn der europäischen Moderne zurückreicht. In dieser Epoche etablierte sich die Idee eines eigenständigen, freien und bildsamen Individuums — eines Individuums, das sich selbst bilden und entwickeln kann. Mit dem Bedeutungsverlust der traditionellen Ständeordnung entstand nicht nur die Möglichkeit individueller Entwicklung; zugleich wurden Menschen auch aus den ständischen Bindungen freigesetzt. Als Reaktion darauf entstanden pädagogische Gemeinschaftsbegriffe, um das Individuum wieder an soziale Sphären zurückzubinden.
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([Bildungstheoretischer Ursprung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-15))
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### Vermittlung zwischen Individuum und Gemeinschaft
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Genau dies ist das zentrale Thema der Sozialpädagogik: Sie befasst sich mit dem Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft und fragt nach den Möglichkeiten und der praktischen Gestaltbarkeit der Vermittlung zwischen Mensch und Gesellschaft. Wie können Menschen sich entwickeln und bilden, ihr Leben eigenständig gestalten und autonom handeln — und zugleich in ein soziales Gefüge eingebettet, in eine Gemeinschaft integriert sein und an gesellschaftlichen Errungenschaften teilhaben? Historisch wurde Gemeinschaft als pädagogische Aufgabe immer dann virulent, wenn das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft als problematisch wahrgenommen wurde, denn die Gemeinschaft ist das entscheidende Medium sozialer Integration. Das sozialpädagogische Nachdenken über dieses Verhältnis erfolgte dabei stets im Sinne einer Anwaltschaft für das freie, selbsttätige Subjekt.
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([Vermittlung Individuum-Gemeinschaft](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-16))
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### Wurzeln in der industriellen Revolution
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Eine weitere Wurzel der Sozialpädagogik liegt in den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der industriellen Revolution, die im 19. Jahrhundert zur Verarmung und Verelendung breiter Bevölkerungskreise führte. In diesem Kontext entstanden Anstalten für arme, verwaiste und gefährdete Kinder und — in der zweiten Jahrhunderthälfte — auch für verwahrloste Jugendliche. Dieses Praxisfeld wurde später Heimerziehung genannt. Die dort vertretenen Anstalten verstanden ihren Auftrag als Erziehung von Kopf, Herz und Hand im Sinne Pestalozzis, als religiöse Rettung, als Rettung aus gefährdenden Verhältnissen und — was in der Realität wohl am bedeutsamsten war — als Disziplinierung mit dem Ziel gesellschaftlicher Anpassung. In dieser Perspektive kann Sozialpädagogik als gesellschaftliche und pädagogische Antwort auf die sozialen Probleme des 19. Jahrhunderts verstanden werden.
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([Sozialpädagogik und soziale Probleme](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-17))
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### Ausweitung der Zuständigkeit
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Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurden die Praxisfelder der Sozialpädagogik vielfältiger und breiter. Sozialpädagogik als Kinder- und Jugendhilfe befasst sich mit den Entwicklungsproblemen junger Menschen beim Hineinwachsen in das gesellschaftliche Umfeld und mit angemessenen Unterstützungsangeboten. Darüber hinaus beansprucht die Sozialpädagogik zunehmend Zuständigkeit für den ganzen Lebenslauf, indem sie sich auf ein erweitertes Sozialisationskonzept als Metakonzept bezieht, das Bildung als lebenslange Aufgabe ansieht. Chassé und von Wensierski (2004) bezeichnen dieses Phänomen als ›Sozialpädagogisierung der Lebensphasen‹.
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([Sozialpädagogik und soziale Probleme](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-17))
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### Wissenschaftliche Einordnung nach Böhnisch
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Böhnisch bezeichnet die Sozialpädagogik einerseits als erziehungswissenschaftliche Disziplin und gleichzeitig als Theorie besonderer Praxisinstitutionen, insbesondere der Jugendhilfe. Als Disziplin beschäftige sie sich mit jenen sozialstrukturell und institutionell bedingten Konflikten zwischen subjektiven Antrieben und Vermögen der Kinder und Jugendlichen und gesellschaftlichen Anforderungen, wie sie in Familie, Schule, Arbeitswelt und Gemeinwesen vermittelt sind. Sie versuche, diese Konflikte aufzuklären, ihre Folgeprobleme zu prognostizieren und in diesem Kontext die Grundlagen für erzieherische Hilfen zu entwickeln.
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([Böhnisch über Sozialpädagogik](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-18))
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([Böhnisch über Sozialpädagogik](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-18))
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Die **Sozialarbeit** entwickelte sich aus der Armenfürsorge im 19. Jahrhundert als individuelle Hilfe und Begleitung, wurde verberufsslichung durch ›soziale Frauenschulen› und integrierte sich in den Wohlfahrtsstaat mit Fokus auf Existenzsicherung und Beratung. Drei klassische Methoden entstanden: Einzelfallhilfe, Soziale Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit.
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## Sozialarbeit
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### Entwicklung aus der Armenfürsorge
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Die Sozialarbeit hat sich aus der Armenfürsorge entwickelt und steht im Kontext der Herausbildung des Sozialstaates in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hintergrund war auch hier die Entstehung der Industriegesellschaft und der mit ihr verbundenen sozialen Probleme.
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([Sozialarbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-2))
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([Sozialarbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-2))
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Das Armutsproblem verschärfte sich und verwandelte sich in die sogenannte ›soziale Frage‹, der allein mit polizei- und ordnungspolitischen Strategien nicht mehr begegnet werden konnte. Zuvor war die Armenpflege seit langer Zeit kommunal organisiert gewesen. Die Gemeinden waren zur Unterstützung der Hilfsbedürftigen verpflichtet, allerdings unter der Voraussetzung der Prüfung der Anspruchsberechtigung. Die materielle Unterstützung war knapp bemessen und an diskriminierende Umstände gebunden.
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([Die soziale Frage](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-19))
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### Von der Armenpflege zur sozialen Fürsorge
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Bürgerliche Reformbestrebungen führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts — zumindest in den größeren Städten Deutschlands — dazu, dass die materielle Hilfe ergänzt wurde durch eine individuelle Hilfe und Begleitung durch ehrenamtliche Bürger als sogenannte Armenpfleger. Durch diese kommunal organisierte und ehrenamtlich realisierte Hilfe von ›Mensch zu Mensch‹ veränderte sich die Armenfürsorge zur ›socialen Fürsorge‹ — ein erster Schritt auf dem Weg hin zur Sozialarbeit. In der Schweiz basierte die freiwillige Fürsorge auf privater, philanthropisch und religiös motivierter Wohltätigkeit von Einzelpersonen und karitativen Organisationen.
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([Sozialarbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-2))
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### Einbindung in den Wohlfahrtsstaat und Sozialversicherungen
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Der zweite Schritt bestand in der Einbindung der kommunalen Wohlfahrtspflege in den Wohlfahrtsstaat. Im Zuge der Etablierung der Sozial- und Wirtschaftspolitik im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Armenfürsorge zunehmend zur Aufgabe des Staates. Die Sozialversicherungen entstanden in Deutschland in den 1880er Jahren — Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Altersversicherung, 1927 dann die Arbeitslosenversicherung — und in der Schweiz deutlich später. Die finanziellen Transferleistungen der neuen Arbeiterversicherungen entlasteten die kommunalen Träger und setzten Ressourcen frei. Die neue staatliche Armenpflege basierte auf der Erkenntnis, dass auf die sozialen Probleme mit individuell ausgerichteter Hilfe reagiert werden muss — mit den Prinzipien der Individualisierung, der Einzelfallhilfe und der persönlichen Beziehung zwischen Helferin und Hilfeempfänger.
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([Die soziale Frage](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-19))
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### Verberuflichung und moderne Sozialarbeit
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Damit begann die erste Phase der Verberuflichung der ehemals meist weiblichen ehrenamtlichen Fürsorgetätigkeit durch die Gründung sogenannter ›sozialer Frauenschulen‹. Neben einem hochgradig verrechtlichten, ökonomisierten und bürokratisierten System sozialer Sicherung entstand die moderne Sozialarbeit als personenbezogene Hilfe. Bis heute erfüllt die Sozialarbeit Aufgaben im Bereich der Armutsbekämpfung und Existenzsicherung — einerseits mit materieller Hilfe (Geld- und Sachleistungen), andererseits mit immateriellen Dienstleistungen (Beratung, Unterstützung, Koordination von Hilfemaßnahmen).
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([Verberuflichung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-20))
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### Klassische Methoden und Zielbestimmungen
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Die drei sogenannten ›klassischen Methoden‹ der Sozialarbeit — Einzelfallhilfe, soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit — verweisen auf die Ausdifferenzierung der Praxisfelder im Laufe des 20. Jahrhunderts. Dabei lassen sich drei Zielbestimmungen unterscheiden: erstens die Bearbeitung von Problemlagen, die ohne fremde Hilfe nicht gelöst werden können; zweitens die Bearbeitung von Problemen eines Gemeinwesens, ohne dass Betroffene um Hilfe ersucht hätten (einschließlich Prävention und Kontrollaufgaben); drittens die Verbesserung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, unter anderem durch Gemeinwesenarbeit.
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([Klassische Methoden](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-21))
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([Klassische Methoden](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-21))
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## Soziale Arbeit als Disziplin und Profession
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## 2.1.2 Soziale Arbeit als neuer Leitbegriff
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Seit Anfang 21. Jahrhundert hat sich ›Soziale Arbeit‹ als einheitlicher Leitbegriff etabliert. Die historische Zweiteilung wurde hinterfragt und gilt heute als überholt — empirisch keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen den Traditionen.
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([Historische Wurzeln](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-14))
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### Hinterfragung der traditionellen Zweiteilung
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Bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde an der Unterscheidung zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik festgehalten, gleichzeitig wurde sie zunehmend hinterfragt. Bereits 1966 bezeichnete Pfaffenberger die Zweiteilung als historisch zufällig und überholt und skizzierte demgegenüber die Soziale Arbeit als ›einheitliches Funktionssystem gesellschaftlicher Hilfen‹. In den darauffolgenden Jahrzehnten befassten sich zahlreiche Publikationen mit der Angemessenheit dieser Unterscheidung.
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([Pfaffenberger](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-22))
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([Pfaffenberger](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-22))
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### Differenzansatz und Identitätsansatz
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Soziale Arbeit ist zugleich **Disziplin** (wissenschaftliche Fragestellung mit spezifischen Methoden) und **Profession** (Berufsgruppe, Praxisorganisationen, Dienstleistungen). Zwischen ihnen zeigen sich Unterschiede: Die Profession zielt auf Wirksamkeit und Angemessenheit; die Disziplin auf Wahrheit und Schlüssigkeit. Idealerweise bereichern sie sich gegenseitig durch Wissensvermittlung und Praxisbezug.
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Merten (2013) verweist darauf, dass es nach wie vor keine allgemein geteilte Begriffsbestimmung gibt. Er unterscheidet analytisch zwei kategorial verschiedene Positionen: den Differenzansatz und den Identitätsansatz. Der Differenzansatz leitet aus den unterschiedlichen historischen Ursprüngen sachlogische Differenzen ab, die bis heute relevant seien. Hier ist die Sozialarbeitswissenschaft zu verorten, die einen Anspruch als Grundlagentheorie erhebt. Der Identitätsansatz hingegen argumentiert, dass sich trotz der differenten Wurzeln eine so starke Annäherung vollzogen habe, dass empirisch keine Unterschiede mehr festzustellen seien.
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([Pfaffenberger](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-22))
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Im Sinne des Identitätsansatzes argumentiert Thole, dass die beiden Begriffe Sozialarbeit und Sozialpädagogik heute keine verschiedenen wissenschaftlichen Fächer mehr kodieren, keine voneinander klar abgrenzbaren Praxisfelder und auch keine klar unterschiedlichen Ausbildungswege und -inhalte mehr. In ähnlichem Sinne resümiert Niemeyer, es stehe zunehmend in Frage, ob eine Trennung nach Maßgabe angeblich unterschiedlicher Objektbereiche noch Sinn ergebe — das terminologische Problem sinke zu einem Scheinthema herab.
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([Identitätsansatz](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-23))
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### Etablierung in der Fachliteratur
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Die aktuellen Handbücher und Wörterbücher nehmen fast alle den neuen Leitbegriff im Titel auf: ›Glossar zur Sozialen Arbeit‹, ›Handbuch Soziale Arbeit‹, ›Grundriss Soziale Arbeit‹ oder ›Wörterbuch Soziale Arbeit‹.
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([Handbücher und Leitbegriff](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-3))
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### Position des Lehrbuchs
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Das vorliegende Lehrbuch geht von der Position des Identitätsansatzes aus — davon, dass es heute keine entscheidenden Unterschiede mehr gibt zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik, zumindest keine, die eine Unterscheidung in ›Professionelles Handeln in der Sozialarbeit‹ und ›Professionelles Handeln in der Sozialpädagogik‹ rechtfertigen würden. Die traditionellen Berufsbezeichnungen Sozialarbeiter und Sozialpädagogin sind damit überholt, ohne dass eine neue prägnante Bezeichnung in Sicht wäre. Pragmatisch werden alle drei Begriffe — Professionelle der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogin, Sozialarbeiter — abwechslungsweise und synonym verwendet.
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([Identitätsansatz](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-23))
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## 2.1.3 Soziale Arbeit als Disziplin und Profession
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### Zwei unterschiedliche Systeme
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Soziale Arbeit gilt als neuer Leitbegriff für Disziplin und Profession. Stichweh (1994) schlägt vor, diese als zwei unterschiedliche Systeme mit je eigenen funktionalen Aufgaben auszuweisen. Disziplinen sind Wissenschaftszweige, die einen spezifischen Ausschnitt der Wirklichkeit auf bestimmte Weise betrachten. Zu jeder Disziplin gehören Forschungsgegenstände, Methoden, Theorien und Forschungszwecke. Spezifisch für eine Disziplin sind Gegenstand, Fragestellung und Problemperspektive. Merten fasst die Strukturmerkmale von Disziplinen zusammen: Scientific community, disziplinspezifische Sozialisationsprozesse, besondere Fragestellungen, aktueller Diskussionsstand sowie besondere Methoden und Lösungsverfahren.
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([Disziplin und Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-4))
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([Disziplin und Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-4))
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### Der Begriff der Profession
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Mit dem Begriff Profession wird nicht einfach nur die ›Praxis‹ der Sozialen Arbeit gefasst. Er bezeichnet vielmehr die Berufsgruppe der hier tätigen Personen sowie die Orte und Institutionen des Praxissystems, das Beratung, Unterstützung und Hilfe offeriert. Gemäß Thole wird mit dem Begriff Profession ›das gesamte fachlich ausbuchstabierte Handlungssystem, also die berufliche Wirklichkeit eines Faches‹ beschrieben — die Realität der beruflich engagierten Personen und der von ihnen offerierten Hilfe-, Beratungs- und Bildungsleistungen auf der Basis gesellschaftlich adressierter Ansprüche und Wünsche.
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([Thole über Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-24))
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([Thole über Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-24))
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### Handlungsorientierung versus Handlungsentlastetheit
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Zwischen Disziplin und Profession zeigen sich deutliche Unterschiede. Professionen zeichnen sich aus durch Handlungsorientierung — sie zielen auf Veränderung von Situationen oder Personen ab. In der Disziplin hingegen ist Handlungsentlastetheit eine unabdingbare Bedingung wissenschaftlicher Tätigkeit. Die Profession der Sozialen Arbeit zielt auf Wirksamkeit und muss sich stets fragen, ob das Handeln dem Kriterium der Angemessenheit genügt. Die wissenschaftliche Disziplin hingegen setzt auf Wahrheit und Richtigkeit; ihre Argumentationen müssen schlüssig sein.
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([Handlungsorientierung vs. Handlungsentlastetheit](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-25))
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### Verhältnis von Theorie und Praxis
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Inwiefern Disziplin und Profession in einem hierarchischen oder gleichwertigen Verhältnis zueinander stehen, wird vielfach diskutiert. In der Sozialen Arbeit gilt das Verhältnis von Theorie und Praxis in besonderer Weise als problematisch. Die Kluft zwischen den Welten des beruflichen Alltags und des Wissenschaftssystems sei groß, konstatiert Schone, das Verhältnis zwischen den Angehörigen beider Gruppen sei distanziert und durch Vorurteile geprägt.
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([Verhältnis Theorie und Praxis](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-4))
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Idealerweise bereichern und befruchten sich die beiden Systeme gegenseitig: Professionelle nutzen wissenschaftliches Wissen, um einen konkreten Einzelfall einordnen und verstehen, und auf dieser Basis Interventionen planen zu können. Gleichzeitig lassen sich aus wissenschaftlichem Wissen keine Regeln für das konkrete berufliche Handeln im Einzelfall ableiten. Professionelle der Sozialen Arbeit müssen wissenschaftliches Wissen auf den Fall übertragen und mit den Informationen der Klientinnen zu ihrer Lebenssituation und zu deren eigener Deutung verknüpfen.
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([Wissen transformieren](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-26))
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([Wissen transformieren](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-26))
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## Praxisfelder und Trägerschaft
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## 2.2 Praxisfelder, Professionsauftrag und Grundorientierungen
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Das Feld der Sozialen Arbeit ist hochgradig heterogen mit vielfältigen Praxisfeldern (Kinder-/Jugendhilfe, Erwachsenenhilfen, Altenhilfe, Gesundheit, Stadtteilarbeit). Unterschiede entstehen durch Trägerschaft: öffentliche (staatliche) und private Träger (Verbände, Vereine, philanthropische Organisationen) sowie Freiwilligen- und Selbsthilfeangebote.
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### Gesellschaftlicher Wandel als Hintergrund
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Die zunehmende Ausdifferenzierung von Praxisfeldern und Hilfeangeboten kann nur vor dem Hintergrund des sozialen Wandels und der zunehmenden Komplexität der Gesellschaft verstanden werden. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts lässt sich der gesellschaftliche Modernisierungsprozess umschreiben mit den Stichworten Enttraditionalisierung von Milieus und Sozialformen, Pluralisierung der Lebensformen, Strukturwandel der Institution Familie, Krise der Erwerbsarbeitsgesellschaft, Erosion der Normalarbeitsbiografie, Entkoppelung von Bildung und Beruf, demografische Veränderungen und Veränderung der Geschlechterrollen. Im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft ändern sich die sozialen Probleme und die Muster sozialer Ungleichheit immer schneller — und damit verändern sich stets auch die Aufgaben sozialer Integration.
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([Kapiteleinführung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-1))
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## 2.2.1 Praxisfelder
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### Expansion und Diversifizierung
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Die Antwort der Sozialen Arbeit auf den beschleunigten gesellschaftlichen Wandel lässt sich zunächst als Expansion beschreiben — als quantitativer Ausbau der Angebote. Einerseits wurden neue Aufgabenfelder erschlossen, andererseits vollzog sich innerhalb der bestehenden Felder eine Diversifizierung und Spezialisierung, die auf eine höhere Qualität der Hilfe hinweist. Otto und Thiersch sprechen von einer sektoralen und strukturellen Differenzierung, die die ›Expansion als Profession und Disziplin‹ begleitet habe. Der quantitative und qualitative Ausbau ging einher mit einem umfassenden Professionalisierungsprozess sowie einer Verrechtlichung und Versozialwissenschaftlichung der Tätigkeiten.
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([Expansion der Praxisfelder](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-27))
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## Systematisierungsmöglichkeiten des Feldes
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### Heterogenität und Gliederungsversuche
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Das herausragende Merkmal des Feldes der Sozialen Arbeit ist die große Heterogenität. Entsprechend schwierig ist es, dieses Feld zu systematisieren — zumal die Begriffe Handlungsfelder, Praxisfelder, Arbeitsfelder und Aufgabenfelder in der Literatur uneinheitlich verwendet werden. Als Kriterien für die Einteilung werden unter anderem vorgeschlagen: Problemstellung, Zielgruppe nach Problemstellung, Zielgruppe nach biografischen Stationen im Lebenslauf, Methode/Angebot sowie Organisationsform.
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([Systematisierungsschwierigkeiten](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-5))
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([Systematisierungsschwierigkeiten](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-5))
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### Systematik nach Chassé/von Wensierski
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Chassé und von Wensierski haben ihren Versuch einer konsistenten Gliederung mit dem Bemühen des Sisyphos verglichen. Einerseits nehmen sie die sozialpädagogische Traditionslinie mit der ›Sozialpädagogisierung der Lebensalter‹ auf und unterscheiden drei Bereiche: Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungs- und Familienhilfen sowie Altenhilfe. In einem zweiten Teil stellen sie die Ausdifferenzierung und Spezialisierung dar — mit Bereichen wie Beratung, Sozialpsychiatrie, Strafvollzug, Migration und Selbsthilfe. Zwei Bereiche allerdings konnten in diese Systematik nicht integriert werden: die Frauenbewegung und das Thema Armut und Benachteiligung.
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([Chassé/von Wensierski](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-5))
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### Systematik nach Thole
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Thole bezieht sich in seiner Systematisierung auf die beiden Traditionslinien und schlägt vor, dann von einem Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit zu sprechen, wenn ›öffentlich organisierte, soziale, unterstützende beziehungsweise pädagogische Hilfen und Dienste zur sozialen Lebensbewältigung oder Bildung angeboten oder organisiert werden‹. Auf dieser Grundlage unterscheidet er vier große Praxisfelder: Kinder- und Jugendhilfe, Erwachsenenbezogene Soziale Hilfen, Altenhilfe und Angebote im Gesundheitssystem — daneben Gemeinwesenarbeit/Stadtteilarbeit und Sozialraumbezogene Soziale Arbeit. Die einzelnen Arbeitsfelder werden nach ›Einmischungsgrad‹ unterschieden: lebensweltergänzend, lebensweltunterstützend, lebensweltersetzend.
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([Thole Systematisierung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-28))
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([Thole Systematisierung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-28))
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Die Systematik von Thole bietet einen guten Überblick über das Spektrum der Sozialen Arbeit. Im vorliegenden Lehrbuch werden Arbeits- und Praxisfelder nicht unterschieden, sondern es wird lediglich von Praxisfeldern gesprochen. In Bezug auf den Einmischungsgrad wird die Unterscheidung zwischen stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten verwendet.
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([Systematik Thole Lehrbuch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-6))
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([Systematik Thole Lehrbuch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-6))
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## Professionsauftrag und Zielsetzung
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## Trägerschaft
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Soziale Arbeit ist ein Moment des Sozialstaatsprinzips, das auf Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit setzt. Sie vermittelt **parteilich zwischen Individuum und Gesellschaft** aus der Perspektive des Subjekts — eine doppelte oder trifokale Aufgabe: Veränderung von Lebensweise, Lebensbedingungen und ggf. Infrastruktur.
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### Öffentliche und private Träger
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Neben der Unterteilung in Praxisfelder ist die Unterscheidung hinsichtlich der Trägerschaft von Einrichtungen bedeutsam. Öffentliche Träger sind Institutionen, mit denen der Staat seine soziale Verantwortung organisiert. Alle Interventionen auf gesetzlicher Grundlage — öffentliche Sozialhilfe, Vormundschaftsrecht, Strafrecht — werden durch staatliche Dienste erbracht. Private Träger hingegen umfassen Einrichtungen, die auf private Initiative hin entstanden sind und das Netz der Freien Träger Sozialer Arbeit bilden. Häufig als Verbände oder Vereine organisiert, werden ihre Kosten teils durch Spenden, zunehmend aber auch durch öffentliche Subventionen getragen.
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([Systematik Thole Lehrbuch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-6))
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### Freiwilligenarbeit und Selbsthilfe
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Darüber hinaus kommt der Freiwilligenarbeit sowie der Selbst- und Nachbarschaftshilfe im Feld der Sozialen Arbeit eine hohe Bedeutung zu. An den Schnittstellen zwischen professioneller und freiwilliger Arbeit nehmen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wichtige Funktionen in Ausbildung, Anleitung, Koordination und Vermittlung wahr.
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([Systematik Thole Lehrbuch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-6))
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## 2.2.2 Professionsauftrag und Zielsetzung
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### Gesellschaftlicher Auftrag
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Die bisherigen Ausführungen zu den historischen Wurzeln und den Praxisfeldern enthielten immer auch Aussagen zu Aufgabenstellung und Zielsetzung der Sozialen Arbeit. Der gesellschaftliche Auftrag ist damit jedoch noch nicht hinreichend beschrieben. Es gilt zu klären, für welche gesellschaftliche Aufgabe die Soziale Arbeit Zuständigkeit beansprucht und wie sie diese versteht.
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([Kapiteleinführung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-1))
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## Parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft
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### Sozialstaatsprinzip als Grundlage
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Soziale Arbeit ist ein Moment des Sozialstaatsprinzips moderner Gesellschaften und nimmt Aufgaben innerhalb des arbeitsteilig organisierten Sozialstaates wahr. Das Sozialstaatsprinzip war die Antwort auf die gesellschaftlichen Brüche der modernen Industriegesellschaft — auf die ungleiche Verteilung von Besitz und Einkommen, die Probleme sozialer Desintegration und die Überforderung traditionaler Systeme der Hilfe. Heute ist es die Antwort auf neue Formen von Entfremdung, Verarmung und Randständigkeit. Dabei hat der Sozialstaat nicht nur marktausgelöste soziale Ungerechtigkeit zu kompensieren, sondern auch eine aktive Verteilungspolitik zu verfolgen.
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([Sozialstaatsprinzip](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-7))
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([Sozialstaatsprinzip](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-7))
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### Die Menschenwürde als Basis
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Das Sozialstaatsprinzip setzt auf die Würde des Menschen und auf die Anerkennung als Subjekt des Lebens; es repräsentiert den Anspruch auf soziale Gerechtigkeit. Angesichts alter und neuer Ungleichheiten und der zunehmenden Brüchigkeit traditioneller Klassen und Milieus ist eine Vermittlung nötig, damit menschliche Würde realisiert werden kann. Hier hat die Soziale Arbeit ihre spezifische Aufgabe: Sie verortet sich als institutionelles Angebot zwischen dem Staat und einzelnen Subjekten, Familien oder Gruppen. Der Sozialen Arbeit kommt dabei die Aufgabe zu, zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen System und Lebenswelt zu vermitteln — Heiner bezeichnet dies als die ›intermediäre Funktion‹ der Sozialen Arbeit.
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([Sozialstaatsprinzip](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-7))
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### Parteilichkeit für das Subjekt
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Diese Vermittlung wird nicht neutral gesehen. Der spezifische Zugang der Sozialen Arbeit ist derjenige einer parteilichen Vermittlung. Thiersch formuliert: Die Soziale Arbeit sei engagiert in den Problemen, die die Menschen in sich und mit sich selbst haben, und erst in zweiter Linie an den Problemen, die die Gesellschaft mit ihnen hat — Soziale Arbeit vermittle zwischen Subjekt und Gesellschaft in der Perspektive des Subjekts. Gildemeister hält fest, die Soziale Arbeit sei der einzige Beruf, der die Solidarität mit den Leidenden, Ausgestoßenen und Problembeladenen nicht aufgeben könne, ohne ein konstitutives Element zu verlieren. Parteilichkeit für Klienten gilt als Maxime Sozialer Arbeit.
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([Parteiliche Vermittlung nach Thiersch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-29))
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([Parteiliche Vermittlung nach Thiersch](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-29))
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### Nachrangiger Auftrag
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Der Auftrag der Sozialen Arbeit ist ein nachrangiger: In der sozialstaatlichen Arbeitsteilung soll die Soziale Arbeit in der Regel erst dann aktiv werden, wenn andere gesellschaftliche Systeme versagt haben beziehungsweise deren Problemlösungsansätze nicht greifen. Die Soziale Arbeit sei zuständig für alle Aspekte der komplexen Problemlagen der Klientel. Diese sozialpolitische Nachrangigkeit, ihre Auffangfunktion als letztes soziales Netz der Gesellschaft, führe dazu, dass sie es meist mit sehr komplexen, oftmals chronifizierten Problemlagen zu tun habe.
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([Nachrangiger Auftrag](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-30))
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## Bearbeitung sozialer Probleme
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### Funktionssystem gesellschaftlicher Hilfen
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In einer soziologischen und systemtheoretischen Perspektive wird der Sozialen Arbeit die Aufgabe der Bearbeitung sozialer Probleme zugewiesen. Soziale Arbeit wird dabei als Funktionssystem gesellschaftlicher Hilfen für von sozialen Problemen betroffene Individuen und Gruppen verstanden. Dies setzt einen gesellschaftlichen Definitions- und Aushandlungsprozess voraus, was als soziales Problem zu bezeichnen ist und wann Abweichungen von der Normalität als so gravierend beurteilt werden, dass Hilfe nötig ist. Anders als die Sozialpolitik geht Soziale Arbeit nicht direkt auf soziale Probleme ein, sondern bearbeitet die individuellen Probleme, die sich für Betroffene daraus ergeben — es gehe ihr um ›individualisierend ansetzende Maßnahmen‹.
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([Nachrangiger Auftrag](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-30))
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### Hilfe zur Selbsthilfe
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In der individuellen Perspektive ist die Soziale Arbeit für das Wohlergehen, die Entwicklung und Selbstverwirklichung von Menschen zuständig. Es gehe darum, Menschen zu befähigen, ihre Bedürfnisse so weit wie möglich aus eigener Kraft zu befriedigen, dank geförderter und geforderter Lernprozesse. Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten gilt als zentrales Grundprinzip der Sozialen Arbeit. Die Soziale Arbeit ist mit der lebenspraktischen Lage ihrer Klienten konfrontiert, die in komplexer Weise mit den Strukturen und Dynamiken der Gesellschaft zusammenhängt. Individuen, Familien und Gruppen in der Realisierung ihrer Lebensentwürfe zu unterstützen, Bildungsprozesse zu ermöglichen und Zugang zu Ressourcen zu eröffnen — das sind die wesentlichen Aufgaben, so Parpan-Blaser.
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([Hilfe zur Selbsthilfe](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-31))
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### Politisches Mandat und Tripel-Mandat
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Ob die Soziale Arbeit neben der individuumsbezogenen Aufgabe auch ein politisches Mandat hat, ist umstritten. Staub-Bernasconi tritt klar dafür ein: Die Soziale Arbeit habe sich in sozialpolitische Entscheidungsprozesse einzumischen, um menschenverachtende soziale Regeln in menschengerechte zu transformieren und Entscheidungsträgern Wissen über die Entstehung sozialer Probleme zur Verfügung zu stellen.
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([Hilfe zur Selbsthilfe](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-31))
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Der Fokus bei der Bearbeitung von Problemen sei immer ein doppelter: Es gehe sowohl um Veränderungen der Lebensbedingungen als auch der Lebensweise der Klientinnen. Diesen doppelten Fokus hat bereits Alice Salomon (1926) formuliert. Wenn die Aufgabe politischer Einmischung und Optimierung der sozialen Infrastruktur hinzugedacht werde, lasse sich von einem ›trifokalen Fokus‹ sprechen. Staub-Bernasconi bezeichnet dies als Tripel-Mandat der Sozialen Arbeit.
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([Doppelter und trifokaler Fokus](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-32))
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([Doppelter und trifokaler Fokus](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-32))
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Die Zielsetzung lässt sich mit drei Begriffen umschreiben: **soziale Gerechtigkeit**, **soziale Integration** und **Autonomie in der individuellen Lebenspraxis**. Der Auftrag folgt der Nachrangigkeit: Soziale Arbeit wird aktiv, wenn andere gesellschaftliche Systeme versagt haben.
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([Nachrangiger Auftrag](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-30))
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## Soziale Gerechtigkeit, Integration und Autonomie
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### Zentrale Zielbegriffe
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Je nach theoretischem Entwurf wird der Auftrag der Sozialen Arbeit, zwischen Individuum und Gesellschaft aus der Perspektive des Subjekts zu vermitteln, mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten umschrieben, die zugleich eine Zielsetzung beinhalten.
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([Zielsetzung und Begriffe](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-8))
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### Soziale Integration
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Es gilt als wesentliche Aufgabe der Sozialen Arbeit, soziale Integration zu unterstützen und den Zugang von Menschen zu allen relevanten Bereichen der Gesellschaft zu ermöglichen. Gemäß Böhnisch ist die Soziale Arbeit die gesellschaftlich institutionalisierte Reaktion auf gesellschaftlich bedingte soziale Desintegration. In seinem Konzept biografischer Lebensbewältigung kommt der Sozialen Arbeit die Aufgabe zu, individuelles Bewältigungshandeln zu verstehen und soziale Integration zu sichern.
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([Zielsetzung und Begriffe](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-8))
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### Inklusion und Exklusion
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In systemtheoretischen Entwürfen wird die Funktion der Sozialen Arbeit bestimmt als Exklusionsvermeidung, Inklusionsvermittlung und Exklusionsverwaltung. Inklusionsvermittlung bedeutet, den Zugang zu sozialen Systemen — etwa Arbeitsmarkt, Bildungswesen, Gesundheitssystem — zu ermöglichen und damit Exklusion zu verhindern. Gelingt die Inklusionsvermittlung längerfristig nicht, tritt an ihre Stelle die Exklusionsverwaltung: die Begleitung der Marginalisierten. Haupert bezeichnet die Soziale Arbeit als ›Kerndisziplin der sozialen Integration‹, deren Ziel die Herstellung und Erhaltung sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit sei.
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([Inklusion und Exklusion](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-33))
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### Autonomie der Lebenspraxis
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Viele Theoretikerinnen benennen die Autonomie der Klientinnen oder die allgemeine Autonomie der Lebenspraxis als zentralen Wert. Dewe et al. bestimmen Soziale Arbeit als Hilfe, die in dialogischen Prozessen erbracht wird und auf die Wiedergewinnung und Steigerung der Handlungsautonomie ihrer Adressaten ausgerichtet ist. ›Achtung vor der Würde und dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen‹ und die Anerkennung der Klienten als ›Subjekt ihres Lebens‹ (Thiersch) sind weitere Umschreibungen für diesen zentralen Wert.
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([Handlungsautonomie](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-34))
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([Handlungsautonomie](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-34))
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### Drei Richtungen nach Rauschenbach/Zürcher
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## Grundorientierungen
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Rauschenbach und Zürcher stellen nach ihrer Durchsicht der aktuellen theoretischen Beiträge fest, dass sich drei Richtungen unterscheiden lassen. Die Soziale Arbeit reagiere im Wesentlichen auf drei soziale Tatbestände: erstens auf die ›Erziehungstatsache‹ und die Herausforderungen des Aufwachsens; zweitens auf soziale Probleme, alte und neue Ungleichheiten sowie Fragen der Inklusion und Exklusion; drittens auf Risiken der individuellen Lebensführung und der alltäglichen Lebensbewältigung. Zusammenfassend umreißen sie die Soziale Arbeit als ›öffentliche Reaktion auf einen politisch anerkannten Hilfebedarf von Personen und Personengruppen in modernen Gesellschaften‹.
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Alle aktuellen Theorien der Sozialen Arbeit gehen von einem **Person-in-Umwelt-Modell** aus und sehen Probleme als komplexes Interaktionsgeschehen zwischen bio-psychischen, sozialen und kulturellen Dimensionen. Als allgemeine Grundprinzipien gelten: systemischer Zugang, Lebensweltorientierung und Ressourcenorientierung.
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([Rauschenbach/Zürcher](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-35))
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([Bio-psycho-soziale Perspektive](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-36))
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([Ressourcenorientierung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-37))
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### Zusammenfassung der Zielsetzung
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Soziale Arbeit ist ein Moment innerhalb des Sozialstaatsprinzips, ausgerichtet darauf, soziale Gerechtigkeit zu sichern, die Würde hilfebedürftiger Menschen zu wahren und zur Bewältigung individueller Schwierigkeiten beizutragen. Sie leistet einen Beitrag zu sozialer Grundversorgung und Bildung, bietet Unterstützung in der Alltagsgestaltung und Lebensbewältigung und trägt bei zu sozialer Integration. Im spannungsreichen Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft vermittelt sie anwaltschaftlich für das als selbsttätig und autonom verstandene Individuum. Mit den Begriffen ›soziale Gerechtigkeit‹, ›soziale Integration‹ und ›Autonomie in der individuellen Lebenspraxis‹ ist die Zielsetzung umrissen.
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([Zusammenfassung der Erkenntnisse](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-12))
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Das Lehrbuch thematisiert das professionelle Handeln im Hinblick auf die individuumsbezogene Funktion Sozialer Arbeit, mit dem Fokus auf die Veränderung von Lebensweise und Lebensbedingungen — einschließlich der Arbeit mit Einzelpersonen, Familien, Gruppen und Gemeinwesen.
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([Individuumsbezogene Funktion](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-9))
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## 2.2.3 Grundorientierungen und Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen
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### Ausgangspunkt
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Die Soziale Arbeit ist an der Schnittstelle zwischen Individuum und Gesellschaft befasst, wo sich Problemlagen und Anforderungen zeigen, bei deren Bewältigung Menschen auf Unterstützung angewiesen sind. In der Auseinandersetzung mit komplexen Problemstellungen geht es um Unterstützung im Hinblick auf eine möglichst selbstbestimmte Lebenspraxis. Sie will beitragen zu einem gelingenden, ›guten‹ Leben und in Krisensituationen Hilfe leisten und soziale Integration ermöglichen.
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([Individuumsbezogene Funktion](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-9))
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## Grundorientierungen und Grundprinzipien
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### Spezifische Theorien der Sozialen Arbeit
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In den letzten drei Jahrzehnten sind spezifische Theorien der Sozialen Arbeit entwickelt worden: das Konzept der Lebensweltorientierung (Thiersch), der Lebensbewältigungsansatz (Böhnisch), die Theorie ›Integration und Lebensführung‹ (Sommerfeld et al.) und das Systemtheoretische Paradigma (Staub-Bernasconi, Geiser). Als allgemeine Grundorientierungen haben sich Lebensweltorientierung und ein systemischer Zugang in der Sozialen Arbeit etabliert.
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([Grundorientierungen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-10))
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([Grundorientierungen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-10))
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### Bio-psycho-soziale Perspektive
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Die Arbeitsweise ist **dialogisch-partizipativ** mit Arbeitsbündnis als Kernelement. Zum Wissenskorpus gehören Theorien, empirisches Wissen, Erklärungen und Verfahrenswissen aus Disziplin und relevanten Nachbardisziplinen.
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Eine wesentliche Gemeinsamkeit aller Theorien ist die bio-psycho-soziale Perspektive als theoretische Grundlage. Alle Theorien weisen eine inhaltliche Nähe zum Person-in-Umwelt-Modell (person-in-environment) und zum biopsychosozialen Modell auf. Probleme der Lebensbewältigung werden als komplexes Interaktionsgeschehen zwischen bio-psychischen, sozialen und kulturellen Dimensionen aufgefasst. Der besondere Zugang der Sozialen Arbeit besteht darin, im Rahmen des biopsychosozialen Modells vor allem die soziale Dimension auszuleuchten — auf Seiten der Person die interaktionalen Bezüge wie soziale Beziehungen und Netzwerke, auf Seiten der Umwelt die soziostrukturellen und sozialökologischen Aspekte.
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([Bio-psycho-soziale Perspektive](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-36))
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### Ressourcenorientierung
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Neben dem Blick auf die ›Person in ihrer Umwelt‹ kann Ressourcenorientierung als allgemeines Grundprinzip der Sozialen Arbeit gelten. Dabei geht es sowohl um personale Ressourcen — die Möglichkeiten, die in der Person selbst liegen — als auch um Umweltressourcen. Dies umfasst Prozesse der Ressourcenaktivierung ebenso wie Empowerment (Herriger 2020). Das Prinzip ›Hilfe zur Selbsthilfe‹ hängt hiermit eng zusammen.
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([Ressourcenorientierung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-37))
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### Orientierungen nach Wendt
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Wendt fasst die spezifischen Orientierungen der Sozialen Arbeit in vier Perspektiven zusammen: eine adressatenbezogene Perspektive (Orientierung am Subjekt, an den Ressourcen und an der Mündigkeit), eine systembezogene Perspektive (Menschen in ihrem Lebensraum und ihrer Lebenswelt), Empowerment als grundlegende Perspektive der Selbstbefähigung und eine handlungsorientierende Perspektive (Bedeutung von Arbeitsbündnis, Wissen, Können und Haltung).
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([Wendt Orientierungen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-10))
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### Arbeitsbündnis und dialogisch-partizipative Arbeitsweise
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Das Arbeitsbündnis zwischen Sozialarbeiterin und Klient gilt als ein Kernelement professionellen Handelns. Die Arbeitsweise ist dialogisch-partizipativ. Stimmer und Ansen differenzieren die professionelle Arbeitsweise in Prinzipien wie ›Verständigungsorientiert handeln‹, ›Sinn verstehen‹, ›Ressourcen fördern‹, ›Mehrperspektivisch denken und handeln‹ und ›Netzwerkorientiert denken und handeln‹.
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([Arbeitsbündnis](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-38))
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([Arbeitsbündnis](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-38))
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## Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen
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### Wissenskorpus der Sozialen Arbeit
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In allen aktuellen Methodenlehren wird die grundlegende Bedeutung wissenschaftlichen Wissens für professionelles Handeln betont. Zum Wissenskorpus gehören nicht nur die spezifischen Theorien und Konzepte der Disziplin sowie das aus Forschung generierte empirische Wissen, sondern auch vielfältige Wissensbestände aus relevanten Nachbardisziplinen wie Psychologie, Soziologie und Recht.
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([Wissenskorpus](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-39))
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([Wissenskorpus](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-39))
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([Wissensformen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-11))
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### Wissensarten und Wissensformen
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Wissen kann gemäß seiner Funktion in unterschiedliche Wissensarten ausdifferenziert werden. Von Spiegel unterscheidet vier Kategorien: Beschreibungswissen, Erklärungswissen, Wertewissen und Veränderungswissen. Preis ergänzt diese Systematik um ›Prognosewissen‹ und verwendet anstelle von ›Veränderungswissen‹ den Begriff ›Verfahrenswissen‹. Sich auf geeignetes wissenschaftliches Wissen zu beziehen, gehört zum Selbstverständnis von Professionellen der Sozialen Arbeit.
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([Wissensformen](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-11))
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## 2.3 Zusammenfassung
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Die Soziale Arbeit hat zwei Traditionslinien — eine sozialarbeiterische und eine sozialpädagogische Linie. Die historische Unterscheidung gilt heute als überholt; als neuer Leitbegriff wird Soziale Arbeit verwendet. Das Feld der Sozialen Arbeit zeichnet sich durch Vielfalt und Heterogenität aus — aufgrund der Expansion der Angebote, der Erschließung neuer Aufgabenfelder und der Diversifizierung und Spezialisierung innerhalb der Praxisfelder.
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([Zusammenfassung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-12))
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Soziale Arbeit ist zugleich Disziplin und Profession. Die Disziplin untersucht den Gegenstand mit spezifischen Fragestellungen und Methoden, generiert Wissen und stellt die akademische Ausbildung sicher. Die Profession umfasst das gesamte Praxissystem — die beruflich tätigen Personen, Orte und Institutionen sowie die offerierten Dienstleistungen. Professionelles Handeln zielt auf Wirksamkeit und muss dem Kriterium der Angemessenheit genügen.
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([Thole über Profession](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-24))
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Die Zielsetzung lässt sich mit drei Begriffen umschreiben: soziale Gerechtigkeit, soziale Integration und Autonomie in der individuellen Lebenspraxis. Alle aktuellen Theorien gehen von einem Person-in-Umwelt-Modell aus und sehen Probleme als komplexes Interaktionsgeschehen zwischen bio-psychischen, sozialen und kulturellen Dimensionen. Als Grundprinzipien gelten systemischer Zugang, Lebensweltorientierung und Ressourcenorientierung. Die Arbeitsweise ist dialogisch-partizipativ, und die Bezugnahme auf wissenschaftliches Wissen ist unabdingbar.
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([Zusammenfassung](./chapter_02_soziale-arbeit.evidence.md#reference-12))
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@ -2,21 +2,101 @@
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Hochuli Freund, U. & Stotz, W. (2021). *Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit. Ein methodenintegratives Lehrbuch.* 5., erweiterte und überarbeitete Auflage. Stuttgart: Kohlhammer.
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Hochuli Freund, U. & Stotz, W. (2021). *Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit. Ein methodenintegratives Lehrbuch.* 5., erweiterte und überarbeitete Auflage. Stuttgart: Kohlhammer.
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## Chapters
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- [Einleitung und Vorworte](./chapter_00_einleitung.md)
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## Grundlagenteil
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- [Kapitel 02: Soziale Arbeit](./chapter_02_soziale-arbeit.md)
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- [Kapitel 03: Professionstheoretische Grundlagen](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md)
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### [Einleitung und Vorworte](./chapter_00_einleitung.md)
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- [Kapitel 04: Ethische und rechtliche Grundlagen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md)
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- [Kapitel 05: Kooperation](./chapter_05_kooperation.md)
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Das Lehrbuch wird von den Autoren Ursula Hochuli Freund und Walter Stotz einführt – beide führende Expertinnen und Experten im Bereich professionelle Soziale Arbeit. Die Vorworte zur ersten und fünften Auflage dokumentieren die Entwicklung des KPG-Konzepts als Antwort auf zentrale Fachfragen: Wie kann professionelles Handeln systematisch gestaltet werden? Welche methodische Fundierung ist notwendig? Das Lehrbuch positioniert sich als methodenintegratives Konzept für alle Praxisfelder der Sozialen Arbeit und adressiert die grundlegende Notwendigkeit, professionelle Prozesse strukturiert, theoriegeleitet und kooperativ zu gestalten.
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- [Kapitel 06: Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.md)
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- [Kapitel 07: Konzept Kooperative Prozessgestaltung](./chapter_07_konzept-kpg.md)
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- [Kapitel 08: Situationserfassung](./chapter_08_situationserfassung.md)
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- [Kapitel 09: Analyse](./chapter_09_analyse.md)
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### [Kapitel 02: Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft](./chapter_02_soziale-arbeit.md)
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- [Kapitel 10: Diagnose](./chapter_10_diagnose.md)
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- [Kapitel 11: Zielsetzung](./chapter_11_zielsetzung.md)
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Dieses Kapitel klärt die historischen Wurzeln und die gegenwärtige Verortung Sozialer Arbeit als Disziplin und Profession. Der Kontext wird durch die beiden Traditionslinien Sozialpädagogik und Sozialarbeit vermittelt – beide prägen bis heute das Selbstverständnis des Feldes. Das Kapitel behandelt die Entwicklung von der ehrenamtlichen Armenpflege über die Professionalisierungsbewegungen des 20. Jahrhunderts bis zur modernen Sozialarbeit als staatlich regulierte Dienstleistung. Zudem werden die Vielfalt der Praxisfelder, die Unterscheidung zwischen Disziplin und Profession sowie die zentralen Aufträge dargestellt: parteiliche Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft sowie Bearbeitung sozialer Probleme.
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- [Kapitel 12: Interventionsplanung](./chapter_12_interventionsplanung.md)
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- [Kapitel 13: Interventionsdurchführung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md)
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- [Kapitel 14: Evaluation](./chapter_14_evaluation.md)
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- [Kapitel 15: Schlusswort](./chapter_15_schlusswort.md)
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### [Kapitel 03: Professionstheoretische Grundlagen](./chapter_03_professionstheoretische-grundlagen.md)
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Professionalisierbarkeit ist ein zentrales Thema seit den 1970er Jahren. Dieses Kapitel erläutert den Diskurs um das klassische Professionsmodell (Architekten, Ärzte, Juristen) und dessen Anwendbarkeit auf Soziale Arbeit. Die Soziale Arbeit wird als »bescheidene Profession« charakterisiert – sie hat zwar ein gesellschaftliches Mandat, verfügt aber nicht über ein Wissensmonopol. Stattdessen sind die Strukturmerkmale »diffuse Allzuständigkeit«, »doppelte Loyalitätsverpflichtung«, »geringe Standardisierbarkeit«, »Koproduktion« und »Involviertheit der ganzen Person« zentral. Das Kapitel arbeitet heraus, dass professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit gerade keine technische Anwendung standardisierter Rezepte ist, sondern eine reflektierte, kooperative Gestaltung unter Unsicherheit.
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### [Kapitel 04: Ethische und rechtliche Grundlagen](./chapter_04_ethische-rechtliche-grundlagen.md)
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Professionelles Handeln ist ohne ethische Reflexion undenkbar. Dieses Kapitel behandelt zentrale ethische Konzepte (Kantische Ethik, Verantwortungsethik, Care-Ethik), berufsethische Richtlinien (Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz) und deren konkrete Implikationen für professionelle Entscheidungen. Parallel werden rechtliche Aspekte erörtert: Verfassungsgarantien, Menschenrechte, Datenschutz und die Spannung zwischen Hilfe und Kontrolle. Das Kapitel vermittelt, dass Ethik und Recht nicht als externe Vorgaben zu verstehen sind, sondern als Grundlagen für legitime professionelle Praxis.
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### [Kapitel 05: Kooperation](./chapter_05_kooperation.md)
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Kooperation ist nicht ein optionales Add-on, sondern ein konstitutives Element professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit. Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung von Arbeitsbeziehungen als Fundament – wie entstehen Beziehungen, die hilfreiche Prozesse ermöglichen? Es wird die Psychoanalytische Theorietradition (Nähe/Distanz-Spannung), das Konzept der »beziehungsfundierten Passung« und die Unterscheidung mellan intra- und interprofessioneller Kooperation behandelt. Zentral ist die Einsicht, dass Kooperation nicht automatisch entsteht, sondern intentional gestaltet werden muss und dass die professionelle Persönlichkeit das Arbeitsinstrument darstellt.
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### [Kapitel 06: Methoden, Professionskompetenz und Grundhaltung](./chapter_06_methoden-professionskompetenz.md)
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Dieses Kapitel unterscheidet zwischen »Konzept« (Denk- und Orientierungsrahmen), »Methode« (Vorgehen) und »Technik« (konkrete Werkzeuge). Es wird erläutert, dass Methoden nicht beliebig sind, sondern in theoretischer Fundierung verankert sein müssen. Das Kapitel arbeitet heraus, dass Professionskompetenz aus drei Komponenten besteht: Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz. Eine reflektierte Grundhaltung (Habitus) ist unverzichtbar – sie steuert, wie Methoden und Techniken eingesetzt werden und ermöglicht es, kontextgerecht zu handeln.
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## Kernkonzept: Das Prozessmodell
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### [Kapitel 07: Konzept Kooperative Prozessgestaltung](./chapter_07_konzept-kpg.md)
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Dieses Kapitel präsentiert das Herzstück des Lehrbuchs: das Prozessmodell KPG. Es wird begründet, warum ein strukturiertes Vorgehen notwendig ist (Technologiedefizit, Involviertheit als ganze Person) und welche Anforderungen an eine theoriegeleitete Strukturierung zu stellen sind. Das zirkuläre Phasenmodell mit sieben Prozessschritten in zwei Phasen (analytisch-diagnostisch und Handlungsphase) wird eingeführt: Situationserfassung – Analyse – Diagnose – Zielsetzung – Interventionsplanung – Interventionsdurchführung – Evaluation. Das Grundprinzip »Vor jeglichem Handeln steht das Bemühen zu verstehen« wird als Leitfaden für alle Schritte etabliert. Das Konzept ist methodenintegrativ, fallbezogen und berücksichtigt zwei Kooperationsebenen: mit Klientinnen und Bezugssystemen sowie intra- und interprofessionell.
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## Prozessschritte: Analytisch-diagnostische Phase
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### [Kapitel 08: Situationserfassung](./chapter_08_situationserfassung.md)
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Situationserfassung ist der erste Prozessschritt: Die Aufgabe besteht darin, die wichtigsten Informationen zur Fallsituation und ihrem Kontext zusammenzutragen. Dieses Kapitel behandelt Auftragsklärung (klientenbezogene, organisatorische, gesellschaftliche Aufträge), grundlegende Haltungen (Offenheit, Ressourcenorientierung, Kooperation), methodische Hilfsmittel und drei zentrale Methoden: Erkundungsgespräche (formell/informell), Beobachtung (Fremd- und Selbstbeobachtung) und Aktenstudium. Der Schwerpunkt liegt darauf, den »Realitätsausschnitt« angemessen zu bestimmen und strukturierungshilfen einzusetzen, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.
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### [Kapitel 09: Analyse](./chapter_09_analyse.md)
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In der Analyse wird die erfasste Situation interpretiert und strukturiert – mit dem Ziel, die Fallthematik zu verstehen. Dieses Kapitel stellt quantitative und qualitative Analyseverfahren vor, darunter Problem-, Ressourcen- und Machtquellen-Karten, Netzwerkkarten, Soziogramme und systemische Hypothesen. Es wird zwischen zwei Methodenkategorien unterschieden: theoriegeleitetes Fallverstehen (theoretisches Wissen anwenden) und rekonstruktives Fallverstehen (implizites Wissen der Klientinnen und Klienten miteinbeziehen). Das Kapitel vermittelt, dass Analyse nicht eine »richtige Interpretation« anstrebt, sondern eine »professionelle Hypothese«, die handlungsleitend ist und überprüft werden kann.
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### [Kapitel 10: Diagnose](./chapter_10_diagnose.md)
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Die Diagnose ist eine zentrale methodische Leistung: Basierend auf Situationserfassung und Analyse wird die Fallthematik formuliert – also eingegrenzt, worauf die weitere Intervention fokussiert. Dieses Kapitel erläutert fachliche Begriffe und Konzepte zur differenzierten Fallanalyse, stellt methodische Ansätze dar (z. B. systemische Denkfiguren) und behandelt die Herausforderung, Expertentätigkeit und Dialog zu verbinden. Diagnose ist nicht eine monologische technische Leistung, sondern ein kooperativer Prozess, in den Klientinnen und ihre Perspektiven einbezogen werden.
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## Prozessschritte: Handlungsphase
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### [Kapitel 11: Zielsetzung](./chapter_11_zielsetzung.md)
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Zielsetzung transformiert die Diagnose in konkrete, erreichbare Ziele. Dieses Kapitel unterscheidet zwischen Endzielen (Visionäre Ziele ohne Zeithorizont), Grobzielen (auf 1–2 Jahre bezogen, KPG-Ebene) und Feinzielen (konkrete Etappenziele). Es werden Kriterien guter Ziele erläutert (spezifisch, messbar, relevant, realistisch), und die kooperative Zielbildung wird betont: Ziele müssen mit Klientinnen ausgehandelt werden, nicht für sie formuliert. Das Kapitel behandelt auch Lösungsorientierung (de Shazer) und Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) als Zugänge zur Zielformulierung.
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### [Kapitel 12: Interventionsplanung](./chapter_12_interventionsplanung.md)
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Die Interventionsplanung antwortet auf: Wer macht wann, was, wie, warum? Dieses Kapitel behandelt die Planung konkreter Maßnahmen, die Abwägung zwischen normgebundener Vorgabe und fallbezogener Flexibilität, die Koordination verschiedener Akteure und die Frage, wie die Person des Sozialarbeiters als Arbeitsinstrument eingesetzt wird. Es wird zwischen Organisations- und Falllogik unterschieden und die Notwendigkeit »rollender Planung« betont – Flexibilität bei der Umsetzung ist unabdingbar.
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### [Kapitel 13: Interventionsdurchführung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.md)
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Die tatsächliche Intervention ist gekennzeichnet durch Koordination, Information, kontinuierliches Monitoring und die reflektierte Nutzung der professionellen Person. Dieses Kapitel behandelt die zentrale Rolle der professionellen Beziehung, Herausforderungen (Person als Arbeitsinstrument, Gefahr emotionaler Verstrickung) und Monitoring-Strategien. Es wird betont, dass während der Intervention ständig gelernt wird und die Planung bei neuen Erkenntnissen angepasst werden muss. Dokumentation und regelmäßige Supervision sind unverzichtbar.
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### [Kapitel 14: Evaluation](./chapter_14_evaluation.md)
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Evaluation schließt den Prozess ab, ist aber zugleich kontinuierlich. Dieses Kapitel behandelt Prozess- und Ergebnisevaluationen, die Frage »Was hat's gebracht?« für alle Beteiligten und die Bedeutung von Evaluation als »lernende Organisation«. Es wird exemplarisch gezeigt, wie Evaluation implementiert werden kann, und die kritische Reflexion – Was hätte anders laufen können? – wird als zentrales Element der professionellen Gestaltung dargestellt. Evaluation ermöglicht, dass jeder Fall zum Lernen für zukünftige Fälle beiträgt.
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### [Kapitel 15: Schlusswort – Professionalisierung und kontinuierliche Reflexion](./chapter_15_schlusswort.md)
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Das abschließende Schlusswort verdichtet die zentrale Botschaft des Lehrbuchs: Professionalisierung ist nicht ein »Produkt«, das erreicht wird, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Zentral sind die Gewichtung der Prozessphasen, kontinuierliche Selbstreflexion, organisationale Verankerung von KPG und regelmäßige Diskurse im Team. Das Kapitel hebt hervor, dass die »Methodenintegration« nicht bedeutet, alle Methoden eklektizistisch zu mischen, sondern bewusst fallbezogen auszuwählen. Abschließend wird die Vision einer Profession skizziert, die ihre Komplexität und Ungewissheit nicht wegleugnet, sondern damit kooperativ und reflektiert umgeht.
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